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05.10.2011

Kölner Stadt-Anzeiger

Pressespiegel

Gegen die Angst vorm Arzt

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Auf dem Kölnberg sollen Stadtteilmütter bei ihren Nachbarinnen für Vorsorge werben

Von Tanja Wessendorf

Meschenich - Die meisten Kinder in Meschenich sind nicht nur ärmer als in anderen Stadtteilen, sie sind auch dicker und häufiger krank als andere Kölner Kinder. Bei Kindergarten- und Einschulungsuntersuchungen hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die mehr als 1370 Kinder unter 15 Jahren aus Meschenich deutlich seltener zu Früherkennungsterminen (sogenannte U- und J-Untersuchungen) kommen als in anderen Kölner Veedeln. Besonders unterversorgt sind nach Angaben des Gesundheitsamtes Kinder mit ausländischen Wurzeln - also die Mehrheit in der Wohnsiedlung am Kölnberg.

Probleme mit Analphabetismus, Krankheit und Arbeitslosigkeit hinderten die Eltern daran, ihre Kinder regelmäßig zum Arzt zu schicken. Viele Eltern mögen nichts von den Untersuchungen wissen. Andere haben vielleicht auch Angst davor, dass die Ärzte sie bei den regelmäßigen Treffen insgeheim nur kontrollieren wollen. Zusätzliches Problem dürfte sein, dass es in Meschenich keinen Kinderarzt gibt, der nächste ist in Rondorf.

Hauptprobleme der Kinder sind Übergewicht und fehlender Impfschutz. Nahezu jedes fünfte Kind wiegt zu viel (19 Prozent), während es im restlichen Stadtgebiet nur 12 Prozent sind. Nur 78,6 Prozent aller Kinder in Meschenich haben einen vollständigen Impfschutz gegen Masern, Mumps und Röteln. Im gesamten Stadtgebiet liegt der Durchschnitt dagegen bei 85,6 Prozent. Gegen die schlechte Gesundheitsversorgung der Meschenicher Kinder soll nun etwas getan werden. Insgesamt neun sogenannte Stadtteilmütter haben mittlerweile ihre Ausbildung an der Volkshochschule abgeschlossen.

Das Projekt ist eine Initiative der sechs Kindertagesstätten in Meschenich. Das Ziel: Eltern, die ebenfalls Migranten sind und aus Meschenich stammen, sollen Familien zu Hause besuchen und sie über Bildung, Schule, Freizeit und Gesundheit beraten. Viele Eltern rund um den Kölnberg wissen nämlich gar nicht, welche Möglichkeiten sie in ihrem Stadtteil haben und welche kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder es gibt. Wichtig: Die Stadtteilmütter werden nicht geschickt, sondern kommen nur auf Wunsch. Bei den Hausbesuchen geht es darum, Mut zu machen und Vorurteile abzubauen.

Ergänzend zu der direkten Ansprache soll es eine mehrsprachige "Aufklärungskampagne zur Gesundheitsvorsorge für Kinder und Jugendliche in Meschenich" geben. Auf Anreiz der FDP-Fraktion möchten die Rodenkirchener Stadtteilpolitiker Werbung für die Vorteile der Vorsorgeuntersuchungen machen. Überlegt wird sogar, die Familien zu belohnen, die ihre Kinder regelmäßig zu allen U- und J-Untersuchungen bringen, etwa mit einem Schulranzen oder Zookarten als Geschenk.

Von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) gibt es bereits Broschüren, die über die Vorsorgeuntersuchungen und ihre Vorteile informieren, und zwar auf Deutsch, Englisch, Russisch und Türkisch. Die BzgA stellt die Druckvorlagen für die Flyer sogar kostenlos zur Verfügung. Gedruckt werden sie in Köln aber trotzdem nicht. Zur Begründung heißt es von der Verwaltung: "Für die Druckkosten stehen derzeit weder im Haushalt des Jugendamtes noch des Gesundheitsamtes Finanzmittel zur Verfügung." Auf der Homepage der BzgA können sich Interessierte aber die Broschüre als PDF herunterladen. (15.09.2011)

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