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02.12.2007

FDP-Kreisverband Köln

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Deutschlandradio im digitalen Zeitalter

Reinhard Houben
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Reinhard Houben
Hörfunkrat Houben beim Liberalen Arbeitskreis Medienpolitik

Von Wolfgang Baumann

Der Vorsitzende des Kreisverbandes der FDP-Köln, Reinhard Houben, war zu Gast beim Liberalen Arbeitskreis Medienpolitik unter Vorsitz von Wout Nierhoff. Allerdings nicht als politischer Funktionsträger, sondern als Mitglied im Hörfunkrat des Deutschlandradios. Der steht wie alle öffentlich-rechtlichen Sender vor besonderen Herausforderungen in Zeiten der Digitalisierung, die Houben kurz präsentierte.

Zum Sender: Das Deutschlandradio wurde am 1. Januar 1994 durch die Fusion von RIAS, Deutschlandsender Kultur (beide Berlin) und dem Deutschlandfunk (Köln) gegründet. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts wird Deutschlandradio von allen 16 Bundesländern sowie ARD und ZDF getragen und bietet heute zwei Programme.

Erstens den Deutschlandfunk (DLF) aus Köln als serviceorientiertes Informationsprogramm mit Schwerpunkten auf Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, insbesondere auf ausführliche Presseschauen am Morgen mit Auszügen aus den Leitartikeln führender Tageszeitungen. Zweitens das Deutschlandradio Kultur aus Berlin mit Schwerpunkten auf Kulturberichterstattung, Hörspielen, Features und Kinderprogrammen sowie täglichen Livekonzerten.

Kennzeichnend für beide Programme ist der hohe Wortanteil eines werbefreien Informationssenders, beim DLF etwa Dreiviertel des täglichen Angebots, beim Deutschlandradio Kultur etwa Zweidrittel. Houben schätzt insbesondere die hohe Informationsqualität des DLF: „Der ersetzt mir morgens um acht im Autoradio die Tageszeitung“, sagt der Unternehmer, der oft erst abends Zeit für längere Zeitungslektüre findet.

Zur Organisation: Sie erfolgt nach Regeln, die von anderen öffentlich-rechtlichen Anstalten bekannt sind, zum Beispiel dem WDR. Die Leitung liegt beim Intendanten (derzeit Ernst Elitz), der vom Hörfunkrat auf Vorschlag des Verwaltungsrates für fünf Jahre gewählt wird. Der Verwaltungsrat, bestehend aus drei Vertretern der Länder, einem Vertreter des Bundes und je zwei Vertretern von ARD und ZDF, kontrolliert die Arbeit des Intendanten, speziell in wirtschaftlichen Fragen.

Der Hörfunkrat stellt Richtlinien für Sendeabläufe auf und überwacht deren Einhaltung. Die auf vier Jahre gewählten Mitglieder setzen sich zusammen aus je einem Vertreter jedes Bundeslandes, drei der Bundesregierung, weiteren 16 Vertretern aus verschiedenen Landesverbänden (zum Beispiel aus wirtschaftlichen oder kulturellen Bereichen) und fünf Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen (zum Beispiel Kirchen oder Gewerkschaften).

Zur besonderen Herausforderung: Die liegt für das Deutschlandradio in einer veränderten Frequenzvergabe als Folge der Digitalisierung im gesamten Rundfunkbereich (Rundfunk = Hörfunk + Fernsehen). Für die Frequenzvergabe zuständig sind die jeweiligen Landesmedienanstalten, die ihre landeseigene Rundfunkanstalten, so Houben, „natürlich bevorzugt behandeln“.

Mit dem Ergebnis, dass ein bundesweiter Programmanbieter ohne eigene Landesrundfunkanstalt „im Rücken“ wie das Deutschlandradio, das den Auftrag hat, die nationale Grundversorgung an Information und Kultur abzudecken, gar nicht überall empfangen werden kann. Derzeit deckt das Deutschlandradio nur etwa 85 Prozent des Bundesgebietes ab, was für einen gebührenfinanzierten Sender nicht das Ziel sein kann. Der ist in Köln auf UKW 89,1 zwar noch gut zu empfangen, aber zum Beispiel 100 Kilometer weiter Richtung Hocheifel fast gar nicht mehr.

Die neuen Digitalfrequenzen könnten hier die Lösung sein. Noch sind die technischen Möglichkeiten nicht ganz ausgereift und Experten streiten hier noch über die beste Technik für den Hörfunkbereich. Digital Radio (Digital Audio Broadcasting, kurz: DAB) ist seit 1999 im Regelbetrieb und seit 2003 in allen Bundesländern empfangbar.

Das DAB werde, so Houben, für die Bedeutung des Deutschlandradios größere Vorteile bringen, als das alternative technische Digitalisierungsverfahren DMB (Digital Multimedia Broadcast). Dieses DMB wird von der für die Gebührenverteilung zuständigen KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten) derzeit bevorzugt. Nach Ansicht von Houben ein Fehler: „DMB ist mehr für den TV-Bereich geeignet, aber nicht für den Hörfunk.“

Multimediasysteme wie DMB werden auch hauptsächlich von Mobilfunkanbietern bevorzugt, deren Geschäftsmodelle primär auf individuellen Telekommunikationsdiensten wie Telefon aufbauen. Für den Hörfunk, so Houben, sei dagegen DAB das beste System. Die FDP Köln werde sich daher gegenüber der Landesregierung NRW dafür einsetzen, dass DAB im Hörfunkbereich weiter gefördert wird und die KEF „sich hier erstmal raushält.“ Zudem müsse das große Thema Digitalisierung besonders im Radiobereich absolut Vorrang haben vor kleinlichen Gebührendiskussionen.

Fazit von Reinhard Houben: „Mit DAB wäre Deutschlandradio wirklich überall am besten zu hören und es könnte gar nicht mehr passieren, dass jemand zum Beispiel in der Eifel die volle GEZ bezahlt, ohne das Deutschlandradio empfangen zu können“. Außerdem seien durch die größere Reichweite und dann bestmögliche Empfangsqualität weiterhin steigende Hörerzahlen zu erwarten, was für die Gebührenrechtfertigung eines reinen Informationssenders nur vorteilhaft sein könne.

Derzeit verfolgen das Deutschlandradio knapp 1,8 Mio. Hörer täglich. „Das ist entgegen dem gängigen Vorurteil nicht gerade ein Nischensender“, so Houben, „auch wenn die Kernzielgruppe eher in höheren Bildungsstufen zu finden ist, wie etwa Politiker, Manager, Journalisten oder Wissenschaftler.“

Houben begrüßte den Vorschlag von Wout Nierhoff, im kommenden Jahr einen Außentermin des Arbeitskreises Medien beim DLF in Köln-Raderthal zu organisieren. Zum Schluss äußerte er noch leichte Kritik an der Besetzung der Gremien bei den „Kollegen“ vom WDR: „Die sind immer noch sehr gewerkschaftslastig besetzt, für die Vertreter aus Wirtschaftsverbänden bleibt vergleichsweise wenig Raum“. Vielleicht könne man da von Seiten der Kölner Medienpolitik „in den nächsten Jahren noch was besser machen“.

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