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20.10.2008

FDP-Kreisverband Köln

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Alles Klüngel, oder was?

Ralph Sterck, MdR
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Kölner Stadtgespräche

Von Wolfgang Baumann

Das September-Thema der monatlichen „Stadtgespräche“ in der Residenz am Dom, moderiert von Dr. Norbert Burger, war nicht nur für Kölner sehr interessant: „Kölscher Klüngel – gut oder schlecht?“ Als Gäste lud der frühere Kölner Oberbürgermeister zwei Experten ein, die zu diesem Thema kürzlich ein Buch veröffentlicht haben: Dr. Frank Überall, Politologe und Journalist, und Reinold Louis, Autor und Moderator. Die leicht unterschiedlichen Antworten zu der Ausgangsfrage führten zu einer spannenden Gesprächsrunde, die vielleicht auch von dem unterschiedlichen Berufshintergrund der Teilnehmer geprägt war.

„Kölscher Klüngel“, was ist das eigentlich? Eine ganz besondere Form der Netzwerkpflege? Ja und Nein, so die Erkenntnis. Ja, weil der Begriff „Klüngel“ außerhalb von Köln vorschnell als Synonym für Korruption und Misswirtschaft herhalten muss, eine Kungelei der Marke: „Man kennt sich, man hilft sich“, die für viele eben typisch kölsch ist. Nein, weil Klüngeln nicht automatisch negativ zu sehen und auch nicht auf Köln begrenzt ist. Diese Art der Zusammenarbeit gibt es auch in Berlin oder München.

„Klüngel scheint aber trotzdem ein typisch kölscher Begriff zu sein“, stellte Norbert Burger fest, „hier versteht auch jeder, was gemeint ist“. Diese Ansicht vertraten auch seine beiden Gesprächspartner. Für Reinold Louis liegt das auch daran, dass Kölner Bürger wissen, dass damit eigentlich etwas Positives gemeint ist. „Im Grunde gibt es keinen schlechten Klüngel“, glaubt Louis, „nur die Leute, die da gar nicht beteiligt sind, finden ihn schlecht“. Das erkläre auch, warum der Begriff außerhalb von Köln so negativ besetzt sei. Aber das sei oft ein vorschnelles Urteil, das wenig mit politischen Realitäten zu tun habe. „Ich war früher jahrelang selbst kommunalpolitisch tätig und ich sage: wenn klüngeln negativ wäre, dann würde das voraussetzen, dass alle Beteiligten ganz bewusst krumme Geschäfte machen wollen bis hin zur Korruption. Das hat überhaupt nichts mit dem ganz normalen kölschen Klüngel zu tun, über den wir hier reden“.

Frank Überall differenziert hier zwischen dem guten und schlechten Klüngel. Er findet die Feststellung, dass der kölsche Klüngel per se immer gut ist, ziemlich gewagt: „Es ist völlig ok, wenn zum Beispiel ein Politiker seine Stellung zur persönlichen Kontaktpflege nutzt – und nicht ausnutzt. Aber da ist ganz schwer eine Grenzlinie zu ziehen. Wo hört das gute Klüngeln auf und wo beginnt Korruption?“ Diese Frage müsse man immer stellen, ansonsten laufe man schnell Gefahr, den Begriff Kölsch-Klüngel für ganz menschliche Schwächen zu „verniedlichen“. Dann dürfe man sich auch nicht darüber wundern, wenn das als negatives Beispiel für jeglichen „Kuhhandel“ gesehen werde. „Vor einiger Zeit las ich sogar vom Klüngel, als es um dubiose Postenvergaben im Management vom Hamburger Fußballclub FC St. Pauli ging“. Und Hamburg liege bekanntlich nicht gerade neben Köln.

Auch die anschließende Diskussion im Publikum zeigte kein einheitliches Meinungsbild. Grundtenor war aber schon, dass man es mit dem Kölsch-Klüngel nie „übertreiben“ dürfe. Man könne nicht grundsätzlich sagen: „Das Klüngeln ist immer gut, weil es ja nur für die Stadt ist“, sagte ein Teilnehmer an die Adresse der Kommunalpolitik, jede Entscheidungsfindung solle möglichst transparent und nachvollziehbar sein.

Die nächsten „Stadtgespräche“ finden statt am Donnerstag, 23.10.2008 um 19.00Uhr zum Thema: „Soziales Köln“. Zu Gast: Die beiden Kölner OB-Kandidaten Jürgen Roters und Ralph Sterck.

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