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19.07.2008

KölnerLeben - Das Stadtmagazin

Pressespiegel

Wird der Generationenkonflikt herbeigeredet?

Gerhart R. Baum
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Gerhart R. Baum
Der Alltag läuft recht friedlich ab: Viele Ältere nutzen ihre freie Zeit für ein ehrenamtliches Engagement. Viele Jüngere kümmern sich um die Alten, wenn sie Hilfe brauchen. Die meisten Pflegebedürftigen werden so lange wie möglich zuhause versorgt. Doch die Rentenerhöhung hat wieder die Diskussion entfacht: Geraten die Jüngeren durch den wachsenden Anteil der Älteren ins Hintertreffen?

Seit Juli bekommen die Rentner 1,1 Prozent mehr Rente. Für den statistischen "Standard-Rentner" sind das nach 45 Berufsjahren nur 13,05 Euro mehr im Monat. Doch die haben für Aufregung gesorgt: Nach drei Nullrunden sei das zu wenig, klagen viele Rentner und Verbände wie VdK oder DGB angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten.

Das gehe zu Lasten der Jüngeren, kritisieren Wirtschaftsvertreter. "Die Regierung verspricht hier Wahlgeschenke, die mittel- und langfristig auf Kosten der Beitragszahler und Unternehmen gehen", monierte z.B. der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Martin Wansleben im Handelsblatt.

Durch die Rentenerhöhung müssen bis zum Jahr 2012 nach Berechnungen des Rentenexperten Bernd Raffelhüschen 13 Milliarden Euro mehr aufgebracht werden. Denn die laufenden Renten für die nun in den Ruhestand eintretenden geburtenstarken Jahrgänge werden von den Berufstätigen der geburtenschwachen Jahrgänge bezahlt.

Jeder Vierte in Deutschland lebt bereits von staatlichen Renten und Pensionen, dagegen geht nur noch etwa jeder zweite zwischen 20 und 60 Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Ist der Vorwurf also berechtigt, dass Politiker mit der Rentenerhöhung nur die Gunst der älteren Wähler auf Kosten der Jüngeren kaufen wollten? Denn bei der Bundestagswahl 2009 wird die Mehrheit der wahlberechtigten über 60 Jahre alt sein.

Das hält Gerhart Baum für "Blödsinn". Der ehemalige Innenminister der FDP und langjährige Bundestagsabgeordnete verfolgt die Politik mit wachem Interesse. Auf die Wählergunst braucht der Ex-Politiker keine Rücksicht mehr zu nehmen: "Es geht um einen gerechten Anteil der Älteren am Volkseinkommen. Nach dem Krieg haben wir mit aller Kraft wieder aufgebaut. Davon profitieren die Jüngeren."

Dass die außerplanmäßige Rentenerhöhung ein "ungedeckter Scheck" sei, der den Jüngeren "Geld wegnähme", wie FDP-Generalsekretär Dirk Niebel klagt, will Baum nicht gelten lassen: "Das ist eine volkswirtschaftliche Milchmädchenrechnung. Die Älteren konsumieren doch auch und tragen zur Vokswirtschaft bei. Wer weiß heute schon, was in zehn Jahren sein wird? Die Volkswirtschaft hat eine Dynamik, die sich nicht vorraussagen lässt."

Als Ursache künftiger Altersarmut sieht der 72-Jährige "komplexere Ursachen: Die Arbeitswelt hat sich völlig verändert. Die Gefahr einer Übermacht der Alten sehe ich nicht, sondern ein immer stärkeres Auseinanderdriften von Arm und Reich." UK


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