Porträt: Kölner wird neuer FDP-Geschäftsführer
Die „härteste Woche“ seines Lebens hatte der künftige Geschäftsführer der nordrhein-westfälischen FDP im August 2000 zu durchstehen - in einem Blechcontainer, der mitten in der Kölner Innenstadt am Neumarkt aufgestellt war. Den Quotenerfolg der Serie Big Brother im Kopf, spielte Ralph Sterck den Passanten und der Presse einen gläsernen Oberbürgermeister-Kandidaten vor. Die Wähler fanden die Idee nicht so lustig, der Mann aus der Box musste sich mit zwei Prozent begnügen.
„So etwas würde ich nie wieder machen“, sagt der 37-jährige Kommunalpolitiker heute. Zu der Aussage, „Politik muss Spaß machen“, stehe er nach wie vor. Sein Parteichef Guido Westerwelle, seinerzeit einer der Besucher im Container, wird da sicher zustimmen. Mit dem Steuermann des Guido-Mobils sowie der gesamten FDP verbindet Sterck ohnehin ein freundschaftliches Verhältnis. Die beiden duzen sich seit Anfang der 80er Jahre, als sie die Jungen Liberalen leiteten, der eine in Köln, der andere in Bonn. Auch Landes-Chef Andreas Pinkwart ist ihm aus dieser Zeit bekannt.
„Ich kenne die FDP, die Ansprechpartner und die Prozesse in der Partei“, darf Sterck zu Recht sagen. Die politische Laufbahn des Diplom-Kaufmanns begann als Bezirksvertreter im Kölner Stadtteil Kalk; seit drei Jahren führt er die FDP im Rat, die im Bündnis mit der CDU die Politik in der viertgrößten Stadt Deutschlands bestimmt. Sein größter Coup war es, dem konservativen Partner die Zustimmung für Fixerstuben und die Teilnahme der Stadt am Modellversuch zur kontrollierten Heroin-Abgabe abzuringen.
Sterck verkörpert den klassischen Wirtschaftsliberalen. Für den Geschäftsführer der familien-eigenen Spedition „Kölner Flitzer“, ein Betrieb mit 50 Beschäftigten, stehen die Themen Privatisierung und Deregulierung ganz weit vorne. Sterck gibt den Job Tür an Tür mit seinem Bruder Tom nicht ohne Grund auf. Seine politische Tätigkeit sei für das Unternehmen „immer mehr zu einer Belastung geworden“. So sind die „Kölner Flitzer“ ins Gerede gekommen, bloß weil sie „mit kleinsten Umsätzen“ auf der Auftragsliste des Müllunternehmens Trienekens standen. Sein Ratsmandat will Sterck behalten. Er sieht die Liberalen in den Rathäusern als „Säulen der FDP im Land“.
Einen „ganz besonders wichtigen“ Tag erlebte der FDP-Politiker im Sommer 2000. Durch ein Interview in dem Szene-Blatt Queer war bekannt geworden, dass der damalige Oberbürgermeister-Kandidat homosexuell ist. „Den 28. Juli feiere ich wie meinen zweiten Geburtstag. Das war ein befreiender Tag, der mein Leben positiv verändert hat.“
Andreas Damm
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