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24.05.2008

Deutsch-Russische Zeitung

Pressespiegel

Bürger mit großem Potential

Ralph Sterck, MdR
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Spätaussiedler in der Rheinmetropole Köln
Interview mit dem Fraktionsvorsitzenden der Kölner FDP Ralph Sterck.

Die Zahl der Spätaussiedler wird auf ca. 4 Millionen geschätzt. Das sind ethnische Deutsche, die in den 80/90er Jahren des 20. Jahrhunderts aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion zurück in die Heimat gekommen sind, aus der sie ursprünglich abstammen.

Bis Anfang der 60er Jahre durften die Russlanddeutschen ihre Sondersiedlungen in der Sowjetunion nicht verlassen. Erst Mitte der 80er Jahre wurde es ihnen ermöglicht, nach Deutschland zu emigrieren.. Mit dem politischen Umbruch in Osteuropa und der Auflösung der Sowjetunion stieg die Aussiedlerimmigration nach Deutschland stark an und war von tiefen Veränderungen der soziodemographischen Struktur dieser Zuwanderungsgruppe begleitet. Wie aus den Statistiken für das gesamte Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu ersehen ist, waren es in den 90er Jahren rund 1,63 Millionen Russlanddeutsche, die aus dem gesamten Gebiet der Sowjetunion aussiedelten. Im Jahre 2000 befanden sich in Deutschland unter den insgesamt 7,3 Millionen Ausländern etwa 3 Millionen russlanddeutsche Aussiedler.

Seit Anfang der 90er Jahre nahmen die sozialen und wirtschaftliche Probleme in Deutschland allgemein zu, gleichzeitig stieg auch die Zahl der Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Unter diesen Umständen hatte man das Gefühl, dass die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung zur Aufnahme und Akzeptanz der Aussiedler sank. Einer der Störfaktoren bei der Integration der Russlanddeutschen in ihre deutsche Heimat ist die Verbreitung stereotyper Bilder der Spätaussiedler in den Medien und in der deutschen Gesellschaft. Während der Arbeit an meinem Buch „Russland – alter Freund mit neuem Gesicht“, in dem es um die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland geht, unter anderem auch um die Integration und die Rolle der Russlanddeutschen als Kulturvermittler zwischen beiden Ländern, hatte ich die Möglichkeit, mich mit Vertretern unterschiedlicher Organisationen, Parteien und Verbänden zu unterhalten. Ich stellte fest, dass die Bereitschaft, sich zu integrieren auf Seiten der Russlanddeutschen höher ist als vermutet, ebenso aber herrscht ein nicht zu übersehendes Interesse der Einheimischen an den Russlanddeutschen.

Schritte der Integration und des Dialogs im Kölner Stadtbezirk Chorweiler.

Die Stadt Köln gilt in Deutschland als die internationalste, liberalste und toleranteste Stadt. In der Rheinmetropole gibt es ca. 40 Tausend russlanddeutsche Bürger. Es gibt eine ganze Reihe von Projekten, sowohl von Seiten der Stadt Köln, als auch von Initiativgruppen und Vereinen, mit dem Ziel der Integration der Spätaussiedler. Am Rande der Stadt Köln befindet sich Chorweiler – ein Stadtteil, der von der Stadtverwaltung als Problemgebiet angesehen wird und von den Einheimischen als russisches Ghetto empfunden wird. Der größte Teil der Einwohner von Chorweiler besteht aus zugezogenen, ausländischen Bürgern und überwiegend aus Russlanddeutschen. Die neuankommenden Aussiedler richten ihr Zuhause vorzugsweise neben den bereits Eingewanderten ein. Sich einer anderen Kultur, anderen Gewohnheiten einer anderen Sprache bewusst auszusetzen, ist tatsächlich eine schwierige Aufgabe.

Es gibt Vereine und Verbände in Chorweiler, die aus eigenen Kräften versuchen, zur Integration und zum Kulturaustausch beizutragen. Ein solcher Verein ist z.B. IRWA – Verband zur Integration russischsprachiger Wissenschaftler und Akademiker. Dr. Flick, der Chef des Vereins, und seine Mitarbeiter habe es sich zur Aufgabe gemacht, die breiten Massen der neuen Mitbürger aus der ehemaligen UDSSR politisch aufzuklären, allgemein zu informieren und bei der kulturellen Vermittlung zwischen Russlanddeutschen und Einheimischen mitzuhelfen.

Ein weiteres Beispiel für kleinere Integrationsgruppen sind die literarischen und kulturellen Verbände, die sich regelmäßig treffen, um mehr voneinander zu erfahren, zu lernen und die multikulturelle Gesellschaft zu bereichern. Dazu zählt die ‚Literarische Stube’ der Dichterin Natalia Gerhard. Sie verfasst Gedichte und Erzählungen sowohl auf Russisch als auch auf Deutsch, organisiert seit einigen Jahren in ihrer kleinen Wohnung in Chorweiler literarische Treffen, zu denen alle Interessierten eingeladen sind, einheimische Deutsche, wie auch Russlanddeutsche, und alle, die sich für russische und deutsche Literatur und Kultur interessieren.

Woher kommt die dennoch sichtbare politische Passivität oder eher Gleichgültigkeit bei der Mehrheit der im Ghetto lebenden? Ist die Stadt Köln tatsächlich bereit, sich mit Problemen der Russlanddeutschen ausreichend zu beschäftigen, und was wird in dieser Richtung gemacht?

Diese Fragen habe ich dem Mitglied im Hauptausschuss und im Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Köln und Fraktionsvorsitzenden der Kölner FDP, Herrn Ralph Sterck, gestellt:

Herr Sterck, zuerst erlaube ich mir, Ihnen zur Nominierung als Kandidat für die nächste Wahl des Oberbürgermeisters der Stadt Köln zu gratulieren. Was können Sie als Fraktionsvorsitzender der Kölner FDP und Mitglied im Hauptausschuss und im Stadtentwicklungsausschuss zu den Problembezirken in Köln sagen, zu der sogenannten Ghettoisierung, wie es z.B. in Köln-Chorweiler der Fall ist?

Stadtteile, in denen größten Teils Vertreter nur einer nationalen Minderheit leben, ist tatsächlich ein Problem. Man darf nicht – wie viele Politiker es machen – dieses Problem nur in Bezug auf unsere russisch-sprachigen Mitbürger sehen. Wir sollen ehrlich sein und sagen, dass dies auch bei anderen Nationalitäten der Fall ist. In der Zeit, in der die Stadtverwaltung in Köln über Toleranz spricht, fragen wir Kölner Liberale uns, welche Gründe es gibt. Warum versuchen die neuen Mitbürger neben ihren ehemaligen Landsleuten zu wohnen? Die Toleranz, von der Politiker anderen Parteien so viel sprechen, sollten sie lieber zeigen.
Die Kölner FDP und ich waren die wenigen, die z.B. bei der Frage nach dem Bau der Moschee in Köln ein definitives JA gesagt haben. Wir reden über die Toleranz nicht und lassen keine Jahrzehnte vergehen, bis Toleranz von sich selbst oder aus irgendwelchen Zauberkräften kommen wird. Unsere Mitbürger aus der Türkei leben seit Jahrzehnten hier in Deutschland, sie arbeiten und leben hier, deswegen haben sie das Recht, ihre Gotteshäuser hier zu haben.
Bei den Russlanddeutschen muss man leider eine gewisse politische Passivität konstatieren. Russlanddeutsche sind universale Menschen, sie sind von zwei Kulturen geprägt, von der russischen und deutschen, sie sprechen mindestens zwei Sprachen, Deutsch und Russisch, das sind Menschen mit großem Potential. Nur zusammen werden wir Probleme erkennen und versuchen, sie zu lösen. Wir Liberale in Köln sind offen für Diskussionen und laden unsere russisch-sprachigen Mitbürger zum Dialog und zur Zusammenarbeit ein.

Seit ein paar Jahren beobachten wir einen Prozess der Remigration. Russlanddeutsche kehren zurück nach Russland, Kasachstan, etc. oder fahren weiter z.B. nach Kanada. Womit hat das Ihrer Meinung nach zu tun?

Unsere Partei, im Unterschied zu anderen Partein in Deutschland, ist liberal und tolerant gegenüber allen Minderheiten eingestellt, ob es um die Russlanddeutschen oder andere Migranten aus der ehemaligen UDSSR geht, oder ob es um Türken oder unsere anderen Mitbürger nicht-deutscher Abstammung geht.
Unsere Regierung muss mehr für die Integration der Spätaussiedler tun. Es wird viel zu oft von Integration gesprochen auf allen Ebenen. Ich rede von der Gleichheit: gleiche Chancen für Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, unabhängig von nationaler, religiöser oder sexueller Zugehörigkeit. Gleiche Chancen z.B. in der Schulausbildung. Ein großes Problem, das zu der Zweiklassen-Gesellschaft führt, sind unsere Schulen. Eltern, die sich für ihre Kinder keinen Nachhilfeunterricht leisten können, müssen ihre Kinder in eine Schule niedrigerer Stufe gehen lassen. Und das ist leider sehr oft der Fall bei den Kindern, die aus Migrantenfamilien kommen.
Bei uns hier in Köln wird sehr viel dafür gemacht, damit Menschen aus anderen Ländern, die sich für Deutschland als neue Heimat entschieden haben, sich hier tatsächlich wie zu Hause fühlen. Als Mitglied des Rates versuche ich alles Mögliche zu unternehmen, damit Köln seinen Ruf als internationalste und toleranteste Stadt Deutschlands weiter behält. Und bei der Frage der Russlanddeutschen möchte ich betonen, dass dies Menschen deutscher Abstammung sind, die hier zurück nach Hause gekommen sind, und sie herzlich willkommen heißen.


Hier geht es zu weiteren Meldungen und Initiativen der FDP zum Thema Integration.

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