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22.12.2007

FDP-Kreisverband Köln

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Unsichere Zukunft für Kölner Datenspeicher

Das Gebäude des ehemaligen Historischen Archivs am Gereonskloster
Das Gebäude des ehemaligen Historischen Archivs am Gereonskloster
Das Gebäude des ehemaligen Historischen Archivs am Gereonskloster
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Das Gebäude des ehemaligen Historischen Archivs am Gereonskloster
Arbeitskreis Medienpolitik im Historischen Archiv

Von Wolfgang Baumann

Bei einem Außentermin Ende November gewann die Große Fraktion schon einen ersten Einblick in die neuen Aufgaben und Probleme des Historischen Archivs der Stadt Köln. Nun bot sich bei einem schon länger geplanten Außentermin des FDP-Arbeitskreises Medienpolitik unter Vorsitz von Wout Nierhoff die Gelegenheit für einen weiteren Einblick. Die leitende Archivdirektorin, Dr. Bettina Schmidt-Czaia, und der stellvertretende Archivleiter, Dr. Ulrich Fischer, erklärten dabei nicht nur die veränderte Arbeit des Archivs in digitalen Zeiten. Sie wiesen insbesondere auf die drängenden Probleme hin, die sich durch die Archivierung der digitalen Datenbestände ergeben.

Der, so Dr. Schmidt-Czaia, „zentrale Datenspeicher der Stadtverwaltung Köln“ ist einer der größten seiner Art in Westeuropa. Er enthält eine Fülle von Dokumenten vieler prominenter Kölner Persönlichkeiten, zum Beispiel aus Politik oder Kultur. Allerdings wird dieser Speicher nicht mehr lange am bisherigen Ort bleiben können. Neben zunehmender Platznot und Problemen bei der sachgerechten Lagerung der Dokumentenbestände unter den richtigen Temperaturen, erfordern auch zunehmende Sicherheitsprobleme des alten Gebäudes einen baldigen Umzug.

Schmidt-Czaia: „Aber insbesondere der Platzmangel zwingt uns zum raschen Handeln. Wir haben noch 300 Restmeter für Übernahmen zur Verfügung, was einer jährlichen Durchschnittsübernahme entspricht. Demnach müssten wir eigentlich schon im nächsten Jahr hier weg.“ Wohin ist freilich noch unklar. „Wir würden uns die Rückkehr in das Gereonsviertel wünschen, wo das Archiv im alten Köln vor 1945 seinen Sitz hatte“, sagte Dr. Fischer, aber ob das möglich ist, sei „derzeit noch völlig offen“. Dieser Umzug könnte auch stadtentwicklungspolitisch interessant sein: Er würde eine reizvolle „Archivmeile“ entstehen lassen, denn in direkter Umgebung befinden sich bereits das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsarchiv und das Historische Archiv des Erzbistums Köln.

Der Wandel zur digitalen Informationsgesellschaft veränderte die Arbeit im Archiv in den letzten Jahren grundlegend. „Neue technische Lösungen und archivfachliche Verfahren stellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die lange Zeit mit technisch unzureichenden Systemen arbeiten mussten, vor besondere Herausforderungen“, erklärte Dr. Schmidt-Czaia, „die rasante Umstellung auf neue Methoden der Datenverarbeitung sowie die anstehenden Übernahmen digitaler Daten zwingen daher zu raschem Umdenken und Handeln."

Dabei sind vor allem drei neue Probleme zu berücksichtigen, die es im „analogen Zeitalter“ so noch gar nicht gab: Erstens besteht irgendwann eine „gewisse Flüchtigkeit der Aufzeichnungen angesichts permanenter technologischer Entwicklung“, so Dr. Fischer und brachte das Beispiel von über zehn Jahre alten Word-Disketten, deren Daten man heute möglicherweise gar nicht mehr herstellen kann. Zweitens erschwere die beliebige Reproduzierbarkeit von digitalen Daten eine klare Zuordnung der Veränderungshistorie. So bliebe oft unklar, was zuerst im Original und was nur in Kopie vorliege.

Schließlich sei auch die Art der Bearbeitung des immer umfangreicheren Datenmaterials durch Digitalisierung nicht automatisch einfacher und schneller geworden. Unter Umständen könne das heute auch mal schwieriger und aufwändiger als früher sein, so Dr. Fischer, weshalb er „die guten alten Aktenpläne aus der analogen Zeit“ auch in digitalen Archiven für unabdingbar hält. Fischer: „Die bislang gültigen Ordnungsregeln der Schriftgutverwaltung waren nie nötiger als in der digitalen Welt“.

Um diese Probleme besser lösen zu können, arbeitet das Historische Archiv an einer ständigen Weiterentwicklung der technischen Archivierungsverfahren. Insbesondere das Problem der Haltbarkeit ließe sich durch eine vermehrte Speicherung in möglichst softwareunabhängigen Formaten besser lösen, wenn auch nie von Dauer. „Nichts hält für die Ewigkeit, aber das könnte man schon um etliche Jahre verlängern“, erklärte Dr. Fischer abschließend. Die laufenden technischen Verbesserungen würden allerdings wesentlich „entspannter“ verlaufen, wenn die Platzprobleme zum Beispiel durch einen baldigen Umzug ins Gereonsviertel gelöst werden könnten.

Informationen zum Archiv: Das Historische Archiv der Stadt Köln ist das größte kommunale Archiv nördlich der Alpen. Seit dem Mittelalter übernimmt, verwahrt, erhält und erschließt es die Dokumente von Rat, Verwaltung und Bürgern. Es umfasst unter anderem: 65.000 Urkunden ab dem Jahr 922, fast 30 Regalkilometer Akten, 104.000 Karten und Pläne und 50.000 Plakate, 780 Nachlässe und Sammlungen (zum Beispiel von Jan von Werth, Jacques Offenbach oder Heinrich Böll) sowie rund 500.000 Fotos zu verschiedenen Kölner Ereignissen. Es steht den Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung sowie Wissenschaft und Kultur offen.

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