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19.10.2008

Das Rathaus

Pressespiegel

Geschichte des Moscheebaus in Köln

Moscheeprojekt in Ehrenfeld
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Moscheeprojekt in Ehrenfeld
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Moscheeprojekt in Ehrenfeld
Von Ralph Sterck

Als die Liberalen 1999 wieder in den Kölner Stadtrat einzogen, berichteten Vertreterinnen und Vertreter muslimischer Verbände, dass bereits zahlreiche Anträge zum Bau repräsentativer Moscheen an die Stadtverwaltung gestellt worden seine, diese aber alle aus „baurechtlichen“ Gründen abgelehnt worden seien. Nachfragen bei der Verwaltung bestätigten dies. Dies sei Vorgabe der damaligen Stadtführung gewesen, hieß es hinter vorgehaltener Hand.

Bereits 1996 hatte es einen Ratsbeschluss gegeben, der den Bau einer Moschee in Köln befürwortete. Aber dieser war an die Bedingung geknüpft, die verschiedenen muslimischen Verbände mögen sich auf ein Projekt einigen. Ein schier aussichtsloses Unterfangen, wie man sich leicht vorstellen kann, denn selbst die beiden christlichen Kirchen in Köln konnten sich in den letzten Jahrhunderten nicht auf ein solches Gemeinschaftsprojekt verständigen.

Die FDP nahm sich daraufhin des Themas an. Es wurden im Rathaus zwei Moscheebaukonferenzen mit Vertreterinnen und Vertretern der relevanten Verbände und sogar eine Besichtigungstour zu kleineren Moscheen im Umland durchgeführt. Ziel war eine Ratsinitiative, die den Bau einer Moschee befürworten und die Verwaltung entsprechend instruieren sollte, die Bauherren wohlwollend zu beraten, um die Hürden des Baurechts zu überwinden.

Geleitet wurden die Liberalen dabei von dem Grundsatz, einer religiösen Minderheit im Sinne der Religionsfreiheit den Bau eines repräsentativen Gotteshauses zu ermöglichen. Außerdem sollten zur besseren Integration den Muslimen andere Möglichkeiten der Religionsausübung gegeben werden, als dies bisher in den ca. dreidutzend Moscheen in Köln, die in ehemaligen Gewerbeimmobilien und Hinterhöfen Unterschlupf gefunden hatten, der Fall war.

Die neue Moschee sollte ein repräsentatives Gotteshaus werden

Während der damaligen christlich-liberalen Koalition im Rathaus musste natürlich zunächst die CDU für ein solches Vorhaben gewonnen werden. Dies war einfacher als man heute für möglich hält. Und aus einer repräsentativen Moschee wurden im Zuge der Verhandlungen gleich zwei, für jede Rheinseite eine. Ein Ratsantrag definiert die Bedingungen für die Grundstücke: 10.000qm Größe, gute Erreichbarkeit und schnell zu erreichendes Baurecht.

Der Antrag wurde im Juli 2001 mit großer Mehrheit im Rat beschlossen. Innerhalb von sechs Monaten sollte die Verwaltung entsprechende Vorschläge in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil machen. Anschließend sollte der Verkauf des Grundstückes unter möglichen Trägern ausgeschrieben werden. Bei der Vergabe sollten auch inhaltliche Aspekte bezüglich Träger und Konzept berücksichtigt werden. Und ein Architekturwettbewerb sollte stattfinden.

Leider bremste die Stadtverwaltung in Person des damaligen Liegenschaftsdezernenten, der auch im späteren Streit innerhalb der CDU um den Moscheebau in Ehrenfeld eine unrühmliche Rolle spielte, alle Bemühungen aus: Angeblich seinen kein entsprechenden Grundstücke verfügbar. Mögliche Grundstücke in Köln-Chorweiler wurden für andere Zwecke veräußert. Der potentielle Trägerverein konnte nicht ausreichend Zustimmung bei den Muslimen gewinnen.

So lag das Projekt lange Jahre brach, bis die Türkisch-Islamische Union Ditib mit dem Wunsch auftrat, auf ihrem eigenen Grundstück in Köln-Ehrenfeld, auf dem bereits eine Moschee in einem alten Fabrikgebäude betrieben wurde, einen Neubau zu errichten. Die ersten Pläne sahen noch mehr wie eine spätromanische Kirche mit dickem Kirchturm aus, was alle Beteiligten veranlasste, für die Durchführung eines Architekturwettbewerbes zu plädieren. Die Ditib stimmte zu.

Für den Bauherrn kein ungefährliches Unterfangen, gab man sich doch in die Hände eines mehrheitlich nichtmuslimisch besetzten Preisgerichtes und verpflichtete sich, einen der prämierten Entwürfe zu bauen. Und so wurde die Preisgerichtssitzung im Frühjahr 2006 auch zu einer der spannendsten der letzten Jahre. Zu unterschiedlich waren die Vorstellungen der Architekten auf der einen und der Muslime und der Kölner Kommunalpolitik auf der anderen Seite.

Während Erstere eine moderne Architektur, die nicht als Moschee zu erkennen war, favorisierten, wollten Letztere einen Bau mit Kuppel und Minaretten, der den Muslimen eine Repräsentation im Stadtbild ermöglicht, wie sie für Christen und Juden selbstverständlich ist. Herausgekommen ist der Kompromiss, dass auf dem auf fünf Preise erweiterten Feld hinter der erstplatzierten Moschee zwei moderne Entwürfe und auf den Plätzen 4 und 5 zwei osmanisch wirkende Entwürfe kamen.

Nachdem die Anonymität der Entwurfsarchitekten gelüftet wurde, standen Gottfried und Paul Böhm aus der gleichnamigen Kölner Kirchenbauerfamilie als Sieger fest. Trotzdem hätte die Ditib auch die Möglichkeit gehabt, die beiden türkischen bzw. türkischstämmigen Architekten auf den Plätzen 4 und 5 zu beauftragen. Viel Überzeugungsarbeit und ein von der FDP initiierter Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses führten schließlich zum gewünschten Ergebnis.

Anschließend wurde am Entwurf gefeilt: Die Schalenkonstruktion der Kuppel, die zunächst wie schützende Hände über dem Gebetsraum gespannt waren, wurden zu Gunsten von mehr Transparenz bis zum Boden geöffnet und sehen heute eher aus wie eine aufgehende Blüte. Die Tiefgarage wurde auch auf Wunsch der Politik auf 150 Plätze erweitert. Und zuletzt wurde durchgesetzt, die traditionellen Minarette gegen die Form gewickelter Blätter auszutauschen.

Informationskampagne zum Abbau von Ängsten und Vorurteilen

Die Kölner Öffentlichkeit beschäftigte sich erst richtig mit dem Projekt, als die Architekturentwürfe in der Zeitung – mit einer teilweise alles andere als neutralen Darstellung – veröffentlicht wurden. Die Ditib hat auf das Informationsdefizit der Anwohnerinnen und Anwohner aber auch der übrigen Kölner Bevölkerung mit einer Informationskampagne und der Gründung eines Beirates, in dem die Liberalen mit vier Mitgliedern in „Fraktionsstärke“ vertreten sind, reagiert.

Auch in anderen Stadtteilen gibt es mittlerweile Moscheebauprojekte. So gab es auch in Köln-Porz einen Streit über die Höhe der Minarette. Dort waren den Anwohnern die geplanten 25m – in Ehrenfeld sollen sie 55m hoch werden – zu viel. Das widerlegt auch die Annahme, über die architektonische Frage der Höhe der Minarette ließe sich mehr Zustimmung zum Gesamtprojekt erreichen. Viel Überzeugungsarbeit zum Abbau der Ängste und Vorurteile tut stattdessen Not.

Deutschlands schönste Moschee bald in Köln?

Ende August 2008 fasste der Stadtrat dann schließlich mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP und des Oberbürgermeisters den Beschluss, den bereits bestehenden Bebauungsplan zu Gunsten des Moscheebauprojektes zu ändern. Die CDU stimmte leider gegen das Projekt, u.a. weil man der Ditib die nötigen Integrationsbemühungen absprach. Da der Bauantrag bereits parallel eingereicht wurde, kann mit einem baldigen Baubeginn und einer Eröffnung in 2010 gerechnet werden.

Die Ditib-Moschee in Ehrenfeld wird sicher zu einem Hingucker und zu einer neuen Sehenswürdigkeit Kölns werden, auf die die Kölnerinnen und Kölner stolz sein werden. Und hätte der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Umfrage gefragt „Wenn schon eine Moschee in Köln gebaut wird, sollte es dann nicht auch die größte und schönste in ganz Deutschland sein?“ hätten sicher 70% der Kölnerinnen und Kölner aus voller Überzeugung mit „Ja“ geantwortet.


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