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05.01.2006

Kölner Stadt-Anzeiger

Pressemeldung

Zur aktuellen Lage der Kultur in Köln: 5 Fragen an die Politik

Dr. Ulrich Wackerhagen (r.) im Kulturausschuss
Dr. Ulrich Wackerhagen (r.) im Kulturausschuss
Dr. Ulrich Wackerhagen (r.) im Kulturausschuss
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Dr. Ulrich Wackerhagen (r.) im Kulturausschuss
Nachdem sich für die CDU Lothar Theodor Lemper und für die SPD Hans Georg Bögner bereits zur kulturellen Situation in Köln geäußert haben, kommt nun (…) Ulrich Wackerhagen (FDP) zu Wort. Auch ihm haben wir fünf Fragen gestellt:

Frage: Welches ist die größte Aufgabe, vor der die Kultur in Köln im Jahre 2006 steht?

Wackerhagen: Wir brauchen in der Kommunalpolitik, vor allem ganz besonders in der Kulturpolitik, wie von mir seit Jahren gefordert, mehr Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit, um die Bürgerinnen und Bürger davon zu überzeugen, dass der Oberbürgermeister, die Fraktionen und die Verwaltung alles daran setzen werden, den guten Ruf der Stadt Köln als Kunst- und Kulturstadt, der in den letzten Jahren erheblich gelitten hat, wieder herzustellen und nachhaltig zu verbessern. Der Kulturhaushalt ist um 1 Prozent auf 4 Prozent des Gesamthaushalts zu erhöhen, um die städtischen Kulturinstitutionen wettbewerbsfähiger zu machen und um die freie Szene und das trotz aller Rückschläge vorhandene Bürgerengagement mehr als bisher zu stärken.

Frage: Welche konkreten Vorschläge machen Sie, um die Finanzierung der städtischen Kulturinstitutionen zu sichern?

Wackerhagen: Kulturförderung ist nicht streichbare Subvention, sondern zukunftssichernde Investition. Wir müssen die ständig wachsende Bürokratie drastisch abbauen. Wir müssen den Museen und städtischen Bühnen mehr Eigenverantwortung und Autonomie gewähren, um durch mehr Freiheit und Kreativität die Einnahmen zu verbessern, da auf der Ausgabenseite nach jahrelangen Sparzwängen kaum Einsparungen mehr möglich sind. Die FDP steht für die Privatisierung städtischer Gesellschaften und nach wie vor für den Verkauf der städtischen Gesellschaftsanteile an der GAG. Hierbei sollten wir uns an der Haushaltspolitik der Stadt Düsseldorf und ihres Oberbürgermeisters Erwin orientieren, dem es durch die Aktivierung städtischen Vermögens gelungen ist, das Haushaltssicherungskonzept von seiner Stadt abzuwenden. Im Gegensatz zu Köln boomt die Kultur in Düsseldorf.

Frage: Wie bewerten Sie das kulturpolitische Engagement des Oberbürgermeisters und das seiner Verwaltung?

Wackerhagen: Die Kultur ist dem Oberbürgermeister keine besondere Herzensangelegenheit, dennoch ist er zunehmend bemüht, weitere negative Schlagzeilen in den überregionalen Feuilletons zu vermeiden, wie zum Beispiel über die gescheiterte Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010, die Absage an die designierte Opernintendantin Barbara Mundel und die verunglückte Bewerbung des als Kulturdezernent vorgesehenen Christoph Nix.
Dass der Kammermusiksaal in dem neuen Museumskomplex am Neumarkt nicht gebaut wird, haben nicht nur die Bündnis-Grünen zu verantworten, sondern auch der Oberbürgermeister, der diese einmalige Chance nicht nachhaltig zur Chefsache gemacht hat. Das Kulturdezernat und das Kulturamt verdienen unsere Anerkennung. Die kontrollierenden Querschnittsämter, insbesondere das Organisationsamt sollten jedoch in Zukunft auf das Nötigste beschränkt werden.

Frage: Was war das größte kulturpolitische Ärgernis in Köln im Jahr 2005?

Wackerhagen: Die Kulturpolitik verstand sich in den letzten Jahren immer als "große Jamaika-Koalition", in der alle vier großen Fraktionen einvernehmlich zusammen gearbeitet haben. Dies scheinen SPD und Grüne nun durch ihren Machtpoker aufzukündigen. Als Ärgernis empfinde ich, dass trotz mehrjähriger Bemühungen eine privatrechtliche Betreibergesellschaft für das Wallraf-Richartz-Museum unter Beteiligung des Stifterrats als Mitgesellschafter bisher nicht zustande gekommen ist und nicht nur die Bündnis-Grünen, sondern auch die SPD nicht weiter bereit sind, dem Stifterrat ein neues Verhandlungsangebot zu unterbreiten.
Besonders ärgerlich ist, dass die von der FDP unterstützten Bemühungen der Stadtkonservatoren Hiltrud Kier und Ulrich Krings seit 1982 zur Restaurierung des Denkmals am Heumarkt umsonst gewesen sind, da die Bündnis-Grünen mit der SPD Mitte Dezember den Ratsbeschluss vom Juli 2005 gekippt und den überwiegenden Anteil der für das Denkmal bestimmten Mittel zur Finanzierung neuer Figuren am Ratsturm umgewidmet haben.
Es ist davon aus zugehen, dass das Denkmal am Heumarkt in den nächsten Monaten abgebaut und erneut in den Depots verschwinden muss. Ob es je wieder aufgestellt werden wird, ist fraglich. Ich gehe davon aus, dass die Stifter, die bereits aus eigenen Mitteln Figuren bezahlt haben, ihre Zusagen, erneut Geld zur Verfügung zu stellen, nunmehr überdenken werden. Was ist eine Stadt mit 2000-jähriger Geschichte ohne ihre Denkmäler?

Frage: Welches war der größte kulturpolitische Erfolg in Köln im Jahr 2005?

Wackerhagen: Der größte Erfolg waren die Personalentscheidungen, die Berufung von Georg Quander zum Kulturdezernenten, von Andreas Blühm zum Direktor des Wallraf-Richartz-Museums, von Louwrens Langevoort zum Intendanten der Kölner Philharmonie, von Birgitt Borkopp-Restle zur Direktorin des Museums für Angewandte Kunst, von Bettina Schmidt-Czala zur Direktorin des Historischen Archivs der Stadt Köln, die Berufung von Karin Beier zur neuen Schauspielintendantin ab 2007 und die Verlängerung des Vertrages mit dem geschäftsführenden Intendanten Peter F. Raddatz.
Als besonderen Erfolg verbuche ich, dass der Dom auf der Liste des Weltkulturerbes verbleiben wird. Ein weiterer Erfolg ist, dass Oberbürgermeister Fritz Schramma jetzt offen ist für das Haus und Museum für jüdische Kultur, das die FDP seit vielen Jahren gefordert hat. Zu den Erfolgen zählen auch die Gründung des Filmforums NRW e.V. in Köln als Betreiber der früheren Cinemathek im Museum Ludwig und der erfolgreiche Start der "pretty-ugly"-Tanzcompagnie unter Leitung von Amanda Miller.

Ulrich Wackerhagen ist kulturpolitischer Sprecher der FDP.


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