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28.03.2008

Kölner Stadt-Anzeiger

Pressespiegel

Der Zauber des Kandidaten

Dr. Werner Hoyer, MdB aus Köln
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Diskussion im studio dumont über Obama - Profitiert McCain vom Duell bei den Demokraten?

Der frühere US-Botschafter John Kornblum hält Barack Obamas außenpolitische Linie für naiv.

Von Tobias Peter

Köln - Kann ein Mann Schwarz und Weiß gleichermaßen gewinnen, Europa mit Amerika versöhnen - und nebenbei die US-Soldaten aus dem Irak abziehen, ohne dass es dort endgültig zur Katastrophe kommt? Viele setzen in Barack Obama Erwartungen, als sei er ein Zauberer. "Obama - das Prinzip Hoffnung: Chance für einen neuen transatlantischen Brückenschlag?" Unter dieser Fragestellung moderierten die Chefredakteure von Deutschlandfunk und "Kölner Stadt-Anzeiger", Dieter Jepsen-Föge und Franz Sommerfeld, ein Streitgespräch im studio dumont. Die Diskutanten: der Bonner Politikprofessor Christian Hacke, der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, und der Ex-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer. Die mehr als 200 Zuhörer nahmen rege mit Fragen und Statements teil.

Zu Beginn herrscht der Überschwang: Hacke begeistert, Hoyer begeistert. "Obama ist ein Publikumsmagnet. Er kann mit klugen Worten Emotionen wecken", schwärmt der FDP-Politiker Hoyer. Auch Kornblum - der Obamas Konkurrentin Hillary Clinton unterstützt - räumt ein, es sei nicht übertrieben, Obama in der Außenwirkung mit John F. Kennedy und Martin Luther King zu vergleichen.

Doch das ist es dann erst mal an Lob vom früheren Botschafter. Er sieht in Obama nicht den Magier, der ein echtes Kaninchen aus dem Hut zaubern könnte. Aber eben jemanden, der rhetorisch den Eindruck erwecken kann, er hätte diese Fähigkeit. Die außenpolitische Linie des Senators sei naiv, ätzt er. Kornblum sieht Parallelen zum früheren US-Präsidenten Jimmy Carter, dessen idealistische Menschenrechtspolitik als gescheitert gilt. "Obama legt nicht genug Gewicht auf die harten Seiten des Lebens", meint Kornblum. Übersetzt heißt das: Obama nimmt die Rolle des Militärs nicht wichtig genug.

Hacke widerspricht vehement, argumentiert, Obama habe zwar wenig Erfahrung, aber viel politischen Instinkt. "Obama agiert auch unter Druck anmutig und elegant", sagt er. Hoyer, der zum "Super Tuesday" mit Vorwahlen in 24 Bundesstaaten in den USA war, berichtet voller Bewunderung von den vielen jungen Menschen in Obamas Team: "Die sitzen an ihren Laptops, werben Spendengelder ein - und mobilisieren Menschen, die sich vorher gar nicht für Politik interessiert haben."

John Kornblum nickt zustimmend. Er sieht hier aber weniger ein Verdienst Obamas als die Überlegenheit der amerikanischen Demokratie. "Bei uns ist es auch deshalb so offen und aufregend, weil wir keine richtigen Parteien haben, keine großen Apparate", erklärt er. Die Parteien formierten sich als Wählergemeinschaften für die Wahlkämpfe immer neu. "Politik wird in Amerika als Volkssport betrieben", meint Kornblum. Das bringe eine Dynamik in den Prozess, die in Deutschland fehle. Vom deutschen Politiker Hoyer wäre an dieser Stelle der Debatte eigentlich ein Einspruch zu erwarten, der jedoch ausbleibt.

Ist ein Charismatiker wie Obama vielleicht sogar in der Lage, mit seinem Vorbild die deutsche Politik zu einem Aufbruch anzuregen? "Im ersten Moment wollte ich laut rufen: Schnapsidee! Mit unserem mittelmäßigen politischen Personal geht das nicht", antwortet Hacke. Doch auch Kennedy habe europäische Politiker inspiriert, fügt er hinzu.

Für so viel Zauberei müsste Obama natürlich erst mal die Wahl gewinnen. Die drei Experten gehen davon aus, dass Obama sich im Streit um die Kandidatur der Demokraten gegen Hillary Clinton durchsetzen wird. Doch keiner ist sich sicher, ob Obama gegen den Republikaner John McCain gewinnen kann. Hacke: "Die Tragik könnte sein, dass sich am Ende ein Teil der weißen demokratischen Wählerschaft für John McCain entscheidet und damit Obamas Niederlage besiegelt."

Dennoch nährt kein Kandidat so sehr wie Obama die Hoffnung, dass nach George W. Bush die Harmonie zwischen den USA und Europa wieder wächst. Hoyer: "Es geht gar nicht so sehr darum, wer die erste und wer die zweite Geige spielt. Entscheidend ist, wieder eine gemeinsame Melodie zu finden."

Womöglich wären das zauberhafte Klänge. Mit oder ohne Obama.


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