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21.02.2008

Kölnische Rundschau

Pressespiegel

Der Liberale: Grüne sind Besserwisser

Daniel Bahr, MdB
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Daniel Bahr, MdB
"Bei den Grünen erinnert manches an den Monty-Python-Film 'Das Leben des Brian'", Daniel Bahr, FDP-Abgeordneter des Deutschen Bundestages, über seine ersten Eindrücke bei den Grünen

Am Sonntag sind 1,3 Millionen Hamburger aufgerufen, eine neue Bürgerschaft zu wählen. Bislang regiert CDU-Bürgermeister Ole von Beust alleine. Doch der Union drohen Verluste, die SPD kann mit Zuwächsen rechnen. Die Linkspartei schafft voraussichtlich den Einzug.

Klare Mehrheiten zeichnen sich nicht ab. Nach Umfragen reicht es weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün. Daher werden bereits Alternativen angedacht: eine "Ampel" aus SPD, Grünen und FDP sein oder "Jamaika" mit CDU, Grünen und FDP.

Liberale und Grüne in einer Regierung: Sind die Gräben nicht zu tief? Oder gibt es Gemeinsamkeiten? Norbert Wallet fragte den Bundestagsabgeordneten Daniel Bahr (FDP) danach, was man am politischen Gegner schätzt und was nicht.

Ihr prägendes Erlebnis mit den Grünen?

Ich erinnere mich mit gewissem Grausen an eine stundenlange Parteitagsdebatte der Grünen darüber, ob es Bürgerversicherung oder BürgerInnenversicherung heißen soll. Der Glaubenskrieg ums Große war da wichtiger als die Inhalte. Diesen hingebungsvollen Streit um Symbole finde ich schon einen prägenden Eindruck.

Das fand ich an der Partei immer schon stark:

Die leidenschaftliche Streitkultur hat mich auch beeindruckt. Ich habe selbst einmal einen Parteitag der Grünen vor Ort verfolgt. Das war in Wiesbaden. Die Julis hatten eine Aktion gemacht. Da habe ich mir das mal genauer angeschaut. Und bevor ich bei den Liberalen landete, hatte ich mich bemüht, die Jugendorganisationen aller demokratischen Parteien kennen zu lernen.
Bei den Grünen erinnerte mich das manchmal an eine Szene aus dem Monty-Python-Film "Das Leben des Brian" aus den 70er Jahren: Da sitzt die ganze Truppe der Aufständischen beisammen und redet und redet. Dabei vergisst sie vollkommen den Zweck der Debatte: Man wollte doch eigentlich gegen die Römer kämpfen. Gut, das kann ja auch etwas Sympathisches haben.

Das konnte ich an der Partei noch nie leiden:

Die linke Ideologie gepaart mit diesem Besserwissertum. Klar, auch die Grünen glauben, dass sie für Freiheit und Problemlösungen kämpfen. Aber häufig bevormunden sie die Menschen: Zum Beispiel bei den Themen Ernährung und Bewegung. Vom Rauchverbot bis zum Tempolimit - immer fallen den Grünen zuerst Verbote und Staat ein.

Was ich an der Partei inhaltlich überhaupt nicht verstehe:

Die Grünen verstehen sich doch selbst als Bürgerrechts-und Freiheitspartei. Deshalb müssten sie doch sehen, dass eine Politik der Verbote genau das Gegenteil - eine Entmündigung - bewirkt. Statt dem Bürger Freiheit zu lassen, wird für ihn entschieden. Das passt nicht zusammen. Warum sieht das niemand?

Den oder die finde ich einen richtig guten Typ:

Alexander Bonde natürlich - und den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Matthias Berninger, der nun von der Politik in die Wirtschaft gewechselt ist. Das sind Typen, mit denen man richtig offen sprechen kann, ohne dauernd auf rote Ampeln achten oder nach Jamaika reisen zu müssen.

Den oder die finde ich schwer erträglich:

Claudia Roth finde ich schon sehr nervig. Da ist mir zu viel gespielte Theatralik mit im Spiel. Das wirkt alles immer so überzogen. Wer derart auf die Tränendrüse drückt, der verliert auf Dauer an Glaubwürdigkeit. Da mag man dann einfach nicht mehr hinhören.

Mein großer Wunsch an die Grünen:

Mein Wunsch ist, dass sie endlich begreifen, dass die Freiheit keine Bevormundung braucht.


Zur Person:
Daniel Bahr, 32, verheiratet, aus Lahnstein, wohnt in Münster. Seit 2002 ist er FDP-Bundestagsabgeordneter. Der Volkswirt ist passionierter Läufer, liebt das Kochen und die Formel 1.

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