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21.02.2011

Liberale Frauen Köln

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Wittmütz: An Vernunft und Eigenverantwortung von Unternehmen glauben

Dr. Annette Wittmütz
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Dr. Annette Wittmütz
Zur Diskussion um die Frauenquote, insbesondere der Positionierung der Liberalen Frauen

Von Dr. Annette Wittmütz

Die Liberalen Frauen haben sich zum Teil, wie etwa der Landesverband NRW, zur Befürwortung einer gesetzlichen Quote für Vorstände und Aufsichtsräte entschieden, sofern die freiwillige Selbstverpflichtung 2018 ohne nennenswerte Erfolge abläuft. Diese Entscheidung muss jedes liberale Herz schmerzen.

Natürlich sei es der Generation von Frauen, die schon vor 10 oder 20 Jahren an die Vernunft der Unternehmen appellierte, in der Hoffnung, die Beteiligung von Frauen in den Führungsetagen regele sich mit zunehmendem Ehrgeiz und Karrierebewusstsein der Frauen von allein, gegönnt, diesen Ermahnungen überdrüssig zu sein und ungeduldig zu werden.

Aber ist die europäische und außereuropäische Situation die gleiche wie vor 10 oder 20 Jahren? Ist der Bewusstseinswandel nicht weiter fortgeschritten? Und wachsen Frauen nicht mit immer mehr weiblichen Karrierevorbildern auf, die sie für ihren eigenen Lebensentwurf inspirieren und ihnen die Kraft geben, sich auch in männerdominierten Karrierebereichen durchzusetzen?

Allerdings zeigt sich gerade in dieser aktuellen Diskussion, dass der Bewusstseinswandel noch lange nicht am Ziel ist: So taucht immer wieder die Vermutung auf, es würden sich nicht genügend Frauen finden lassen, um Quoten von 30 oder 40 % in den Chefetagen auszufüllen, bevor sich nicht die äußeren Arbeitsumstände in diesen Positionen veränderten. Sollte diese Frage tatsächlich in der Diskussion um eine Frauenquote auftauchen?

Auch Väter dürfen heutzutage – dank Auflösung des starren Bildes vom Mann als Ernährer und Wahrnehmung der „Vätermonate“ beim Elterngeld - erfahren, welche Erfüllung es bedeuten kann, sich um seine Babys und Kinder zu kümmern. Eine Differenzierung an dieser Stelle ist Unsinn. Vielleicht ist im ersten Lebensjahr eines Kindes eine stillende Mutter geneigter, Erfüllung darin zu finden, für ihr Baby da zu sein, als ein Vater. Dies ist jedoch ganz maßgeblich abhängig von den individuellen Neigungen der Elternteile sowie davon, wie viel Zeit mit den Kindern verbracht wird.

Die Vereinbarung von Familie und Beruf sollte also längst nicht mehr alleiniges Problem der Mütter sein, sondern im gleichen Maße Väter betreffen - ebenso wie auch die Erweiterung qualifizierter Kinderbetreuung gleichermaßen im Interesse von Vätern wie Müttern erfolgen sollte. Flexiblere Arbeitszeiten müssen auch und gerade für Väter geschaffen werden, um den Müttern mehr Karriere zu ermöglichen.

Daneben ist es längst überfällig, sich über Arbeitszeiten generell Gedanken zu machen. In einer Zeit von Burn-out, Depressionen, zahlreichen psychosomatischen Erkrankungen und Schlaganfällen mit 40, in der Regel verursacht durch zu wenig Rückzug und Ausgleich, ist es dringend erforderlich, den Sinn von 70-, 80- oder sogar 90-Stunden-Wochen in Frage zu stellen, nicht nur für Mütter und Väter, nicht nur vor dem Hintergrund, neben dem Beruf auch Zeit für die Familie zu haben.

Dass die Frage nach alternativen Ausgestaltungsmöglichkeiten der obersten Karriereleiter im Zusammenhang mit der Möglichkeit auftaucht, hinreichend Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, können Frauen – so fragwürdig und antiquiert es auch erscheint – nur als Kompliment aufnehmen. Ihnen wird die durchweg sinnvolle Einsicht unterstellt, eine derart einseitige Lebensgestaltung für ihren Lebensentwurf nicht zu wünschen. Nichtsdestotrotz ist es doch auch für Männer – ob mit oder ohne Kinder – keine erstrebenswerte Lebensgestaltung.

Die Vernunft gebietet es den Unternehmen, auch und gerade in den Führungsetagen Mitarbeiter zu beschäftigen, die nicht nach wenigen Jahren ausgebrannt sind, die durch ein Gleichgewicht in ihrer Lebensführung einen Blick für das Wesentliche und eine gesunde Distanz bewahren – ob mit oder ohne Familie.

Die Verknüpfung der Forderung nach flexibleren Arbeitszeitmodellen mit dem Ruf nach mehr Frauenbeteiligungen in den obersten Etagen großer Unternehmen zeigt, dass – sicherlich alters- und generationenabhängig – das Bewusstsein in der Gesellschaft noch lange nicht am Ziel ist: Mütter haben die gleiche freie Wahl zwischen Familie oder Beruf / Familie und Beruf wie Väter. Die Schaffung der Möglichkeiten dazu betrifft also Männer und Frauen in gleichem Maße.

Es ist Aufgabe der Gesetzgebung, die Voraussetzungen für genügend qualifizierte Kinderbetreuung zu schaffen, um Männern wie Frauen die Möglichkeit zu geben, Familie und Beruf nebeneinander zu leben. Es ist nicht Aufgabe der Gesetzgebung, Führungspositionen von Unternehmen auszugestalten. Genauso wenig sollte es Aufgabe der Gesetzgebung sein, die personelle Besetzung der Führungsetagen vorzuschreiben.

Liberal überzeugte Frauen – zumindest diejenigen, die noch nicht seit 20 Jahren um die letzten Schritte der Gleichberechtigung kämpfen -, sollten unverändert an die Vernunft und Eigenverantwortung von Unternehmen glauben dürfen, einhergehend mit der weiteren Sensibilisierung des öffentlichen Bewusstseins für die noch bestehenden Mängel der Gleichstellung von Männern und Frauen.

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