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28.05.2008

KölnLiberal

Pressespiegel

Die faire Gesellschaft

Volker Görzel, Mitglied der Bezirksvertretung Innenstadt
Volker Görzel, Mitglied der Bezirksvertretung Innenstadt
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Volker Görzel, Mitglied der Bezirksvertretung Innenstadt
In wahlkampflosen Zeiten rückt in der Politik erfahrungsgemäß das Grundsätzliche in den Vordergrund. Grundsatzprogramme und Thesen haben Hochkonjunktur. Seit einiger Zeit hoch im Kurs steht dabei der Begriff der „gerechten“ oder der „fairen“ Gesellschaft. Je nach politischer Couleur werden dabei freilich unterschiedliche Akzente gesetzt.

Von Volker Görzel

Im Magazin GEO wurde nun von einer wissenschaftlichen Studie in Zürich berichtet, die sich mit der Frage nach Fairness mittels Experimenten gemäß der sog. Spieltheorie auseinandersetzt.

So erhielten die Teilnehmer der Studie im ersten Spiel ein Budget von jeweils 100 EUR mit der Auflage, einem fremden Mitspieler davon etwas abzugeben. Wieviel stand im freien Ermessen des Gebenden. Allerdings gab es eine Bedingung: Nur wenn der Beschenkte das Angebot annimmt, darf jeder seinen Betrag behalten. Ansonsten ist für beide alles verloren.

Dabei kam Erstaunliches heraus: Die Mehrheit der Teilnehmer bot dem Mitspieler genau 50 EUR an. Offenbar wollte sich keiner der Gebenden ins eigene Fleisch schneiden und dem Mitspieler einen zu geringen Betrag anbieten, den dieser am Ende ausschlägt.

Folgerichtig wurden Angebote über „nur“ 20 EUR auch von fast allen Mitspielern abgelehnt.

In der zweiten Runde hat dann ein Computer und nicht mehr ein Mensch, bei gleichbleibenden „nimm oder stirb“ Bedingungen, ein Angebot von „nur“ 20 EUR gemacht. Erstaunlicherweise akzeptierten nun plötzlich 80 % das Angebot der Maschine – das vorher beim Menschen noch mehrheitlich abgelehnt wurde.

Danach kam das sog. „Öffentliche- Gut-Spiel“ an die Reihe. Dabei ging es darum, dass sich untereinander fremde Spieler von ihrem Budget einen Teil in einen Gemeinschaftstopf investieren. Die eingezahlte Summe wird dann vom Spielleiter verdoppelt und anschließend auf alle verteilt – egal wieviel der Einzelne beigesteuert hat. Im Test kam heraus: Die Mehrheit hatte wiederum freiwillig die Hälfte des individuellen Budgets zur Verfügung gestellt. Allerdings hat ein Drittel gar nichts beigesteuert – also nur profitiert.

Die Reaktion der Mehrheit: In der nächsten Runde verweigerten alle die Zahlung – der Topf blieb leer. Sie vertrauten wohl der Gruppe nicht mehr.

Also alles eine Frage der Kontrolle? Mitnichten, denn im letzten Spiel erhielten die Teilnehmer 120 EUR. Was immer der Teilnehmer abgibt wird vom Spielleiter verdoppelt. Aus einer 40 EUR-Schenkung macht der Spielleiter 80 EUR – beide Spieler sind dann gleich reich. Genau so entschied sich übrigens die Mehrheit.

In der zweiten Runde gab es allerdings eine Abänderung: Der Spielleiter konnte eine Mindestsumme vorschreiben, die herauszugeben war. Nun das Ergebnis: Bereits bei der Mindestabgabe von nur 10 EUR gab die Mehrheit nur noch 10 EUR und keinen Cent mehr – obwohl sie zuvor noch bereit gewesen war, freiwillig das Vierfache zu zahlen.

Nach Auffassung der Wissenschaftler benötigt Fairness wohl die Überzeugung, wonach jeder seinen Beitrag leistet. Und weiter: Vertrauen und Gemeinsinn erfordern das Prinzip der Gegenseitigkeit.

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