Suff-Teenies, fliegende Glasflaschen
Von Ch. Merting , O. Meyer und H. Pusch
So geht es nicht weiter. Das Festkomitee fordert nach den erneuten Suff- und Gewaltexzessen am Elften im Elften nun endlich ein Flaschenverbot im Karneval. Das soll zumindest für die Altstadt und die Zülpicher Straße gelten.
Polizei und Ordnungsamt schickten zur Sessionseröffnung alles auf Streife, was Beine hatte. Doch trotz der enormen Präsenz konnten Ausschreitungen nicht verhindert werden. Bierflaschen wurden zu Wurfgeschossen. Sogar der Polizeieinsatzleiter Volker Lange wurde Opfer eines Flaschenwerfers.
Doch die Polizeiführung eiert noch etwas herum, wenn es um die Verbannung der Glasflaschen geht. Sprecherin Marion Henkel: „Ein Verbot fällt nicht in unsere Zuständigkeit, wir sind da nur beratend tätig. Die Stadt ist da gefordert. Sicher würde es durch ein Verbot weniger Verletzte geben und das würden wir sicher begrüßen.“
„Wir wollen kein Bier verbieten, sondern die Glasflaschen“, so Joachim Wüst, Justiziar vom Festkomitee. Das Gefahrenpotenzial sei einfach zu hoch. „Wir verstehen auch die Bedenken der Brauereien“, sagt Wüst. „Doch ich bin sicher: Ziehen wir das eine Session mit dem Glasverbot durch, dann gibt es Kölsch im Jahr danach auch in PET-Flaschen.“
Für die Kioske stellt sich Wüst eine Ausschank-Genehmigung an den tollen Tagen vor. Damit Bier auch in Plastikbechern verkauft werden kann.
Stadtdirektor Guido Kahlen hat gestern mit der Polizei getagt: „Die Erfahrungen vom Elften im Elften werden in das neue Sicherheitskonzept einfließen.“ Das will er Ende des Monats vorlegen. „Wird auch Zeit“, mahnt FDP-Fraktionschef Ralph Sterck, der dies bereits im März im Rat beantragte.
Unterdessen protestiert der Kölner Brauerei-Verband gegen ein geplantes Flaschenverbot. „Mit einem derartigen Verbot würde die Problematik Gewalt nicht gelöst. Sie ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, meint deren Chef Heinrich Becker. Mehr noch: Bei einem Glasverbot würden viele von Bier auf Schnaps umsteigen, weil Flachmänner leichter zu verstecken seien.
„Das neue Trinkverhalten von Jugendlichen macht uns zunehmend Sorgen“, sagt Carolin Krause vom Jugendamt. Mixturen aus mehreren harten Schnäpsen werden immer häufiger konsumiert. Es wird Zeit, das Problem in den Griff zu kriegen!
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