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12.12.2015

FDP-Kreisverband Köln

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"Alles so schön bunt"

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„…oder so“ – die Kolumne von Maren Friedlaender
Rappelvolle Café-Terrassen und „Draußen nur Kännchen!“. Mitte Dezember. Alles ist so anders in diesem Jahr, dass man ganz durcheinander kommt. Von den Temperaturen angefangen. Eiskalter Prosecco und Spaghetti-Eis sind die Renner auf den Weihnachtsmärkten. Riesenräder drehen sich. Auf Tannen geschmückten Bühnen schmettern Karnevalisten hemmungslos „Heidewitzka, Herr Kapitän!“ Warum eigentlich gibt es noch keine Schießbuden neben den Glühweinpanschereien? Menschen mit Nikolaus-Zipfelmützen knallen auf Weihnachtsengelchen - das wäre doch der Renner.

Erotische Weihnachten wünscht ein Pornoshop in der Innenstadt und dominiert mit Glitzer, Gold und Rot die halbe Straße. All die glänzenden Christbaumkugeln an den Schaufensterpuppen: oben- und untenrum. Dazu die roten Stiefelchen und jede Menge Sterne von Bethlehem, die mit der angepriesenen Gleitcreme den Weg ins Paradies der Körperkunde heimleuchten. „Alles so schön bunt hier“, sang Nina Hagen einst.

Irgendwie ist etwas anders in diesem Jahr. Angefangen hat es mit „Karneval im Sunnesching“. Ab da ging alles durcheinander. Zum Weihnachtsfilm 2015 mausert sich gerade „Das brandneue Testament“ von Jaco van Dormael, der Gott als ewig fluchenden, mies gelaunten Familienvater darstellt. Schon komisch, wie Gottvater im Morgenmantel und Latschen seinem Hauptvergnügen nachgeht: dem Erfinden von Gesetzen, die den Menschen das Leben schwer machen. Dass ein Brot immer auf die Marmeladenseite fällt, ist eines davon.

Finden Sie das unangemessen zur Weihnachtszeit? Dann gucken Sie halt „Weihnachten mit den Coopers“ an. Alle anderen sollten sich den bösartigen Gott nicht entgehen lassen. Übrigens bin ich heilfroh, dass im christlichen Europa so ein Film im Kino läuft, ohne dass der Papst gegen den Regisseur ein Fatwa verkündet oder wie das heißt.

Ich freue mich schon auf die Weihnachts- und Neujahrsansprachen unserer Staatlenker. Ob die Reden diesmal auch anders sind? Vielleicht erklären die Öbersten in Berlin mir das: Deutsche Soldaten sollen in etwas ziehen, das viele Politiker „Krieg“ nennen. 1991 wurde der Rosenmontagszug wegen der Befreiung von Kuwait abgeblasen. Damals waren wir Deutschen nur mit Cash dabei. Heute geht es „Heidewitzka“ weiter, als ob nichts passiert ist. Alles ganz normal.

In der Politarena wird kurz vor Weihnachten noch schnell über „Social freezing“ diskutiert, als ginge es um einen eisgekühlten Eierlikör-Cocktail. „Social freezing“ – schon bei dem Wort laufen mir kalte Schauer über den Rücken. Für andere kein Problem. Vielleicht hätte sich sogar Maria dafür entschieden, wenn’s damals im Heiligen Land schon funktioniert hätte. Eine Kindesgeburt passte einfach nicht in die Lebensplanung. Verständlich, wenn man gerade auf dem Eselsrücken unterwegs ist mit Übernachtung im Stall. Vielleicht wäre sie bis heute nicht danieder gekommen. Nix mit Wiegenfest und Weihnachten – vielleicht an irgendeinem fernen Tag in der Zukunft.

Ja, wirklich ein etwas anderes Jahr. Ob trotzdem „Stille Nacht, heilige Nacht“ unter der Tanne gesungen wird? Oder trällern wir mit K.I.Z.: „Und wir singen im Atomschutzbunker: Hurra, diese Welt geht unter!“ Ich, auf jeden Fall, wünsche allen eine frohe und erotische Weihnachten oder so…

Maren Friedlaender

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