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06.06.2015

FDP-Kreisverband Köln

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"Von den wundersamen Wanderungen des Geldes"

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„…oder so“ – Die Kolumne von Maren Friedlaender
Betreten Sie mal ein Vor- oder Hinterzimmer der Politik - keine fünf Minuten und schon geht das Gejammer über leere Kassen los. Eines muss man wissen: Geld verschwindet nicht, es wandert nur.

Mal als Beispiel: vom Konto des Steuerzahlers in die Staatskasse und von da auf die Gehaltskonten von Beamten; oder als Sofortrente auf das Konto eines 55-jährigen Oberbürgermeisters, der gerade eben sechs Jahre im Amt war; oder auf das Gehaltskonto eines ehemaligen Bundestagsabgeordneten, der jetzt, ja was eigentlich, Lobbyarbeit oder wie das heißt, für den Stadtwerke Konzern macht, wo selbst die eigenen Parteikollegen sich fragen: „Wer braucht denn das?“; oder in die Kassen von Bauunternehmen; oder in die Taschen von Vermittlern von Bauunternehmen. Manchmal verwandelt es sich auch. Dann wird aus Geld eine Autobahn. Oder, nur so als Beispiel, ein Porsche für einen, der den Auftrag für eine Autobahn vergibt.

Blöd ist, dass man Wanderungen und Wandlungen als Steuerzahler meist nicht nachvollziehen kann. Nehmen wir die Kölner Messehallen. Der Neubau der Messe wäre ohne den Oppenheim-Esch-Fonds für die Stadt rund 100 Millionen Euro billiger gewesen. Beim Rheinhallen-Fonds hat die Sparkasse gut 277 Millionen Euro Verlust gemacht. Sowas reißt ein fettes Loch in die städtische Kasse. Wo das Geld nun tatsächlich hin ist, weiß nicht mal die NSA.

Manchmal aber kann man genau sehen, wohin Geld wandert. Das ist dann ein Glücksfall. Auf der A4 zum Beispiel, zwischen Köln und Aachen, da ist ein schönes Stück neuer Autobahn entstanden. Sowas kostet natürlich viel Geld. Aber - leere Kassen hin, leere Kassen her - irgendwie muss noch etwas übrig gewesen sein. Denn jemand von der Straßenbaubehörde kam auf die Idee, die „Bäume des Jahres“ von 1989 bis 2014 am Rand der neuen Autobahn anzupflanzen, beidseitig. Und damit der Autofahrer auch erkennt, was für einen Geistesblitz da einer gehabt hat, stehen riesige Hinweisschilder neben den Bäumen. Bäume? Na ja, noch sehen sie aus wie umgedrehte Strohbesen. Dafür gibt es die Schilder: Trauben-Eiche: Baum des Jahres 2014, Wild-Apfel: Baum des Jahres 2013, Ross-Kastanie: 2005, Schwarz-Erle: 2003, Sand-Birke: Baum des Jahres 2000 usw. - 52 Schilder.

Manchmal werden die Bäume liebevoll gesprengt. Dann fährt ein Tankwagen mit drei Mann Besatzung ganz langsam auf der Standspur und sprüht Wasser auf die Bäume des Jahres. Noch haben die Sprayer die schönen sauberen Schilder nicht entdeckt. Aber da mache ich mir keine Sorgen, die werden schon noch drauf kommen. Also wird man bald auch Reinigungswagen sehen mit einem Trupp von Leuten, die die Schilder wieder säubern. Falls die Kassen jetzt leer sein sollten, wäre ich bereit ein 53. Schild zu spenden: “Für den Vollpfosten des Jahres, der sich die Nummer mit den Schildern ausgedacht hat.“ Das dann aber mehrsprachig – wir befinden uns schließlich im Dreiländereck.

P.S.: Klar, dass in der Kasse der Straßenbaubehörde jetzt Ebbe ist. Dafür sitzt irgendwo ein Schilderfabrikant und freut sich über seine volle Kasse. Vielleicht hat er das Geld auch schon umgewandelt – in eine 15-Meter-Yacht, nur so als Beispiel, damit Sie das mit den Wanderungen und Wandlungen besser verstehen.

Maren Friedlaender

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