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15.05.2008

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Pressespiegel

Stadtbild Köln oder Warum es seit Jahren 15.00 Uhr in der City ist

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Von Bernd Schöneck

Seit kurzem ist es nicht mehr 15.00 Uhr in der City: Die Uhr am Rudolfplatz, die über Jahre die ewig gleiche Zeit anzeigte (und wohl vielen Passanten einen Schrecken eingejagt hat), ist Geschichte. Nachdem über Jahre nichts passierte und keiner für die defekte Zeitanzeige zuständig sein wollte, hat sich die Stadt ein Herz gefasst und das Display auf der Gebäudeinsel an den Straßenbahnschienen abmontiert.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt, welcher dennoch symptomatisch für den Kölner Umgang mit dem Stadtbild steht. Denn an vielen Orten in der Innenstadt – mitten im touristischen Zentrum, mithin die wichtigste Visitenkarte Kölns – scheint die Zeit immer noch stehengeblieben zu sein.

Täglich bevölkern Tausende Menschen das Areal vor dem Portal der Kathedrale, den Roncalli- und Bahnhofsvorplatz. Doch nur hundert Meter Luftlinie vom Dom entfernt bietet sich ein anderes Bild: „Un-Orte“ – Orte, die nicht zum Verweilen einladen, sondern möglichst schnell durchquert werden wollen, finden sich zuhauf. Die tote Steinwüste Mariengartengasse – zwischen Nord-Süd-Fahrt und Domportal –, Sporergasse – die dunkle WDR Garagenzufahrt zwischen Roncalliplatz und Musicstore-Parkhaus, inklusive zwielichtigem Etablissement –, ganz zu schweigen vom Bahndammtunnel zwischen Dom und Rheinufer – wo einem Uringeruch und Taubendreck erwartet. Wohl dem ausländischen Bustouristen, der sich nicht in diese Ecke der Altstadt verläuft. Ähnlich ein paar hundert Meter weiter auf Schildergasse und Hohe Straße: Wer zu früh von zwei der höchstfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands abbiegt, den erwartet Lagerhallen-Atmosphäre, Leerstand und Tristesse.

Anfang September veröffentlichte Fritz Schramma seinen Plan für den Vorplatz der Kathedrale: Essen und Trinken, insbesondere auf den Stufen der 2005 eingeweihten Treppe soll demnächst nicht mehr erlaubt sein – angeblich wegen der damit verbundenen Verschmutzungen des Domvorplatzes. Die Wellen der Empörung schlugen hoch – lädt doch gerade die Weitläufigkeit der Anlage Touristen, Durchgangsreisende, Berufstätige und Schulklassen auf Besichtigungstour zu einer kurzen Rast ein und gibt dem Platz etwas Flair. Wo es doch ansonsten kein großes Angebot an Sitzplätzen im Umkreis gibt.

Während die Stadtverwaltung also ihr ganzes Augenmerk auf wenige Highlights im Stadtbild setzt, verlottert die Fläche. Viel zu viele unattraktive, dreckige und gesichtslose Straßenzüge und Plätze gibt es selbst im Umkreis des Doms und Rheinufers. Immer noch nicht durchgesetzt hat sich ein planerisches Bild, das die City als Gesamtaufgabe sieht. Als einen zentralen Ort, der inmitten des Trubels dennoch kleine Inseln hat, die zu einem kurzen Stopp einladen. Mehr belebte Plätze mit mediterran-leichtem Flair könnten die Innenstadt ergänzen – diese wäre nicht mehr nur eine Sammlung von touristischen Anlaufstellen, die losgelöst von ihrer direkten Umgebung im Raum stehen.

Mit ein wenig Anstrengung kann also bereits viel bewegt werden: Mehr Licht an dunklen Ecken, Begrünung von Betonwüsten – und den Mut zu mehr Außengastronomie auf momentan toten Plätzen. Auch eine bessere Kanalisierung des Durchgangsverkehrs kann hässliche Ecken beleben. Ein positives Beispiel ist die neu gestaltete Straßenführung rund um den Hauptbahnhof. Die Kappung der Auffahrt auf den Bahnhofsplatz hat dem Areal mehr Ruhe gegeben. Ähnlich positiv wirkt sich die Verlegung der Nord-Süd-Fahrt unter die Erde aus – sollte sie irgendwann einmal Wirklichkeit werden.

Für die Kölner Innenstadt mag es zwar noch längst nicht fünf vor zwölf sein. Aber an vielen Ecken ist es seit Jahren 15.00 Uhr.

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