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19.12.2010

FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln

Meldung

Jacobs wäre heute 100 Jahre alt geworden

Dr. Friedrich Jacobs
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Dr. Friedrich Jacobs
Vorbildlicher Liberaler, warmherziger Mitstreiter und engagierter Kölner

Seit 2005 ist der Sitzungsraum der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln im Spanischen Bau des Rathauses nach Friedrich Jacobs benannt, wo auch sein Bild in der Reihe der ehemaligen Vorsitzenden hängt. Jetzt wurde erstmal der Friedrich-Jacobs-Preis verliehen. Wer war dieser Dr. Friedrich Jacobs, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, aber leider am 3. Dezember 2004 im Alter von 93 Jahren verstarb.

Friedrich Jacobs wurde am 19. Dezember 1910 in Essen geboren. Ein „Geburtsfehler“, wie er immer betonte, denn – so pflegte er dann nachzuschieben – „zu Hause bin ich in Köln“. Geprägt wurde er durch die Ereignisse der Zeit: die kurze Blütezeit der zwanziger Jahre und dann schon wieder – fast noch als Jugendlicher – den Niedergang der Weimarer Republik, die Weltwirtschaftskrise, die Machtergreifung, den Krieg.

In den musste er dann, das Studium hatte Jacobs da bereits hinter sich, auch noch selbst ziehen, wurde verwundet und erlebte das Kriegsende und auch noch seinen 35. Geburtstag in amerikanischer Gefangenschaft. Nach der Rückkehr übte er den Beruf des Anwaltes aus – oder sagen wir schon fast besser – seine Berufung als Strafverteidiger. Er hat sich immer gekümmert und ist seinem Beruf treu geblieben.

Jacobs war – wie berichtet wird und wie er auch gerne selber berichtet hat – nicht nur auf den Gerichtsfluren, sondern auch auf den Fluren und in den Zellen des Klingelpütz – des Kölner Gefängnisses – bekannt, geschätzt und geliebt. Er hat sich dadurch auch als Politiker Unabhängigkeit geschaffen und bewahrt. „Auch in meiner Zeit als Bürgermeister hatte ich fast jeden Morgen die Robe an“, erzählte er stolz.

Freiheit zu sichern, Verantwortung zu übernehmen und dem Recht zu dienen – bei diesem Dreiklang lag es nahe, dass sich Jacobs 1949 der FDP anschloss und schon 1951 den Vorsitz des Kreisverbandes übernahm, was er (wahrscheinlich) bis 1956 blieb. 1952 zog er für seine Partei in den Rat ein. 1955 übernahm er den Fraktionsvorsitz bis zu seinem vorübergehenden Ausscheiden aus dem Rat im Jahr 1961.

Bürgerliches Engagement war für Jacobs eine Selbstverständlichkeit. So im Sport, dem er sich Zeit seines Lebens verbunden fühlte – und den er auch bis ins hohe Alter selbst trieb. So wurde er schon 1951 Präsident bzw. Vorsitzender des Kölner Hockey und Tennis Clubs Blau-Weiß 1930 e.V. und er blieb es für mehr als dreißig Jahre. In seine Amtszeit fiel z.B. der Bau des heutigen Clubheimes an der Neuenhöfer Allee.

1969 kehrte Jacobs für weitere zehn Jahre in den Rat zurück, der ihn in einer dramatischen Sitzung überraschend zum ersten Bürgermeister wählte. 1975 wurde er als Bürgermeister wiedergewählt. Dieses Amt bekleidete er bis 1979. In dieser Zeit setzte er sich unter anderem für die Einrichtung eines Umweltausschusses ein. Er gilt als politischer Ziehvater von Jan Brügelmann, der ihm 1979 als Bürgermeister nachfolgte.

Jacobs forderte unter anderem den Erhalt des Praetoriums, dessen Reste man 1953 bei den Ausschachtungsarbeiten für den Spanischen Bau des Rathauses entdeckt hatte und das mit einer für ihre Zeit einmaligen Spannbetondecke erhalten und zugänglich gemacht wurde. Es ist die Keimzelle der von den Liberalen forcierten Archäologischen Zone mit dem Haus und Museum der jüdischen Kultur auf dem Rathausvorplatz.

In seinen Erinnerungen, die 1979 und 1980 in der FDP-Mitgliederzeitung veröffentlich wurden, schriebt Jacobs dazu: „Immer wieder denke ich daran, dass uns das Praetorium, auf das wir so stolz sein können, nur durch wenige Stimmen erhalten geblieben ist. Ich hatte mich sehr dafür eingesetzt, fand aber wegen der Kosten für die freitragende Decke (damals 300.000 DM) nicht bei allen Fraktionskollegen Zustimmung.“

Daneben war der Rechtspolitiker Jacobs, der nicht nur viele Jahre lang den Ausschuss für Innen- und Rechtspolitik der FDP-NRW leitete und die Regierungsbeteiligungen in Düsseldorf und später in Bonn mitgestaltete. Er gehört auch 25 Jahre lang der G10-Kommission des Deutschen Bundestages an, der die Bundesregierung alle Ausnahmen vom Post- und Fernmeldegeheimnis vorzulegen hat.

Als ordentlicher „Parteisoldat“ ließ sich Jacobs natürlich als Kandidat für Wahlen auf allen Ebenen aufstellen. So war er zur KölnWahl 1975 Oberbürgermeisterkandidaten und holte bei der Bundestagswahl 1980 mit 16,4% der Zweitstimmen das beste Ergebnis in NRW. 1985 überreicht ihm zur 50-Jahr-Feier der Kölner Liberalen im Stadtmuseum der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Gerhardt die Ehrenmitgliedschaft.

Zur Dreikönigstreffen 2001 wurde er in Anwesenheit von Oberbürgermeister Fritz Schramma im Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museums zu seinem 90. Geburtstag geehrt. 2004 brachte Schramma in einem Kondolenzschreiben gegenüber den Hinterbliebenen seine Anteilnahme zum Ausdruck: „Die Stadt Köln wird Dr. Friedrich Jacobs ein großes, dankbares und ehrendes Andenken bewahren.“

FDP-Fraktionschef Ralph Sterck erinnert sich: "Als 1999 eine junge liberale Garde in den Rat einzog, unterstütze Jacobs den Generationenwechsel und stand mir und meiner Fraktion mit Rat und Tat bei Seite. Für ihn waren wir „seine Jungs“, die seine politische Arbeit weiterführten. Er wurde bis zuletzt bei Veranstaltungen wie den Treffen ehemaliger Amtsträgern der Stadt regelmäßig als gern gesehenen Gast begrüßt.“

„Friedrich Jacobs war liberales Urgestein und hat die Kölner FDP einen Großteil ihrer Geschichte begleitet. Dabei prägte er selbst über drei Jahrzehnte die Kölner Kommunalpolitik. Politische Weggefährten wie Gegner schätzten ihn wegen seiner freundlichen Art und gelebten Toleranz. Er war ein vorbildlicher Liberaler, warmherziger Mitstreiter und engagierter Kölner", würdigt ihn der Bundestagsabgeordnete Dr. Werner Hoyer.

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