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07.07.2008

Kölnische Rundschau

Pressespiegel

Weltmeister im schrillen Schaulaufen

JuLi-Kreisvize Ron Jatzkowski und Raphael Neugebauer
JuLi-Kreisvize Ron Jatzkowski und Raphael Neugebauer
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JuLi-Kreisvize Ron Jatzkowski und Raphael Neugebauer
Sportliche Party mit Politik und Schlagern: CSD-Parade lockte rund 500.000 Zuschauer

Von Martina Windrat

"Weltmeister im Feiern sind wir schon, jetzt können die Gay Games kommen", ruft Esther Frings und hüpft in vorderster Reihe am knubbelvollen Heumarkt zu Hits, die von Festwagen dröhnen. "Der CSD ist wie Olympia - eine Demonstration von Toleranz, und verdammt sportlich!", so die Lehrerin (32), die sich schon auf die schwul-lesbischen Sportspiele 2010 in Köln freut. Über vier Stunden und vier Kilometer lang bewiesen alle 20 000 Teilnehmer der Parade viel Kondition beim (Schlager) singen, swingen, stöckeln, rocken, radeln über den wohl schrillsten Laufsteg "que(e)r" durch Köln.

Toll, toller, Toleranz: Ob im rosa Bunny-Kostüm aus Plüsch, auf Plateausohlen und mit meterhohem Kopfschmuck oder im T-Shirt mit Turnschuhen: Beim Schaulaufen applaudierten rund 500.000 Zuschauer (laut Veranstaltern des Kölner Schwulen-und Lesbentags Klust) nicht nur mit Blick auf regenbogenbunte Kostüme und fitness-gestählter Körper. Anerkennung galt vielen Gruppen - von Parteien bis Beratungszentren - mit Statements gegen Intoleranz, für volle Gleichberechtigung und Akzeptanz von Schwulen, Lesben und Transgender.

Einen Vorgeschmack auf die Gay Games in Köln lieferten etwa der schwul-lesbische Fußballclub SC Janus und rund 100 Mitstreiter des FC-Köln-Fanclubs "Andersrum Rut-wiess" aus der ganzen Republik mit La-Ola-Wellen (1. Preis Fußgruppe). Pink Poms & Co. feuerten dazu an, Flagge zu zeigen: "Null Toleranz für Null Toleranz". Das Motto griffen viele auf, um Problemfelder etwa in Kirche und Schule aufzuzeigen, darunter die Schwusos der SPD, FDP (mit dabei: Ralph Sterck) und die Grünen. "Das ist ein bisschen wie Karneval", fand Jakob (10), mit seiner Mutter dabei : "Aber anders. Cool!" Geworfen wurden statt Kamelle Kondome, Lollis, Rosen, Infos zur Aids-Prävention. . . Die Mischung aus Fastelovend mit brasilianischem Temperament, Love-Parade und politischer Kundgebung kam auch "toll" bei Karin Jaeger und Helga Schmidt an, beide 70: "Es gilt: Leben und leben lassen." Sie störten sich nicht an einigen, die in Lack und Leder mehr Akzeptanz forderten.

Originelle Paradewagen begeisterten die Jury: Der erste Preis ging an einen Laster unter dem Motto "Toleranz macht schön", der den Zuschauern echte Spiegel vorhielt. "Wir sind extrem zufrieden", bilanzierte Klust-Sprecher Markus Danuser. "Es ist friedlich gelaufen, das Motto gut gelandet und die Botschaft angekommen!" Kommerz und Werbung war mit von der Partie, wobei sich jedoch Firmen wie Sponsor Ford klar zur Vielfalt und Toleranz bekannten. Forderungen gegen Diskriminierung, für Akzeptanz und Miteinander bekräftigen bei der Hauptkundgebung unter anderem Volker Beck (s. Infotext) und Claudia Roth (Grüne), Klust-Vorstand Christian Lang und Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes. Die Parade war Höhepunkt vieler Veranstaltungen, vom Straßenfest bis zur Gala zu Gunsten der Aids-Hilfe.

Esther Frings will nun bei den Gay Games mitmachen, im Marathon: "Aber dafür muss ich noch viel trainieren."


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