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17.01.2008

jung & liberal

Pressespiegel

„Parteien bringen oft Ziele, Strategien und Taktik durcheinander“

Torsten Tücks
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Torsten Tücks
Hans-Olaf Henkel im j&l Interview über politischen Opportunismus, strategische Parteiführung und darüber, was Politik vom Strategie-Einmaleins der Unternehmensführung lernen kann.

Im alten Griechenland war ein Stratege ein gewählter Heerführer. Durch besonnenes Handeln strebte er eine möglichst erfolgreiche Bewältigung seiner Lage an. Damals wie heute versteht man unter einer Strategie ein längerfristig ausgerichtetes planvolles Anstreben einer vorteilhaften Lage oder eines Ziels. Auch in der Politik hängt sowohl die Durchsetzung des politischen Willens, als auch das konkrete politische Handeln, von den richtigen Strategien ab. Zentrale Aufgabe einer Parteistrategie ist es, einen Weg zu finden mit dem die jeweiligen Ziele bestmöglich erreicht werden können. So vielfältig die Bedeutung des Strategiebegriffs, so zahlreich die Optionen mit denen eine Strategie erfolgreich kanalisiert werden kann. Strategien finden sowohl im innerparteilichen politischen Tagesgeschäft, als auch in der politischen Außendarstellung statt. Parteistrategisches Handeln berührt somit alle Aspekte des modernen Politikbegriffs. Eine konsequent nachhaltige Strategie muss gleichermaßen die institutionellen, normativ-inhaltlichen und prozessualen Besonderheiten berücksichtigen, um sich nachhaltig zu manifestieren. Im Gespräch erläutert Prof. Dr.- Ing. E.h. Hans-Olaf Henkel neue Perspektiven für die Parteistrategie von morgen.

j&l: In den letzten Jahren haben alle Parteien das Thema „Strategie“ für sich neu entdeckt. Ist die Reanimierung dieses Themas wirklich der Anstoß zu einem Umdenken in der Politik?

Hans-Olaf Henkel: Man muss in folgenden vier Schritten vorgehen: Erstens, das Ziel vorgeben, erst dann, zweitens, die Strategien wählen, mit denen man das Ziel erreichen will, drittens, das wäre dann die Taktik, die einzelnen Aktionen festlegen und viertens, den Erfolg der jeweiligen Aktionen kontrollieren.

j&l: War das Handeln von Parteien denn nicht schon immer strategisch?

Hans-Olaf Henkel: Parteien benutzen zwar diesen Begriff, bringen aber oft Ziele, Strategien und Taktik durcheinander.

j&l: Wie stehen Ihrer Meinung politische Inhalte im Allgemeinen und strategische Parteiführung zueinander, Widerspruch oder sinnvolle Symbiose?

Hans-Olaf Henkel: Mal so, mal so, je nachdem wie es passt. Politiker sagen meist das, was ankommt und nicht das, worauf es ankommt. Oft kann man nur hoffen, dass Inhalt und tatsächliche Strategie einander widersprechen. Wenn SPD-Chef Beck vom demokratischen Sozialismus redet, dann kann man nur hoffen, dass er es nicht ernst meint. In diesem Fall wäre das dann keine Strategie sondern eine recht fintenreiche Taktik.

j&l: Was meinen Sie, können die Parteien von moderner Strategieführung und Politikberatung lernen? Welche Elemente und Techniken bieten sich gerade für kleinere Parteien an?

Hans-Olaf Henkel: Sie könnten viel von moderner Unternehmensführung lernen. Zunächst einmal muss man das Ziel bestimmen. Im Unternehmen heißt das meist, nachhaltig profitabel zu werden. In einer Partei könnte das heißen, die 5% Klausel bei der nächsten Bürgerschaftswahl in Hamburg klar überspringen zu wollen. Im zweiten Schritt müsste die Hamburger FDP dann die Strategien festlegen. Eine davon könnte sein, die bisherige Arbeit des CDU-Bürgermeisters zu loben und mit dem Einzug der FDP in die Bürgerschaft dafür zu sorgen, dass er im Amt bleibt und nicht von einem Flaneur namens Naumann abgelöst wird. Eine andere könnte sein, an das große bürgerlich-liberale Potenzial Hamburgs zu appellieren und die Staatsgläubigkeit der Grünen in Erinnerung zu rufen. Zur Taktik gehört dann logischerweise, zum geeigneten Zeitpunkt eine Koalitionsaussage für die CDU zu machen.

j&l: Einige Politikwissenschaftler bezeichnen unser heutiges demokratisches System als eine Mediendemokratie. Internet und Email haben die Medienlandschaft revitalisiert und ein hohes Maß an Interaktivität geschaffen. Haben diese neuen Kommunikationsmittel auch die Strategien der Parteien beeinflusst?

Hans-Olaf Henkel: Nach meiner Beobachtung noch nicht genug.

j&l: Die Heterogenität der Wählerinnen und Wähler stellt enorme Anforderungen an die strategische Ausrichtung der Parteien. Ist ein Spagat zwischen den unterschiedlichen Interessen mit einer einheitlichen Strategie überhaupt möglich oder müssen Parteien ihre strategischen Optionen diversifizieren?

Hans-Olaf Henkel: Die richtige Balance zwischen klarem Profil und Attraktivität für alle Wählerschichten zu finden, ist sicher eine der schwierigsten Aufgaben der Parteien. Der CSU ist das bisher wohl am eindrucksvollsten gelungen. Aber wir müssen auch die Kehrseite bedenken, je mehr eine Partei sich zur Volkspartei stilisiert, desto reformunfähiger wird sie, wenn sie an der Macht ist. Gerade deshalb ist es wichtig, dass auch die FDP nicht versucht, eine Volkspartei zu werden, denn davon gibt es im politischen Angebot im deutschen Markt schon genug.

j&l: Wie könnte politische Strategiearbeit in 20 Jahren aussehen?

Hans-Olaf Henkel: Das hängt von zwei Dingen ab: erstens vom Aufklärungsstand der Wähler. Je mehr sie wissen, desto ehrlicher kann man mit ihnen kommunizieren. Zweitens vom politischen Entscheidungssystem. Wenn wir den Föderalismus in Deutschland wieder entdecken, was ich sehr erhoffe und wofür sich der Konvent für Deutschland unter Führung von Altbundespräsident Herzog einsetzt, dann wird sich die Parteienstrategie mehr auf die Bundesländern und Kommunen verlagern. Ich bin beeindruckt von der Tatsache, dass ausgerechnet die mehr bundespolitisch als landespolitisch verankerte FDP hier eine klare Führungsrolle unter den politischen Parteien eingenommen hat. Für mich ist das einer der Hauptgründe, sie auch zu wählen.


Das Interview führte j&l-Redakteur Torsten Tücks.


Hans-Olaf Henkel (67) war lange Deutschland-Chef von IBM, dann Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und anschließend Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Er lehrt heute Internationales Management an der Universität Mannheim. Zuletzt erschien sein sechstes Sachbuch „Der Kampf um die Mitte – Mein Bekenntnis zum Bürgertum“.

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