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16.06.2008

Kölner Stadt-Anzeiger

Pressespiegel

"Mutig und wegweisend"

Michail Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher
Michail Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher
Michail Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher
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Michail Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher
Bürgergesellschaft Thielenbruch zeichnet Michail Gorbatschow aus

Den Regierenden der Welt empfahl der engagierte russische Politiker "Mut und Charakter".

Von Emmanuel van Stein

Petrus weiß offenbar, was sich gehört: Wohlwollend schob er am Samstagnachmittag die Wolken ein Stückchen zur Seite, als Michail Gorbatschow (77) im rechtsrheinischen Köln von der Bürgergesellschaft Thielenbruch der "Orden für Zivilcourage und Charakter" verliehen wurde. Hausherr Jan Patzer, in dessen weitläufigem Garten mehrere Hundert Gäste zusammengekommen waren, hatte in Anbetracht der Wetterlage sicherheitshalber zwei Kerzen in St. Joseph und St. Norbert aufgestellt. Mit Erfolg.

Nach Soziologieprofessor Erwin Scheuch und Hanns Schaefer, dem Vorsitzenden des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins, Bischof Karl Lehmann und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Friedrich Merz wurde nun der ehemalige sowjetische Staatschef und Friedensnobelpreisträger des Jahres 1990 als fünfter Ordensträger in einem würdigen Rahmen geehrt.

Zwei Jahre Vorbereitung seien notwendig gewesen, berichtete Klaus Herre, Vorsitzender der Bürgergesellschaft Thielenbruch, um dem Willen der Thielenbrucher Bürger zu entsprechen und Gorbatschow den Orden in Anerkennung für seine "herausragende und mutige Haltung und sein wegweisendes, historisches Handeln zur Wiedererlangung der deutschen Einheit sowie des Weltfriedens" überreichen zu können. Glücklich bilanzierte Herre: "Wir sind nicht einmalig, aber einzigartig."

In seiner Laudatio betonte Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher: "Überall in der Welt vergisst niemand, was du geleistet hast. Was heute geschieht, ist etwas Besonderes, nämlich eine Ehrung durch die Bürger." Fast auf den Tag 19 Jahre nach der Unterzeichnung der deutsch-sowjetischen Erklärung rühmte Genscher, dass sein Freund Gorbatschow "Mut, Weitsicht und Verantwortung" bewiesen habe. Dass er seinerzeit die "Abrüstung der Feinbilder" vorgeschlagen habe, müsse man als "historische Leistung" bewerten. Dabei sei ihm "viel Misstrauen entgegengeschlagen, wo Vertrauen nötig gewesen wäre".

Gorbatschow, der in Begleitung seiner Tochter und seines Schwiegersohns von Moskau nach Köln gereist war, zeigte sich von der Auszeichnung und von der Veranstaltung beeindruckt, die streckenweise hochemotional war. "Dieser Orden ist der erste, der mir von Bürgern gestiftet wurde", sagte er. Und wahrscheinlich auch der originellste, den er je erhalten hat: Die silberne Medaille ruht nämlich in einer Schatulle, die aus dem Holz eines rund 20 Millionen Jahre alten Stamms gefertigt wurde.

In seiner Dankesrede, die Petrus zum Schluss dann doch mit ein paar Regentropfen segnete, beklagte der immer noch sehr engagierte Politiker, manche Chance, die mit dem Ende des Kalten Kriegs verbunden war, sei nicht genutzt worden. Den Regierenden empfahl er, sich bei ihren Entscheidungen "durch Mut und Charakter" auszuzeichnen.

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