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22.02.2008

Kölner Stadt-Anzeiger

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"Man muss auf Russen eingehen"

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FDP-Außenpolitiker Hoyer: Das Kosovo ist kein Präzedenzfall

Der FDP-Fraktionsvize Dr. Werner Hoyer warnt nach der Anerkennung des Kosovo vor einer "Atomisierung der Landkarte".

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Hoyer, haben Sie Verständnis für den Widerstand nicht nur Serbiens, sondern auch Russlands und Spaniens gegen die Anerkennung des Kosovo?

WERNER HOYER: Man muss das zumindest ernst nehmen. Es geht dabei nicht um Fundamentalopposition. In der Nachkriegsordnung ist etwas grundsätzlich ins Wanken gekommen. Und es ist wichtig, dass auch Deutschland klarmacht, dass es sich bei dem Kosovo um ein Sonderthema handelt. Nicht zu vergleichen mit dem Baskenland oder Abchasien.

Warum ist das Kosovo kein Präzedenzfall?

HOYER: Die Kosovaren haben in besonderer Weise in den 80er und 90er Jahren unter der serbischen Herrschaft gelitten. Das lässt sich nicht mit den Basken in Spanien vergleichen, die nach mehr Autonomie streben. Es muss aber weiter die Schlussakte von Helsinki gelten, nach der Grenzen nur friedlich und im Konsens neu gezogen werden können. Niemand kann ein Interesse an der Atomisierung der Landkarte haben.

Lassen sich Russland und Serbien besser einbinden?

HOYER: Es war ein großer Fehler der westlichen Diplomatie anzunehmen, dass Russland am Ende nachgeben würde. Man muss auf die Besorgnis der Russen eingehen. Den Serben sollte man zwar nicht den EU-Beitritt ohne Bedingungen auf dem silbernen Tablett servieren. Aber den Jüngeren könnte man klarmachen, dass das Kosovo verloren ging, weil in Belgrad in den vergangenen Jahrzehnten eine verbrecherische Führung handelte. Gerade auf die jüngere serbische Bevölkerung sollten wir auch versuchen zuzugehen und ihr verdeutlichen, dass sie nicht durch unbesonnenes Verhalten die Perspektiven auf einen EU-Beitritt verspielen sollte.

Läuft die EU Gefahr, im Kosovo zu viel Verantwortung zu übernehmen?

HOYER: Für mich besteht kein Anlass zum Jubeln. Die Probleme fangen jetzt erst an. Europa wird sehr stark gefordert sein. Außerdem gibt es im Kosovo starke Kräfte, die daran arbeiten, möglichst lange europäisches Geld und Personal im Land zu halten. Es muss aber darum gehen, das Kosovo so rasch wie möglich selbst lebensfähig zu machen.

Das Gespräch führte Sibylle Quenett .


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