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20.02.2016

FDP-Kreisverband Köln

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"Sehr, sehr, sehr wichtige Leute und die Mitte"

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„…oder so“ – die Kolumne von Maren Friedlaender
„Köln schnieft“ titelt der Express in dieser Woche. Habe ich es nicht gesagt? Habe ich nicht gewarnt? Noch in der letzten Kolumne: Karnevalitis. Jetzt haben wir den Salat. Und nun auch noch Hochwasser im Rhein. Was das mit Karneval zu tun hat? Na – die Wildpinkler?!

Ich weiß, es gibt Wichtigeres. Die wirklich Wichtigen waren in München bei der Sicherheitskonferenz. Nur super wichtige Leute. Merkwürdig, dass bei der Versammlung so vieler very, very important people keine wichtigen Entscheidungen gefällt werden. „Es ist immer gut zu reden“, verkündete einer der wichtigen Teilnehmer abschließend. Hätte ich Euch auch sagen können. Fragt mich, Leute, wäre billiger gekommen. Bei solchen Spitzentreffen kann man schon mal vergessen, dass es ganz normale Menschen gibt. Damit zum eigentlichen Thema der Woche: „Die Mitte“.

Oh, Santo Giovanni di Lorenzo, stets gut geföhnter und mit offenem Hemd posierender Chef von „Il tempo“ oder auf Deutsch Die Zeit. Auch du hast die Mitte vergessen. Sie war da. Schon lange, schon bevor all die Menschen mit den echten Sorgen, echten Nöten kamen. Du, heiliger Giovanni, hast noch am 30. Dezember, dem Tag vor der Kölner Neujahrsnacht, den schönsten aller deutschen Philosophen, den Gigolo Precht ins Blatt geholt. Der durfte schreiben, dass ein wenig mehr Kriminalität und Machos in unserem Lande gar nicht schlimm seien. Dafür kämen ja echtes Leben, echte Sorgen, echte Nöte, echte Träume durch unsere offenen Türen. Ja, der Precht, der meinte, dass wir, dieser kapitallebensversicherte Mittelstand mit VW-Golf, Gulasch und Bohlen, dass wir so unecht leben wie Ned Flanders, der Nachbar von Homer Simpson.

Und nun weinst du, Santo Giovanni, im Leitartikel Krokodilstränen um eine Mitte, die sich in der politischen Debatte kaum wiederfindet. Sogar Navid Kermani hat dieser Mitte von seinem Stern herunter Referenz erwiesen. In einer Diskussion mit Ex-Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio. Gerade eben wurde noch lustvoll eingedroschen auf diese Mitte: deren ängstliches Festhalten an Besitzständen. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, die Mitte im Denken ist abhandengekommen. Kein Abwägen. Kein Gespräch mit Bundespolizisten, Sprachlehrern, BAMF-Mitarbeitern, auch den hier lebenden, arbeitenden und gut integrierten Türkeistämmigen.

Die Mitte wurde verlassen. Sie ist alleine, mit all den – doch ja – echten Sorgen, Nöten, Herausforderungen, echter Arbeit, echtem Stress, echten Kindern, echten kranken Eltern, echten Schulden. Echt grau, diese Mitte. Nicht, dass daraus noch Grauen wird. Denn, was sich um die Mitte kristallisiert, das stützte bisher das System und die Volksparteien. Aber die haben zurzeit mehr zu tun mit Gender_gap und Gender*Sternchen, gendergerechter Verteilung von Straßennamen und der Einführung von Ampelfrauen.

Wie wär’s mal mit einer Rede an die Nation, die sich doch um eine Mitte sammelt? Aber Bundespräsident und Kanzlerin schweigen die Mitte an. Nur auf Parteitagen oder bei Verbänden oder bei den Important few, da ergreifen sie das Wort. Womit hat sie es verdient, die Mitte, dass sie immer nur beschwiegen wird oder so...

Maren Friedlaender

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