Marketingexperten beurteilen die Plakate der OB-Kandidaten
Wie wirken die Plakate der drei OB-Kandidaten Jürgen Roters, Peter Kurth und Ralph Sterck? Wir haben zwei Profis gefragt, die die Bewerber nicht kennen. Drei Kriterien - A. Aufmerksamkeit, B. Unverwechselbarkeit und C. Stimmigkeit - sind entscheidend, sagt Frank Dopheide, Chef der Werbeagentur Grey in Düsseldorf. Beim Punkt A. schneiden alle drei seiner Meinung nach schwach ab. Dabei sei Sterck "der Einäugige unter den Blinden", denn sein Plakat rufe allein durch die Farbe die meiste Aufmerksamkeit hervor. "Man merkt allen drei Politikern an, dass sie sich unglaublich unwohl vor der Kamera gefühlt haben." Und: "Ich glaube, Politiker unterschätzen, wie groß der Kampf um Aufmerksamkeit ist. Sie treten auch gegen Tom Cruise und Brad Pitt an."
Dopheides Urteil zum Thema Unverwechselbarkeit lautet: "Grausam. Die Plakate sehen aus, wie sie vor zehn Jahren ausgesehen haben." Beim Thema Relevanz und Stimmigkeit sei Kurths Haltung, der mit verschränkten Armen gegen eine Wand lehnt, "komplett kontraproduktiv zur Aussage ,Für Arbeitsplätze mehr unternehmen'". Bei Roters habe man mit "Verantwortung einen diffusen Begriff" gebracht und mit einer Denkerpose und einem sympathischen Lachen kombiniert. Dopheide: "Was will er uns sagen?". Dagegen habe Stercks Aussage: "Köln kann mehr" am meisten Relevanz. Es signalisiere dem Wähler: "Wir verkaufen uns unter Wert." Das treffe den Nerv der Kölner.
Ein Foto vom Traumschiff
Auch Christian Mommertz, Creative Director bei Ogilvy & Mather in Frankfurt, meint, mit Stercks Aussage "kann man am meisten anfangen - eine kluge textliche Lösung, die sich auf versäumte Leistungen focussiert". 'Roters vermittle dagegen das Bild eines Volkstribuns: "Es könnte ein Foto vom Traumschiff sein, hier handelt es sich um einen Sunnyboy, einer, der fest verankert scheint bei Land und Leuten". Die "typische Handhaltungspose aus dem Amateurfotografiebereich soll dem Kandidaten eine gewisse Nachdenklichkeit angedeihen lassen". Kurths Wahlplakat hält er für das "grafisch anspruchsvollste". Die Schwarz-weiß-Fotografie signalisiere Professionalität, die Bildsprache erinnere fast an die Plakatkunst der 20er Jahre. (hap)
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