Die Woche von Peter Berger
Eine Regel unseres Berufsstands besagt: Journalisten sollten nicht über ihre Arbeitsbedingungen berichten. Weil das keinen Leser interessiert. Heute müssen wir eine Ausnahme machen. Schramma gegen Roters: Seit das Duell um den Oberbürgermeister-Sessel feststeht, werden die Lager, also CDU und SPD, zunehmend nervös.
Welcher Kandidat wird wann und wie oft erwähnt? Warum finden SPD-Mitteilungen von der Güte, dass Schramma die Standort-Werbung verschläft, weil er bei der Immobilienmesse Expo 2008 fehlt, nicht in die Zeitung? Und die Antwort darauf - weil er bis zu 80 Stunden pro Woche arbeitet und mal Urlaub machen muss - auch nicht. Ganz einfach: Weil es in dem Fall keine Nachricht ist, dass ein Stadtoberhaupt irgendwo nicht hinfährt.
So, das wäre geklärt. Kommen wir jetzt zur Erbsenzählerei. Also: Der Name Schramma ist in dieser Woche in unserer Zeitung - diese Kolumne ausgeschlossen - 21-mal aufgetaucht. Roters dagegen nur 15-mal. Unfassbar, tendenziös. Aber es kommt noch schlimmer: Das Wörtchen "Roters" ist trotz des bauchigen "o" ganze acht Millimeter lang und kommt gegen das raumgreifende Doppel-m in "Schramma" einfach zu kurz. Was in der Gesamtrechnung bedeutet: "Schramma" (14 Millimeter) schlägt "Roters" (acht Millimeter) bei 21:15 Nennungen um 174 Millimeter.
Diesen Vorteil kann Roters auch durch seinen Vornamen (Jürgen = acht Millimeter, Fritz = sechs Millimeter) nicht ausgleichen. Im Gegenteil: Der OB macht wegen der höheren Nennungszahl weitere sechs Millimeter gut. Wir haben uns die Mühe gemacht, diesen offensichtlichen Nachteil für den rot-grünen Bewerber durch den Begriff "Gegenkandidat" auszugleichen. Hat nicht funktioniert. "Gegenkandidat" ist exakt so lang wie "Oberbürgermeister" - 18 Millimeter. 180 Millimeter Rückstand bei Roters ließen sich nur durch die inflationäre Verwendung des Zusatzes Ex-Regierungspräsident (= 31 Millimeter) ausgleichen. 5,8-mal müssten wir also diesen sperrigen Begriff benutzen, wobei uns vor allem die 0,8 Probleme bereiten. "Ex-Regierungspräsi" klingt blöd.
Wissen Sie, was richtig schlimm ist? Wir haben den FDP-Kandidaten Ralph (= sieben Millimeter) Sterck (= acht Millimeter) vergessen. Den haben wir nur viermal oder 32 Millimeter lang erwähnt. Selbst wenn er vermutlich keine Chance hat, OB zu werden. Wir müssen das ausgleichen. Das geht nur mit 18 Stercks und einem Ralph. Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Sterck, Ralph Sterck. Wobei wir damit nicht sagen wollen, dass man 18 Stercks braucht, um einen Schramma auszugleichen. Da würde man dem Amtsinhaber zu viel Gewicht beimessen.
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