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19.06.2008

FDP-Kreisverband Köln

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Was Google nicht findet

Lorenz Deutsch
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Die Stadtbibliothek als Informations- und Bildungszentrum

Von Lorenz Deutsch

Am 20. Mai besuchte der LibAK Medienpolitik der FDP-Köln die Zentralbibliothek der Kölner Stadtbibliothek. Die Kölner Stadtbibliothek ist den meisten Kölnerinnen und Kölnern ein fester Begriff. Man kennt die Zentrale am Neumarkt und vielleicht auch die ein oder andere der 11 Stadtteilbibliotheken. Täglich nutzen im Schnitt 6000 Menschen die vielfältigen Angebote. Und trotzdem kommt diese wichtige kommunale Bildungsinstitution in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich zu kurz. Das wird auch am wenig pfleglichen Umgang mit der Infrastruktur und der Personalausstattung von Seiten der Stadtverwaltung deutlich. Welche Chancen aber mit einer gut aufgestellten Stadtbibliothek verbunden sein könnten, davon konnten sich die Mitglieder des LibAK Medienpolitik der Kölner FDP im Rahmen einer Begehung des gesamten Hauses eindrucksvoll überzeugen.

Begrüßt wurde die liberale Gruppe von den beiden stellvertretenden Direktoren Gabriele Overbeck und Uwe Becker, die einen umfassenden Rundgang durch die Zentralbibliothek am Neumarkt organisiert hatten. Gemeinsam mit der Leiterin der Zentralbibliothek, Gabriele Kunze, führten sie die vielfältigen Themenbereiche und das breite Spektrum unterschiedlicher Medien vor. Schnell wurde klar, dass eine moderne öffentliche Bibliothek längst keine reine „Bücherei“ mehr ist. Zu dem klassischen Informationsträger Buch sind viele andere Speichermedien hinzugekommen, die hier ihren gleichberechtigten Platz finden. Mit dieser Entwicklung reagiert die Stadtbibliothek auf die sich schnell verändernden Bedingungen alltäglicher Mediennutzung. Nicht zuletzt durch die informationellen Möglichkeiten des Internets verändern sich die Aufgaben, Anforderungen und Ansprüche, die heute an eine öffentliche Bibliothek gestellt werden.

Uwe Becker beschreibt dies so: „Es geht weg von der Lieferung punktueller Information hin zur kompetenten Vertiefung eines Themas“. Die Bibliothekare verstehen sich deshalb heutzutage auch eher als „Informationsmanager“, deren zentrale Aufgabe die Vermittlung von Medienkompetenz ist. Viel Energie verwendet das Haus deshalb auch auf die Verfügbarmachung digitaler Recherchemöglichkeiten. So eröffnet die Mitgliedschaft in der Stadtbibliothek jedem Nutzer den Zugang zu vielen Datenbanken und Rechercheportalen, die sonst nur professionellen Nutzerkreisen wie Journalisten und/oder Wissenschaftlern zugänglich sind. Für diese oft sehr kostspieligen Lizenzen zahlen sich die institutionellen Einbindungen der Kölner Stadtbibliothek in Bibliotheksverbünde aus. Für interessierte Nutzerinnen und Nutzer werden Kurse angeboten, deren Vorteile schon im Titel deutlich werden: „Was Google nicht findet“.

Konsequenterweise sind inzwischen viele Services der Bibliothek bequem von zu Hause aus nutzbar, sogar die Ausleihe - und zwar als e-Ausleihe. Im Netz stellt die Stadtbibliothek inzwischen zahlreiche elektronische Dokumente zur Verfügung. Hierfür werden Lizenzen für die Anzahl der Exemplare und die Nutzungsdauer erworben und entsprechend zur Verfügung gestellt. Über DRM (Digitales Rechte-Management) sind die Nutzungsrechte genau definiert. Kein Download also, sondern richtige Entleihe - allerdings auf dem persönlich genutzten heimischen Computer.

Förderung von Medienkompetenz beginnt aber schon bei den ganz Kleinen. Im Leseclub für Kinder wird die Lese- und die Schreibfähigkeit mit vielen kreativen Ideen spielerisch gestärkt. Auch viele ältere Schülerinnen und Schüler kann man an den Nachmittagen an den ca. 100 Tischen beobachten, die im ganzen Haus verteilt sind. So hat sich die Stadtbibliothek zu einem sehr lebendigen Lernort ohne soziale Eintrittsbarrieren entwickelt, der mit seinen vielen Angeboten gerade auch Kindern mit Migrationshintergrund einen Ort für konzentriertes Lernen und einen Freiraum für ihre ganz persönlichen Entwicklungsinteressen und Entfaltungswünsche bietet.

Auch mit der Eröffnung des „Kölner Hauses der Autoren“ soll diese Entwicklung zum sozial integrativen Lernort weiter vorangetrieben werden. Dieses spannende Projekt wurde den Kölner Liberalen von Viktor Böll vorgestellt, dem Leiter des Heinrich-Böll-Archivs. Er führte zunächst auf die Baustelle im zweiten Stock, wo die ehemaligen Räume der VHS frei geworden sind. Eigentlich sollte die neue Institution schon mit Ausstellungen und Lesungen eröffnet haben. Aber die langen Wege und bürokratischen Hemmnisse der Kölner Stadtverwaltung haben inzwischen so erhebliche Verzögerungen verursacht, dass man schon viel Phantasie in den Rohbauzustand investieren muss, um die Vision zu erkennen. Dabei half allerdings ein liebevolles Modell, mit dessen Hilfe Viktor Böll die Pläne veranschaulichen konnte. Für die Literaturstadt Köln wird diese Institution eine große Bereicherung sein. Hier ist der Handlungsbedarf für Köln unverkennbar. Es wird allerhöchste Zeit, dass dieses Projekt jetzt innerhalb kürzester Zeit zum Erfolg geführt wird.

Noch viele weitere Themen und Entdeckungen wurden während des rund dreistündigen Ortstermins besprochen bzw. gemacht: so beispielsweise der bevorstehende Umzug der Germania Judaica, der größten Fachbibliothek zur jüdischen Geschichte in Deutschland, die ebenfalls unter dem Dach der Zentrale am Neumarkt angesiedelt ist. Oder die überraschende Entdeckung eines Übungsraumes, in dem sich ein Stutzflügel aus dem Hause Steinweg befindet, der gegen eine Stundengebühr von € 2,50 für Proben genutzt werden kann.

Schließlich wurden aber auch Probleme angesprochen: so leidet die Bibliothek nachhaltig an den Konsolidierungsbeiträgen zum Haushalt, die 2003 geleistet werden mussten. Acht Vollzeitstellen sind damals gestrichen worden. Kürzungen der Öffnungszeiten und die Stilllegung der Bücherbusse waren die Folge. Immerhin ein Bus wurde vom Freundeskreis der Stadtbibliothek wieder ins Rollen gebracht. Seit kurzem wird er wieder von der Stadt betrieben. Aber die Stadtteilbibliotheken leiden immer noch, weil nur vier Öffnungstage im Wechsel möglich sind. Als dringlichsten Wunsch an Verwaltung und Politik formuliert Gabriele Overbeck deshalb auch: „Wir würden gerne den rollierenden Schließtag der Stadtteilbibliotheken wieder abschaffen, um dort regelmäßig fünf Tage erreichbar zu sein“.

An Nachfrage, insbesondere durch Familien mit Kindern mangelt es in den Stadtteilen nicht. Helfen würde auch eine größere Selbstständigkeit gegenüber den komplizierten Entscheidungswegen innerhalb der Stadtverwaltung. Als sogenannter „Leistungsbetrieb“ war man vor Jahren schon einmal unabhängiger. Allerdings ist dieser Impuls in Richtung mehr institutionelle Verantwortung vor Ort dann wieder rückgängig gemacht worden, um den Betrieb durch zentrale Dienstleistungen zu entlasten. „Heute wären wir gerne wieder Leistungsbetrieb“ sagt dazu Uwe Becker. Klarer könnte sich für die liberalen Kommunalpolitiker am Ende dieses informativen Besuchs der Handlungsauftrag für konkrete politische Initiativen kaum abzeichnen.


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