Wie nobel ist NRW wirklich?
Ein Gespräch mit Andreas Pinkwart (FDP), Minister für Innovation, Forschung und Technologie.
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Pinkwart, wissen Sie eigentlich, wie viele Nobelpreisträger aus NRW kommen?
ANDREAS PINKWART: (überlegt) Meines Wissens müssten es elf sein. Reinhard Selten kenne ich persönlich, Professor Paul, der ja mittlerweile verstorben ist, habe ich auch noch erlebt.
Besonders viele sind das ja nicht, auch sind die meisten Ehrungen schon lange her...
PINKWART: Jeder für sich ist bereits eine große Auszeichnung, aber es könnten natürlich noch mehr sein. Das ist ja auch unser Ziel, wir bekennen uns klar zur Elite. Wir wollen beste Rahmenbedingungen schaffen, nicht nur für Nobelpreisträger, sondern auch für Leibniz-Preisträger und andere exzellente Wissenschaftler.
Reisen Sie deshalb zum Nobelpreisträger-Treffen nach Lindau - um herauszufinden, wie genau diese Wissenschaftler ticken?
PINKWART: Wir wollen natürlich erfahren, was die Preisträger, aber auch die vielen Nachwuchswissenschaftler, die zu dem Treffen kommen, von einem idealen Forschungsstandort erwarten. Und wir wollen uns selbstbewusst präsentieren und zeigen, was sich in NRW verbessert hat, zum Beispiel durch das neue Hochschulfreiheitsgesetz.
Mit dem Gesetz können Unis Firmen gründen, Gewinne machen, Investitionen über Kredite vorfinanzieren - das hilft Nachwuchsforschern wenig, die ihre Karriere immer noch schlecht planen können.
PINKWART: Es gibt einen ganzen Katalog an Forderungen, um den Standort für den Nachwuchs attraktiv zu machen und von denen wir bereits viele umgesetzt haben. Bei Juniorprofessoren gibt es die Möglichkeit, dass diese durch ein vereinfachtes Verfahren berufen werden können.
Zurzeit kommen in NRW auf einen Professor durchschnittlich 63 Studierende - doppelt so viele wie an internationalen Spitzen-Unis.
PINKWART: Da passiert was, die Unis bekommen ja ab sofort mehr Mittel, zum einen direkt aus dem Hochschulpakt und der Exzellenzinitiative, zum anderen werden bei DFG-geförderte Projekten zusätzlich 20 Prozent der Verwaltungskosten übernommen. Das Geld kann gezielt für Forschungsstellen genutzt werden.
Sie werben ja auch für den Standort, um Wissenschaftler zur Rückkehr nach NRW zu bewegen. Was ist nobel in NRW?
PINKWART: Vieles ist bereits exzellent, und wir wollen noch mehr. Wir haben uns auf die Aufholjagd begeben und wollen Innovationsland Nr. 1 in Deutschland werden.
Geht es etwas konkreter?
PINKWART: Sieben unserer Unis sind in der Endrunde der Exzellenzinitiative. Das Forschungszentrum Jülich bekommt den größten Computer Europas. Die onkologische Forschung in Köln und Bonn ist die beste in Deutschland.
Mal angenommen, der nächste Medizin- oder Physiknobelpreisträger käme wirklich aus NRW - was würden Sie tun? Bekäme er zum Beispiel ein Institut geschenkt?
PINKWART: Keine schlechte Idee. Mit dem Hochschulfreiheitsgesetz haben die Unis ja die nötige Autonomie, da etwas zu unternehmen. Auch das Land würde sicherlich etwas tun.
Und das Foto von Ihnen und dem Preisträger - würden Sie das in Ihrem Büro aufhängen?
PINKWART: Ich neige nicht zur Selbstbeweihräucherung. Aber ein Bild des Nobelpreisträgers könnte man auf jeden Fall aufhängen. (überlegt) Man könnte generell die Bilder der Nobelpreisträger aus NRW im Ministerium aufhängen - und nicht nur die Minister. Eine gute Idee, die ich gern aufgreifen werde.
Das Gespräch führte Nicola Kuhrt.
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30.06.2007
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"Wir haben uns auf Aufholjagd begeben"
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