Chemie-Krisengipfel: NRW-Kreise erhalten spezielle Erkundungsfahrzeuge
Von Wilfried Goebel
Köln/Dortmund. NRW verstärkt den Katastrophenschutz der Bevölkerung nach Chemieunfällen. In Köln und Dortmund werden zwei Spezial-Einsatzkräfte (Task Forces) mit moderner Analyse- und Messtechnik eingerichtet, die bei der Bekämpfung von atomaren, chemischen und biologischen Gefahren (ABC) zum Einsatz kommen sollen. Das hat Innenminister Ingo Wolf (FDP) nach einem NRW-Krisengipfel angekündigt. "Wegen der besonderen Konzentration von chemischer Industrie in unserem Land ist dieses Engagement unerlässlich", sagte Wolf. Im letzten Monat gab es fünf schwere Chemie-Unfälle mit 168 Verletzten in NRW.
Bundesweit wird es sechs Standorte mit ABC-Spezialeinheiten geben: Neben Köln und Dortmund auch in Berlin, Hamburg, Magdeburg und Mannheim. Die Spezialeinheiten in NRW können bereits nach wenigen Minuten per Hubschrauber am Einsatzort sein. Dabei sollen die Standorte Köln und Dortmund die Landesteile Rheinland und Westfalen abdecken. In einem zweiten Schritt sollen alle 54 Kreise und kreisfreien Städte mit je zwei ABC-Erkundungsfahrzeugen ausgestattet werden. Die ersten 20 werden im Jahr 2009 beschafft.
"Wichtig ist die Zusammenführung von Messdaten verschiedener Feuerwehren und der Umweltbehörden", sagte Wolf. Bis Mitte 2009 will NRW 20 "Abrollbehälter" für die Dekontamination von Verletzten beschaffen. Dort können jeweils 50 kontaminierte Verletzte innerhalb einer Stunde dekontaminiert werden. So soll verhindert werden, dass Gefahrstoffe in Krankenhäuser getragen und Patienten und Personal geschädigt werden.
Experten der Koalition beschlossen außerdem ein ganzes Maßnahmenbündel zum besseren Schutz der Bürger. So sollen künftig Sirenen bei Gefahren warnen. Außerdem sollen Gase eingefärbt werden, damit sie bei einem Austritt leichter entdeckt werden können. In Chemiebetrieben, die in der Nähe von Wohnbauten liegen, sollen neue Prüfteams gezielte Schwerpunkt-Kontrollen durchführen. Und Firmen müssen die in der Nähe wohnenden Bürger regelmäßig und detailliert über mögliche Gefahren informieren.
Trotz der fünf Unfälle im letzten Monat waren sich die Fachleute im Wirtschaftsministerium einig: Die Sicherheitssysteme der Chemie-Betriebe funktionieren. Kopfschütteln löste allerdings die Tatsache aus, dass es bisher kein landesweites Kataster über die Lage von Gas-Pipelines gibt. Bis Ende des Jahres will Uhlenberg eine entsprechende Karte erarbeiten lassen.
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