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20.11.2011

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Meldung

Auf den Wogen der WM

Public Viewing zur Fußball-WM 2006 auf dem Heumarkt
Public Viewing zur Fußball-WM 2006 auf dem Heumarkt
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Public Viewing zur Fußball-WM 2006 auf dem Heumarkt
Party-Patriotismus oder bürgerschaftlicher Patriotismus als politische Tugend?

Beweist die flaggenträchtige Sympathie für die fantastisch aufspielende deutsche Fußball-Nationalelf bei der WM in Südafrika, dass die Deutschen zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung einen stabilen, gleichermaßen reflektierten wie weltoffenen Patriotismus entwickeln? Diese Thematik verfolgte jüngst das Regionalprogramm NRW der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in einer Abendveranstaltung in Köln mit dem Patriotismus-Experten PD Dr. Volker Kronenberg. Passend zur Vorstellung seines neuen Buches „Patriotismus 2.0. Gemeinwohl und Bürgersinn in der Bundesrepublik Deutschland“ diskutierte der Bonner Politologe seine Thesen vor einem interessierten, über weite Teile erfreulich jugendlichen Publikum.

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten, so reichen Schwarz-Rot-Gold-Motive an Autos, Häusern und Gesichtern – so eindrucksvoll sie sind – nicht ernsthaft aus, um stabile patriotische Gefühle und Identitäten zu bewirken. Dr. Kronenberg versteht Patriotismus vielmehr als politische Tugend, die im Kennedy´schen Sinne danach fragt, „was Du für Dein Land tun kannst“. Diese zeitgemäße Form der „Vaterlandsliebe“ meint also Einsatz für die Gemeinschaft gleichermaßen durch sympathische Anteilnahme wie tatkräftiges Handeln.

Es ist kein Zufall, dass bei der letzten WM 2006 in Deutschland zum ersten Mal ein unverkrampfter Umgang mit National-Symbolen durch ein überwiegend junges Publikum gepflegt wurde. Mehr als ein Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung, angesichts der Erfolgsgeschichte der geglückten Bonner Republik und vor dem Hintergrund der prononcierten (Geschichts-) Politik der Regierung Schröder („deutscher Weg“ im Irak-Krieg, Würdigung des „patriotischen Widerstands“ gegen Hitler) musste folgerichtig ein neues Deutschland-Gefühl entstehen.

„Die Welt zu Gast bei Freunden“ – so das Motto der WM – wurde Wirklichkeit als friedliches und ausgelassenes „Fan-Meilen“-Phänomen. Ein Fest der Nationen, bei dem auch Menschen mit Zuwanderungs-Biographie (gerade in Köln) sich gerne hinter deutschen Fahnen vereinten. Patriotismus unterscheidet sich ja gerade dadurch vom Nationalismus, dass er das emotionale und kognitive Bekenntnis zum Land, in dem man lebt, mit dem Respekt vor den vielen anderen Vaterländern verbindet.

Wesens-Merkmal eines liberalen Patriotismus ist auch die seinerzeit von dem renommierten Verfassungsrechtler Böckenförde gemachte Feststellung, dass jedes freiheitlich-demokratische Gemeinwesen auf Einstellungen und Verhaltensweisen seiner Bürgerinnen und Bürger beruht, die es selbst nicht garantieren kann. Der neoliberale Ökonom und Philosoph Hayek hat das mit Blick auf die Ordnung der Freiheit sinngemäß mal so formuliert, dass Freiheit ohne tief verwurzelte moralische Überzeugungen nicht gedeihen kann.

Im Zentrum einer Patriotismus-Diskussion steht also nicht das Wiederbeleben verstaubter Rituale und Geschichtsbilder, sondern das Befördern stabiler Identitäts-Bezüge zur eigenen Patria und die Ermöglichung von Bürger- und Gemeinsinn durch staatliche Engagement-Politik, aber auch durch gelungene gesellschaftliche Symbol-Setzungen. Beispielsweise wäre es viel klüger gewesen, den 9. November (Tag des Mauerfalls 1989, aber auch des Sturzes der Monarchie 1918 und der Judenprogrome 1938) zum Nationalfeiertag der Deutschen zu machen – und nicht den künstlichen 3. Oktober.

Die Diskussion bei der Abendveranstaltung in Köln stellte unter Beweis, wie wichtig den Anwesenden (von jung bis alt) die Thematik persönlich ist und wie sehr in den vergangenen Jahrzehnten – wahlweise durch political correctness-Blockaden, aber auch durch verkürzte Verfassungs-Patriotismus- Empfehlungen – ein mentales Vakuum entstanden ist. Leider auch durch das Schwinden des Bildungsbürgertums in unserem Lande. Denn die Kenntnis um den Werdegang, die Wesensmerkmale und die Zukunftsperspektiven der eigenen Nation ist immer auch eine Frage des intellektuellen Zugangs. Hier sollten Liberale Initiative ergreifen, aber auch mutiger als bisher sein: die Marktlücke für die Pflege eines weltoffenen Patriotismus ist da.

Klaus Füßmann, Leiter des Regionalbüros Gummersbach

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