Statements zur Kulturpolitik in Köln von den künftigen oder amtierenden Vorsitzenden der Fraktionen, die im neuen Stadtrat möglicherweise mitregieren werden
(…)
Ralph Sterck, FDP
Köln - die weltoffene Kunst- und Kulturstadt? Den Eindruck hat sie gerade in der letzten Zeit nicht gemacht (man denke als jüngste Beispiele nur an den Einsturz des Stadtarchivs und den Umgang damit und die angekündigten Kürzungen bei der Kultur). Was muss als Nächstes passieren, damit Köln zumindest wieder einen Schritt in Richtung einer veritablen Kunst- und Kulturstadt macht?
Die Politik und die Verwaltung müssen an einem Strang ziehen, verlässlich sein und nachhaltig arbeiten. Köln ist nach wie vor eine weltoffene Kunst- und Kulturstadt, die viel zu bieten hat. Die FDP fordert bereits seit langem die Gründung einer Kulturmarketing GmbH, um das herausragende Kulturangebot national und international zu präsentieren. Der Rat der Stadt Köln hat in den vergangenen vier Jahren bedeutende Kulturprojekte auf den Weg gebracht:
- das Kulturzentrum am Neumarkt mit dem Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums und dem Erweiterungsbau für das Museum Schnütgen,
- die Archäologische Zone mit dem Jüdischen Museum auf dem Rathausvorplatz,
- das Opernquartier mit der Sanierung des Opernhauses und dem Neubau des Schauspielhauses das aller Voraussicht nach nun in einer reduzierten Form ohne Produktionszentrum auf dem Offenbachplatz gebaut werden soll und
- der Neubau des Kölner Stadtarchivs am Eifelwall, in den auch die Kunst- und Museumsbibliothek sowie das Rheinische Bildarchiv einziehen sollen. Die FDP war hier für den Wiederaufbau des Archivs an der bisherigen Stelle an der Severinstraße.
Kurz vor der Wahl machte der Kämmerer den Vorschlag, 30 Prozent bei den freiwilligen Leistungen für 2010 zu kürzen. Für die Kultur stehen 22 Prozent im Raum. Schon ein Prozent würde die freie Theaterszene hart treffen, denn sie arbeitet ohnehin mit äußerst knappen Mitteln. Wie stehen Sie zu diesen drohenden Kürzungen?
Die FDP hat unmittelbar nach der Bekanntgabe der vorgesehenen Kürzung unmissverständlich mitgeteilt, dass es mit ihr keine Kürzung des Kulturetats geben wird. Wir stehen weiterhin für die schrittweise Erhöhung des Kulturetats. Die freie Theaterszene hat im August 2009 die Anträge für die Konzeptionsförderung für die Jahre 2011 bis 2014 eingereicht und baut darauf, dass sowohl die Konzeptionsförderung als auch die Projektförderung für die freien Theater nicht gekürzt werden.
Der neue Oberbürgermeister Jürgen Roters hat gesagt, mit ihm werde es "keinen Kahlschlag bei der Kultur" geben, und wenn Haushaltskürzungen notwendig würden, dann würde er "zuletzt bei der Kultur" kürzen. Hat er Sie auf seiner Seite?
Selbstverständlich! Ich erinnere jedoch daran, dass Jürgen Roters bei der Veranstaltung des Kölner Kulturrats kurz vor der KölnWahl eingeräumt hat, dass die von dem Kämmerer bekannt gegebene Kürzung um 30 Prozent mit ihm abgesprochen worden sei. Offensichtlich haben die Proteste dazu geführt, dass er möglicherweise seine Auffassung geändert hat.
Erst vor der Sommerpause wurde der Kulturentwicklungsplan beschlossen. Er sieht zum Beispiel eine Erhöhung der Kulturausgaben von derzeit 136 auf 200 Euro pro Einwohner vor. Was ist dieser Kulturentwicklungsplan jetzt noch wert?
Der Kulturentwicklungsplan wurde im Rat der Stadt Köln mit den Stimmen aller vier großen Fraktionen beschlossen. Er enthält Ziele und Visionen die langfristig realisiert werden müssen. Wir werden uns nachhaltig für die Umsetzung des Kulturentwicklungsplans einsetzen.
Viele Kölner Theaterleute der freien Szene beklagen, dass sie einen großen Teil ihrer Kreativität in die Beschaffung von Mitteln stecken müssen - statt in ihre Produktionen. Wie soll sich diese Situation ändern, wenn nun auch noch Mittelkürzungen im Raum stehen?
Wir hoffen, dass es keine Mittelkürzungen geben wird, um die Planungssicherheit der freien Szene wie bereits in der Vergangenheit mit dem Theaterförderplan zu garantieren.
Finden Sie es akzeptabel, dass viele der KünstlerInnen in der freien Theaterszene trotz qualifizierter Ausbildung und oft großer Berufserfahrung im Schnitt zwischen 9.000 und 14.000 Euro brutto im Jahr verdienen?
Nein, ich finde dies nicht akzeptabel. Ich weiß, dass viele Künstlerinnen und Künstler mit Leidenschaft für die Kunst brennen und daher einen Teil ihres Lebensunterhalts in profaneren Beschäftigungsverhältnissen verdienen. Aber mit der Selbstausbeutung der handelnden Personen muss so schnell wie möglich Schluss gemacht werden.
Sanierung und Neubau von Oper und Schauspiel könnten bis zu 130 Mio. Euro teurer werden als geplant. Wie soll es mit diesen Vorhaben Ihrer Meinung nach weitergehen?
Die FDP hat sich ausdrücklich für die Realisierung des Architektenwettbewerbs zum Opernquartier ausgesprochen. Hierzu hat die Verwaltung aufgrund der nicht nachvollziehbaren Kostenexplosionen, dessen Ursachen noch geklärt werden müssen, fünf Alternativen vorgelegt. Meine Partei hat sich eindeutig dafür ausgesprochen, nicht nur eine Bestandssanierung beider Häuser durchzuführen, die ca. 250 Mio. Euro kostet, sondern den preisgekrönten Wettbewerbsentwurf zu realisieren, jedoch ohne das Produktionszentrum. Die Kosten für diese Alternative mit entsprechenden Räumen für eine Tanzcompany und einem angemessenen Probenraum für das Gürzenich Orchester betragen 298 Mio. Euro. Das ist für uns eine angemessene Investition in die Kölner Kultur, weil das den Ruf der Kulturstadt mehrt und somit auch anderen Sparten und der freien Szene zu Gute kommt.
Gerade hat das Theater am Sachsenring angekündigt, zum Jahresende zu schließen. Flurbereinigung? Oder ein Verlust für die Kölner Theaterszene, der zu verhindern gewesen wäre?
Ich bedaure, wenn das Theater am Sachsenring zum Jahresende schließen wird. Die Schließung eines Theaters ist immer ein Verlust für die Theaterszene. Ob sie zu verhindern gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen. Sie ist jedoch sehr zu bedauern.
Wann waren Sie zum letzten Mal in Köln im Theater, was haben Sie gesehen? Wie hat Ihnen die Aufführung gefallen?
Zuletzt war ich in Faust in der Halle Kalk. Ich mag diesen innovativen Ort besonders. Durchaus eine interessante Neuinterpretation des alten Stoffes. Insbesondere den Schauspielern gebührt an dieser Stelle ein großes Lob für ihre Leistung.
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12.10.2009
akt - Die Kölner Theaterzeitung
Pressespiegel
"Herausragendes Kulturangebot national und international präsentieren"
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