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03.05.2001

TAZ

Pressespiegel

Konkurrenz für den Kölner Dom

Bild verkleinern
FDP-Fraktionschef Ralph Sterck will den Bau einer "repräsentativen Moschee" forcieren

Von Martin Herrndorf

Ralph Sterck ist begeistert, als er die Ayasofia-Moschee in Neuss sieht. "So eine Moschee würde auch das Kölner Stadtbild bereichern", genießt der Chef der FDP-Ratsfraktion den Anblick. Kein Wunder: Das Gotteshaus im Stadtteil Norf ist imposant. Es ist im orientalischen Stil erbaut, hat eine Kuppel und zwei Minarette, kurz: kein Vergleich mit den in Deutschland üblichen Hinterhofmoscheen. Das ist eine Moschee, wie Sterck sie sich auch für Köln wünschen würde.

Am Samstag hatten die Kölner Liberalen zur "Moschee-Rundfahrt" durch das Rheinland geladen, um, so Sterck, "nach fünf Jahren Stillstand die Diskussion über eine repräsentative Moschee in Köln wieder anzuschieben".

Denn obwohl über 100.000 Muslime teils seit Jahrzehnten in Köln leben, haben sie bis heute keinen zentralen Versammlungsort. Sie treffen sich in rund 35 provisorischen Gebetsstätten.

Schon 1996 wurde ein Ratsbeschluss gefasst, der den Bau einer repräsentativen Moschee ermöglichen sollte. "Doch der hatte zur Voraussetzung gemacht, dass sich die muslimischen Vereine untereinander einigen", erläutert Streck, "aber das ist bis jetzt nicht passiert." Und das werde auch zukünftig nicht passieren, meint der Speditions-Kaufmann. "Wir werden es nicht schaffen, alle Vereine unter einen Hut zu bekommen." Bei einem neuen Beschluss soll der Vorbehalt wegfallen: "Wir müssen bei einer Ausschreibung sehen, wer unsere Kriterien am besten erfüllt. Dann kann auch ein Verein alleine der Träger sein", erklärt er.

Auch die CDU möchte inzwischen eine repräsentative Moschee in Köln. Das steht in einem kürzlich beschlossen Integrationspapier. Kölns Christdemokraten beharren allerdings weiterhin darauf, dass mehrere Vereine als Träger dienen. CDU-Ratsmitglied Teresa Eilisa de Bellis gibt sich unter der weiten, farbig ausgeschmückten Kuppel in Neuss unnachgiebig: "Es liegt nur an den islamischen Vereinen. Die müssen sich einigen."

Arif Ünal, Ratsherr der Kölner Grünen, befürwortet hingegen die Linie der FDP. Als Betreiber im Visier hat er vor allem ditib, eine Organisation aus der Türkei, die mehrere hundert Gebetshäuser in Deutschland betreibt: "Diese Gruppierung ist an keine politische Richtung in der Türkei gebunden, sondern neutral".

Das bezweifelt ein mitfahrender Verbandsvertreter, der nicht genannt werden möchte: "Der türkische Staat übt durch ditib Kontrolle aus." Der Verein schicke Imame aus der Türkei für sechs Jahre in Moscheen nach Deutschland. "Die sprechen kein Deutsch und haben vom Leben hier keine Ahnung, sind total weltfremd", schildert er die Lage. Auch gebe Ankara Predigtthemen vor. Der deutsche Staat solle sich überlegen, "ob er einem fremden Staat so viel Einfluss geben will". Seiner Meinung nach solle eine Bewegung aus den Gemeinden, von unten, die neue Moschee tragen.

Dass in der Teestube der Moschee in Neuss ein überlebensgroßes Portrait des Staatsgründers Kemal Atatürk hängt, scheint Sterck indes nicht zu stören, obwohl "ein Kurde damit eventuell Probleme hat."

Auch in Chorweiler wird der Bau einer Moschee geplant. Das Vorhaben ist noch dringlicher, gibt es doch im näheren Umkreis nicht mal Provisorien. Hier sind bereits mehrere zentral gelegene Grundstücke anvisiert. Die Bezirksvertretung hat dem Plan bereits zugestimmt. "Jetzt liegt es an der Verwaltung und den muslimischen Vereinen", erläutert Ziya Cicek vom Multinationalen Bildungs- und Kulturverein.

Eine Moschee in Köln wäre weit mehr als nur ein Gebetshaus: Mit Hilfe bei Hausaufgaben, mit Sprach- und Computerkursen leisten die Moscheen einen praktischen Beitrag zur vielbeschworenen Integration. Die Finanzierung wäre kein Problem. Auch die bestehenden Moscheen in Wesseling und Neuss wurden von Gemeindemitgliedern finanziert und kommen ohne Zuschüsse aus. Lediglich die Moschee in Leverkusen, die in einem ehemaligen Sportcenter untergebracht ist, bekommt Zuschüsse von der Stadt für soziale Maßnahmen.

Als Wunschtraum für den Standort fällt Ralph Sterck vor allem das ehemalige CFK-Gelände in Kalk ein: "Das wäre schon ideal, vor allem, weil viele Muslime in der Gegend wohnen".

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