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12.11.2008

Kölnische Rundschau

Pressespiegel

"Liberale haben sich freigeschwommen"

Gerhart R. Baum
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Gerhart R. Baum
60 Jahre FDP-Fraktion im Rat - Parteiveteran Gerhart Baum ermutigt zu neuen Koalitionen

Vor 60 Jahren zog erstmals eine FDP-Fraktion in den Rat ein. Christian Deppe sprach mit Parteiveteran Gerhart R. Baum über die Kölner Liberalen damals und heute.

Bis auf drei Wahlperioden ist die FDP seit 1948 im Kölner Rat. Früher mal stärker - 1952 holte sie 11,4 Prozent - bildet sie doch meistens die Opposition. Hat sie dennoch etwas bewirkt?

Natürlich. Sie war und ist wichtig, weil sie eine kleine, sehr bewegliche und schnell reagierende Truppe ist. Im Zusammenspiel mit der Bürgergesellschaft kann sie viel erreichen, auch in der Opposition und auch gegen die absolute Mehrheit der SPD, wie sie seinerzeit bestand.

1969 haben Sie um ein Ratsmandat gekämpft. Mit welcher Strategie?

Wir hatten uns gut vorbereitet. Wir haben Pressekonferenzen gegeben, etwa zur Situation der Krankenhäuser, zur Verkehrsplanung und zum Haushalt. Wir haben Öffentlichkeit geschaffen und von Außen auf die Kommunalpolitik eingewirkt. Im Grunde dringt man in der Politik nur durch, wenn man mit guten Argumenten kritisiert. Das konnten wir schon damals ganz gut.

Wenig später sind Sie nach Bonn gegangen. Wo liegt für Sie der Unterschied zwischen der Kommunal- und der Bundespolitik?

In der Unmittelbarkeit der Wirkung von Entscheidungen. Sie sind in der Kommunalpolitik sichtbar und für den Bürger spürbar. Diese Nähe ist positiv, sehr bereichernd. Bonn und Berlin sind weit weg vom Bürger.

Was hat sich seit damals verändert, seit Sie für den Rat kandidierten?

Es gab keine Grünen. Sie sind eine wirkliche Konkurrenz geworden im eigentlich liberalen großstädtischen Milieu. Dem grünen "Lebensgefühl" müssen die Liberalen ihren "Mut zur Freiheit" entgegensetzen - und zwar auch emotional und auf allen Feldern der Politik. Unbequeme Wahrheiten müssen streitbar vertreten werden. Ich finde, dass die FDP die Oppositionsrolle in Köln gut spielt. Sie tritt mit eigenen Vorschlägen in Erscheinung, im Übrigen auch mit einem eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten.

Sind Sie sicher, dass das die richtige Entscheidung war?

Ja, das ist ein Ausweis der Unabhängigkeit. Die FDP ist keine Hilfstruppe für andere OB-Kandidaten, sie hat ja nicht nur einen eigenen Kandidaten aufgestellt, sie hat auch keine Koalitionsaussage gemacht. Sie muss offen sein, ihre Ziele mit allen demokratischen Parteien zu vertreten. Auch eine Kooperation mit Rot-Grün darf nicht tabuisiert werden.

Warum hat die FDP bisher gezögert?

Das habe ich nicht verstanden, aber inzwischen hat sie sich freigeschwommen. Es ist in der Kommunalpolitik ja auch viel einfacher, sich zu einigen. Wenn man es nicht versucht, darf man sich nicht wundern, wenn andere Mehrheiten entstehen - auch zum Schaden der Stadt.

Wodurch kann sich die FDP neben dem eigenen OB-Kandidaten im Wahlkampf noch profilieren?

Sie sollte die faulen Kompromisse der Mehrheit aufspießen und Entwicklungsperspektiven einfordern, die oft im kleinlichen Parteiengezänk steckenbleiben. Die Stadt braucht eine neue Dynamik.


Zur Person

Gerhart Rudolf Baum wurde 1932 in Dresden geboren. Er kam 1945 nach Köln, wo er Abitur machte, Rechtswissenschaft studierte und als Rechtsanwalt tätig war. 1954 trat er der FDP bei, von 1969 bis 1973 führte er die Kölner Ratsfraktion.

Baum war von 1972 bis 1978 Staatssekretär beim Bundesinnenministerium, von 1978 bis 1982 Bundesinnenminister. Auch mit 76 Jahren bekleidet er verschiedene öffentliche Ämter, zum Beispiel das des Vorsitzenden des NRW-Kulturrates. (cid)

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