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17.12.2008

magazin - Stiftung für die Freiheit

Pressespiegel

Brüssel – graue Zentrale der "Gurkenkrümmer"?

Brüssel
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Populäre Irrtümer über die EU

Von Silvana Koch-Mehrin

So schöne, schon Kindern vertraute Berufssymbole wie die hohe Mütze und der große Löffel des Kochs haben Europapolitiker nicht zu bieten. Aber sinnliche Gegenstände, bei denen man etwas „begreifen“ kann, spielen doch eine große Rolle in unserer Außendarstellung: bevorzugt Bananen und Gurken.

An beidem habe ich als Repräsentantin von „denen in Brüssel“ im Gespräch mit Bürgern oder Journalisten immer wieder zu knabbern, wenn es heißt, die EU würde die Bürger nerven, indem sie viel zu viele Details reguliert, na, zum Beispiel die Krümmung von Bananen und Gurken. Auch wenn es viele Gründe gibt, das Tun der EU im Allgemeinen oder von EU- Kommission, EU-Parlament und Ministerrat im Besonderen zu kritisieren – mit den Krümmungen soll mir keiner mehr kommen!

Um Bananen gab es zwar jahrelang Streit auf EU-Ebene, aber da ging es um Zölle – nicht um die Krümmung, die nirgends thematisiert wird. Anders sieht das bei den Gurken aus. 1988 wurde in Brüssel in der Tat die Verordnung 1677/88 beschlossen, die Gurken in vier Handelsklassen einteilt und festlegt, welche Farbfehler und welcher Krümmungsgrad zu welcher Einteilung führen. Gurken, die auf 10 cm Länge mehr als 10 mm Krümmung aufwiesen, wurden nicht verboten, sondern billiger gehandelt. Die geraden Gurken ließen sich dann in Italien auf platzsparende Weise in Kartons packen und durch Europa in den dänischen Supermarkt transportieren, ohne dass die Dänen vorher die Ernte in Italien begutachten mussten – es wurde einfach die Handelsklasse vereinbart.

Im 20. Jahr dieser Vereinbarung aber wollten die EU-Kommissare die Gurken in Ruhe lassen. Entnervt von dem ewigen Gurkenkrümmer-Image, hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Verordnung 1677/88 ersatzlos zu streichen. Schließlich will sie beweisen, dass sie Bürokratie auch abbauen kann.

Da aber hatten sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht – und der sitzt nach wie vor in den Mitgliedstaaten der EU. Gleich 19 Länder, namentlich ihre Landwirtschaftsministerien, stellten sich gegen die Streichung der Verordnung – auch Deutschland. Am Ende könnte es trotzdem zur Abschaffung der EU-Verordnung kommen; Kommissionschef Barroso persönlich soll den nationalen Bürokraten die Leviten gelesen haben.

Für den internationalen Gurkenhandel und für den Verbraucher wird sich aber wohl nicht viel ändern. Denn die vier Handelsklassen gelten, dank der Vereinten Nationen, auch im globalen Handel. Und die UN haben zwar auch ein Imageproblem, aber in den Ruf, die wahren Gurkenkrümmer zu sein, sind sie noch nicht geraten.

In viele wirtschaftliche Abläufe des Binnenmarkts wollen auch wir Liberale mehr Ordnung reinbringen. Das aber, um den Markt für leistungswillige Wettbewerber zugänglich und für die Verbraucher möglichst transparent zu machen. Und so wie wir den Verbrauchern zutrauen, dass sie nicht vom Staat bevormundet werden müssen, so akzeptieren wir es auch, dass sie ihre Meinung manchmal mit Vorurteilen würzen. Ab heute aber bitte mit einem weniger.

Mehr (zweifelhafte) Vorurteile erklärt eine Website über EU-Mythen der Europäischen Kommission:
www.ec.europa.eu/deutschland/understanding/eu_mythen/index_de.htm


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