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17.08.2008

Kölner Stadt-Anzeiger

Pressespiegel

40 Prozent weniger Paradies

Marlis Pöttgen, Mitglied der Bezirksvertretung Ehrenfeld
Marlis Pöttgen, Mitglied der Bezirksvertretung Ehrenfeld
Marlis Pöttgen, Mitglied der Bezirksvertretung Ehrenfeld
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Marlis Pöttgen, Mitglied der Bezirksvertretung Ehrenfeld
Mehrheit der Politiker stimmt gegen Nachverdichtung in einem Innenhof

Nach der Ablehnung im Bezirk braucht die GAG für ihr Bauvorhaben die Zustimmung auf Ratsebene.

Von Heribert Rösgen

Ehrenfeld - Ein klares Votum für den vollständigen Erhalt einer begrünten Fläche mit zahlreichen Bäumen im Innenhof des Wohnblocks an der Ecke Äußere Kanalstraße/Venloer Straße gab die Bezirksvertretung Ehrenfeld ab. Das Bebauungsplanverfahren für den von der GAG Immobilien AG beabsichtigten Bau eines viergeschossigen Hauses soll nicht weiter betrieben werden, empfahl die Bezirksvertretung.

Für die Bebauung des Innenhofes stimmten lediglich drei der vier anwesenden Fraktionsmitglieder der Grünen. Die Vorlage zu diesem Planungskonzept muss allerdings noch in den Stadtentwicklungsausschuss, der schon einmal das "Nein" aus der Bezirksvertretung zu den Plänen gekippt hatte, indem er das Verfahren überhaupt erst zugelassen hatte.

Unberührt davon begann bereits der Abbruch des Wohnblocks. Für die geplanten neuen Gebäude, die direkt an der Straße liegen, ist kein Bebauungsplanverfahren nötig, da hier Altes in gleichem Umfang durch Neues ersetzt wird. 90 Wohnungen sollen hier entstehen. Zwölf Millionen Euro investiert die GAG.

Für die zahlreich erschienenen Anwohner hatte Sprecher Devereux C. Josephs deren Standpunkte erläutert, um das kleine Paradies zu erhalten. Durch das zusätzliche Bauvorhaben im Innenhof würden ökologische und soziale Strukturen zerstört. Es stehe in keinem Verhältnis, wenn für ein Gebäude mit 14 Wohneinheiten und einer Wohngruppe für Demenzkranke 40 Prozent der heutigen Wiesenfläche verbraucht würden. Es sei außerdem "reichlich zynisch", wenn die GAG damit argumentiere, dass dieser Neubau alteingesessenen Bewohnern die Möglichkeit schaffe, im vertrauten Viertel wohnen zu bleiben. "Nur weil sie diese grüne Oase haben, leben die Menschen gerne hier ", sagte Devereux C. Josephs.

Unisono betonten Sprecher der Fraktionen von SPD und CDU, dass sie aufgrund der besonderen Situation in diesem Viertel gegen das Bauvorhaben seien. In unmittelbarer Nachbarschaft gebe es nämlich schon Wohnungsbau-Projekte, mit denen das Viertel "verdichtet" werde. Für die Grünen argumentierte Christiane Martin, dass man mit der Entscheidung für Nachverdichtungen vermeiden wolle, dass Flächen am Stadtrand verbraucht werden. "Ideologie und Schablonendenken", warf FDP-Vertreterin Marlis Pöttgen den Grünen vor.

Für die Verwaltung wies Andreas von Wolff vom Stadtplanungsamt darauf hin, dass jährlich 3500 neue Wohnungen gebaut werden müssten, wenn man den Gesamtplan bis 2015 erfüllen wolle.

GAG-Vorstand Günter Ott, der auch bereits in der Bürgeranhörung im Juni für das Projekt geworben hatte, will am Vorhaben festhalten: "Wir ziehen unseren Antrag, der gut begründet ist, nicht zurück. Natürlich kann der Baukörper auch noch weiter verkleinert werden. Aber irgendwann steht die Wirtschaftlichkeit in Frage", so Günter Ott. Die GAG sehe sich einer so nicht vorhersehbaren Ablehnungshaltung gegenüber. "Wir bleiben aber auch jetzt für sachliche Gespräche offen", sagte Ott. (14.08.2008)


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