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17.02.2008

jung & liberal

Pressespiegel

Bundeswehreinsätze im Ausland

Torsten Tücks
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Torsten Tücks
Nicht die Symptome bekämpfen, sondern die Ursachen

Von Torsten Tücks

Immer wieder musste sich die Bundeswehr seit ihrem 52-jährigen Bestehen an veränderte Bedingungen anpassen. War in früheren Jahren der Ost-West-Konflikt des Warschauer Pakts bestimmend für die Ausrichtung der Bundeswehr, so sieht sich die Bundeswehr heute mit vielfältigen neuen Herausforderungen konfrontiert.

Die im Zuge der Globalisierung entstandenen wirtschaftlichen erflechtungen zwischen den Ländern enkten die Gefahr der Kriegserklärung ines Landes an ein anderes erheblich. pätestens seit den Anschlägen vom 11. eptember in New York und Washington urde jedoch offensichtlich, dass heute andere Gefahren den Weltfrieden edrohen: ProIiferation, internationaler Terrorismus, ethnische und/ oder religiöse Konflikte, Migration und organisierte Kriminalität.

Um diese Konflikte zu lösen, wird immer wieder die Rolle der Bundeswehr diskutiert. Groß ist die Zahl derer, die fordern, die Bundeswehr solle sich verstärkt auf ihre Rolle als Interventionsarmee konzentrieren. Unstrittig ist, dass Deutschland seinen Beitrag zum Weltfrieden leisten soll. Jedoch werfen die jüngsten Ereignisse am Hindukusch auch Fragen auf. Rund 3000 deutsche Soldaten sind derzeit in Afghanistan stationiert. Die politische und ökonomische Situation ist nach wie vor schwierig. Immer wieder werden bei Terrorattentaten und Selbstmordanschlägen sowohl Soldaten wie auch Zivilisten verletzt oder getötet. Die Haltung der Bevölkerung gegenüber den ausländischen Einsatzkräften divergiert in hohem Maße.

Wichtig ist es zu sagen, dass es bei dem Afghanistaneinsatz nicht um Land geht, sondern um Menschen. Wiederherstellung eines friedlichen Alltags für die Zivilbevölkerung hat oberste Priorität. In diesem Zusammenhang sollte das Verhältnis von Militär und zivilen Organisationen überdacht und neu definiert werden. Operierten beide bislang eher unabhängig und autark, so könnte zukünftig eine stärkere Verzahnung dieser beiden Akteure zu einer spürbaren Verbesserung der Lage führen. Jedoch muss man auch individuelle Aspekte vor Ort stärker als bisher in die Überlegungen mit einbeziehen. Kulturelle Unterschiede spielen hier ebenso eine Rolle wie auch Sprachbarrieren und generelles Misstrauen.

Generell gilt, der Erfolg eines solchen Einsatzes kann in seiner Ganzheit nur langfristig Erfolg haben, wenn es gelingt, die Ursachen der Probleme zu lösen. Durch alleiniges Bekämpfen der Symptome kann eine nachhaltige Demokratisierung nicht erreicht werden. Vielmehr muss es darum gehen ein Netzwerk aufzubauen, das sich dem Ziel der Stabilität und Freiheit verpflichtet sieht. Ein isoliertes Vorgehen des Militärs führt dazu, dass – von Partikularinteressen Dritter beeinflusst – ausländische Militärs weiter die Gewalt anziehen. Diese Zusammenarbeit sollte ausdrücklich auch den intensiven Kontakt zu Vertretern der Zivilbevölkerung suchen. Hierbei muss ein von Vertrauen und gegenseitigem Respekt bestimmtes Klima geschaffen werden, dass die Grundlage für ein gemeinsames Ziel liefert. Stärker als bisher sollten sowohl die Mitarbeiter von internationalen Hilfsorganisationen als auch die Bundeswehrsoldaten auf einen solchen Einsatz vorbereitet werden. Neben den fachlichen Kenntnissen wären hier auch ein speziell auf die kulturellen Besonderheiten der Region ausgerichtetes Training und erste Sprachkurse wünschenswert.

Nur wenn es uns gelingt, die Menschen in den Krisengebieten als Partner und Freunde zu betrachten, werden Interventionen aus dem Ausland auch als das an- und wahrgenommen was sie wirklich sind, Hilfe.


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