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19.01.2008

Kölner Stadt-Anzeiger

Pressespiegel

Ist Köln etwa müde, ohne richtig gearbeitet zu haben?

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Was lief gut, was lief schlecht? Und was ist künftig zu tun? Vier kommunale Kulturpolitiker äußern sich zur Lage

Vom Streit um die Opernintendanz bis zur Erhöhung des Kulturetats - das Kulturjahr 2007 aus der Sicht der Parteien.

Immerhin beim größten kulturpolitischen Ärgernis des vergangenen Jahres sind sich die Vertreter der vier Ratsfraktionen SPD, CDU, Grüne und FDP einig. Es sei dies die Suche nach einem Opernintendanten und Nachfolger für Christoph Dammann gewesen - bzw. die Arbeit der damit beauftragten Findungskommission, die ein unglückliches Bild abgegeben habe. So zeigt sich Hans-Georg Bögner, kulturpolitischer Sprecher der SPD, von "Arbeitsweise und Ergebnis" dieser vom Rat eingesetzten Kommission enttäuscht.

Auch der Vorsitzende des Kulturausschusses Lothar Theodor Lemper (CDU) klagt über "Findungskommissionen, die nicht selten nur als eitle Versammlungen öffentlicher Lebemänner" seien. Seine Lehre für die Zukunft: "In erster Linie ist der Kulturdezernent dazu berufen, dem Rat der Stadt einen Personalvorschlag für die Leitung städtischer Kulturinstitutionen zu unterbreiten."

Angela Spizig, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, ärgert sich darüber, dass "unerfreuliche Ereignisse" wie das "Gezänk um den Opernintendanten, das unbefriedigende Vorgehen der Findungskommission, das Hickhack um die archäologische Zone" von den guten Entwicklungen im Kölner Kulturleben abgelenkt hätten. Die "negativen Schlagzeilen in der überregionalen Presse", die die "qualvolle" Intendantensuche generierte, finden auch das Missfallen von Ulrich Wackerhagen, des kulturpolitischen Sprechers der FDP: "Offensichtlich ging es SPD und Die Grünen dabei vorrangig darum, die Muskeln spielen und den Oberbürgermeister und den Kulturdezernenten klein aussehen zu lassen."

Bögner sieht das anders, ihm ist im alten Jahr vielmehr die Tatsache sauer aufgestoßen, "dass wir wiederum in Haushaltsberatungen gehen ohne den von uns bereits im Jahre 2006 in Auftrag gegebenen Kulturentwicklungsplan", und "dass der Oberbürgermeister noch immer unsensibel mit kulturpolitischen Themen umgeht, anstatt zu moderieren".

Eine gewisse parteiübergreifende Einigkeit herrscht dagegen, wenn nach den kulturpolitischen Fortschritten des vergangenen Jahres gefragt wird. Wackerhagen lobt die seltene Einmütigkeit, mit der der Kulturhaushalt 2007 um 8,48 Millionen auf 106,5 Millionen Euro erhöht wurde. Dies habe, so Spizig, vor allem in der freien Szene "durchaus zu einer Aufbruchstimmung geführt".

Auch darüber, dass mit Uwe Eric Laufenberg in letzter Minute doch noch ein Opernintendant gefunden wurde, und über den fulminanten Start der Schauspielintendantin Karin Beier zeigt man sich über die Parteigrenzen hinaus erfreut. Lemper lobt noch das neue Kolumba-Museum als "großartiges Geschenk der Erzdiözese für unsere Stadt".

Bögner hebt "die Verabschiedung von zwei europäisch ausgelobten Architekturwettbewerben" hervor - für die archäologische Zone und das Opernquartier. Letzterer habe "eine Dimension, die überregional hohe Aufmerksamkeit erzielt hat". Und er erwähnt den "deutlichen Baufortschritt beim Kulturzentrum am Neumarkt".

Wissen wollte der "Kölner Stadt-Anzeiger" außerdem, warum in Köln überhaupt alles so lange dauert - etwa die Einrichtung einer neuen Rechtsform für das Wallraf-Richartz-Museum. "Vielleicht liegt es an der Unlust der rheinisch geführten Stadtverwaltung, sich an gefasste Beschlüsse auch zu halten oder eine Sache einmal konsequent zu Ende zu führen", vermutet Bögner.

Lemper macht in Verwaltung und Politik Kräfte aus, die "jede Art von administrativ abgenabelter Selbstverantwortung der Kölner Museen subtil boykottieren". Wackerhagen glaubt, dass es Teilen der Verwaltung und der linken politischen Mehrheit schwerfalle, sich von der Idee umfassender staatlicher Kontrollgewalt zu verabschieden. Spizig hingegen gibt zu bedenken, dass manche Verfahren länger dauern, "weil wir in einer Demokratie Wert auf Bürgerbeteiligung und öffentliche Debatten legen".

Für 2008 wünscht sich die Grünen-Politikerin: "Köln muss selbstbewusst sein eigenes »Kulturprofil« mit internationalem Anspruch definieren." Damit Köln für seine hervorragenden Kunst-, Medien-, Film-, Musik- und Designhochschulen attraktiv bleibe, brauche es vor allem eine Infrastruktur mit bezahlbaren Ateliers und Produktionsräumen.

Lemper hofft auf eine "architektonische Meisterleistung von internationalem Format" für den Neubau des Schauspielhauses. Darauf hofft auch Wackerhagen und fordert, den Kulturhaushalt für 2008 und die folgenden Jahre um je neun Millionen Euro zu erhöhen. Bögner mahnt "die Verabschiedung eines Kulturentwicklungsplans an, der Perspektiven und Entwicklungspotenziale aufzeigt". Es gelte der Zustandsbeschreibung aus der "Stunksitzung" entgegenzuarbeiten, derzufolge Köln müde ist, ohne gearbeitet zu haben. (ksta)

Antworten von Ulrich Wackerhagen

1. Was war 2007 das größte kulturpolitische Ärgernis?
Die meisten negativen Schlagzeilen, auch in der überregionalen Presse, lieferte der qualvolle, vom rot-grünen Kernbündnis inszenierte Findungsprozess um die Suche nach einem neuen Opernintendanten. Offensichtlich ging es SPD und Grünen dabei vorrangig darum, die Muskeln spielen und den Oberbürgermeister und den Kulturdezernenten klein aussehen zu lassen. Gleichermaßen ärgerlich ist, dass die Ausgründung des Wallraf-Richartz-Museums in eine gemeinnützige GmbH als Pilotprojekt für alle Kölner Museen trotz intensiver Bemühungen seit 2001, vor allem des Kölner Stifterrats und meiner Fraktion, bisher zu keinem greifbaren Ergebnis geführt hat.
Ein Ärgernis war auch der Abbau des Reiterdenkmals am Heumarkt und seine schmähliche Verfrachtung auf ein Stück Wiese im Godorfer Hafen.

2. Was war 2007 der größte kulturpolitische Fortschritt?
Der vom Rat der Stadt Köln mit seltener Einmütigkeit verabschiedete Kulturhaushalt für das Jahr 2007, der um 8,48 Mio. € auf 106,5 Mio. € erhöht wurde und für wichtige Impulse in der freien Szene gesorgt hat. Der fulminante Start der Intendanz von Karin Beier im Schauspielhaus und die im letzten Moment gelungene Wahl von Eric Uwe Laufenberg zum neuen Opernintendanten.
Ein Erfolg ist auch die Vereinbarung zwischen den Städten Bonn und Köln, eine gemeinsame Tanzkompanie zu gründen.

3. Wie beurteilen Sie die Arbeit von Kulturdezernent Georg Quander?
Meine Fraktion und ich arbeiten mit Prof. Quander gut und vertrauensvoll zusammen. Er hat Karin Beier, Eric Uwe Laufenberg und den neuen Kulturamtsleiter Konrad Schmidt-Werthern nach Köln geholt. 2007 wurde der Ankaufetat der Museen um 700.000 € auf 1 Mio. € erhöht und die freie Szene durch die Erhöhung um 1,9 Mio. € mit 5 Mio. € gefördert. Er ist nach dem herausragenden Kulturdezernenten Kurt Hackenberg (1955 bis 1979) einer der besten Kulturdezernenten unserer Stadt. Kritik äußere ich ihm gegenüber persönlich und nicht über die Presse.

4. Warum dauert in Köln alles so lange – etwa die neue Rechtsform für das Wallraf-Richartz-Museum?
Wir hören stereotyp von der Verwaltung: „Wir arbeiten daran.“ Die wahren Gründe erfahren wir kaum oder nur hinter vorgehaltener Hand. Hindernisse oder Missstände bei der Umsetzung politischer Entscheidungen aufzuzeigen, schwächt die Autorität und die Durchsetzungsfähigkeit der Dezernenten gegenüber dem Oberbürgermeister, dem Stadtvorstand, den Dezernatsverwaltungen und den nachgeordneten Ämtern. Leider fällt es gewissen Teilen der Verwaltung und der linken politischen Mehrheit immer noch schwer, sich von der Idee umfassender staatlicher Regelungs- und Kontrollgewalt zu verabschieden. Die vier großen Fraktionen haben übereinstimmend in der letzten Ratssitzung am 13.12.2007 mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Kölner Museen beschlossen. Wie ernst das gemeint ist und ob auch wirklich alle einer Ausgründung des Wallraf zustimmen, bleibt abzuwarten.

5. Welche Nutzung wünschen Sie sich für das freiwerdende Gebäude des Völkerkundemuseums am Ubierring?
Die FDP-Fraktion setzt sich nachhaltig dafür ein, dass das der Stadt Köln von der Familie von Rautenstrauch 1906 geschenkte Gebäude weiterhin kulturell genutzt wird und so ein urbaner Anziehungspunkt zwischen Rheinauhafen und Südstadt entsteht. Ob dies durch die Rheinische Musikschule in Kooperation mit der Musical-Akademie oder durch das Haus für Kino- und Medienkultur erfolgt (jeweils mit der Tanz-Initiative), kann sinnvoll erst auf Grundlage der zu erstellenden Machbarkeitsstudien entschieden werden.

6. Was ist 2008 die größte kulturpolitische Herausforderung?
In diesem Jahr werden die Ergebnisse von zwei sehr wichtigen Wettbewerben zu diskutieren und zu beschließen sein:
1. Zur Sanierung der Riphahn-Oper, des Neubaus des Schauspielhauses und einer Kinderoper und damit zusammenhängend die attraktive Gestaltung des Areals nach dem Masterplan des von der IHK beauftragten Architekten Albert Speer.
2. Zur Archäologischen Zone und dem Haus und Museum für jüdische Kultur auf dem Rathausvorplatz. Hier muss auch endlich die Idee einer Via Culturalis mit Leben erfüllt werden.
Köln sollte sich an der Präsentation der Kulturhauptstadt 2010 in Essen nachhaltig beteiligen, dem historischen Archiv und der Kunst- und Museumsbibliothek neue Gebäude zuweisen, den Kulturhaushalt für 2008 und die folgenden Jahre um je 9 Mio. Euro erhöhen. Insgesamt muss es darum gehen, das Profil Kölns als Kunst- und Kulturstadt wieder zu schärfen und deutlich zu machen. In dieser Richtung muss es weitergehen, sonst verspielen wir die Chance auf eine nachhaltige Besserung.


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