Projekt „Citizen Media“ wurde im Arbeitskreis Medienpolitik vorgestellt
Von Wolfgang Baumann
In einer der letzten Sitzungen des Arbeitskreises Medienpolitik der Kölner FDP unter der Leitung von Wout Nierhoff ging es um das gerade anlaufende Projekt „Citizen Media“ (Bürgermedien). Prof. Dr. Georg Trogemann von der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM), zugleich Mitglied des Arbeitskreises, stellte das von der EU geförderte Forschungsprojekt in seinen Grundzügen vor. Ziel des Projekts ist das Bereitstellen von neuen Interaktionsmöglichkeiten durch selbst produzierte Medieninhalte mit klarem Bezug zur Kölner Stadt- und Kulturentwicklung. Eine Art „YouTube“ mit Lokalcharakter.
Startpunkt sind zwei grundsätzliche Fragen: Welche Rolle kann ein computerbasiertes virtuelles Netzwerk in der urbanen Entwicklung am Beispiel der „Medienstadt“ Köln spielen? Und inwieweit können und wollen die Bürgerinnen und Bürger diese Entwicklung beeinflussen, wenn sie aus ihrer passiven Rolle als Medienkonsumenten zunehmend in eine aktive Produzentenrolle wechseln können? Georg Trogemann: „Wir wollen einfach sehen: wo sind die Leute bereit, mitzumachen? Wann haben sie das Gefühl, etwas mitgestalten zu können?“
Die offene Internetplattform von Citizen Media greift aber nicht nur den Trend des zunehmend aktiven Mediennutzers auf, sondern geht noch einen Schritt weiter: sie will auch die ganz realen Auswirkungen von virtuellen Partizipationsmöglichkeiten untersuchen, die über reine Unterhaltungsformate hinausgehen. Citizen Media will die aktive Teilnahmemöglichkeit der Bürgerinnen und Bürger stärken, indem es eine direkte Verknüpfung von realen Orten mit webbasierten virtuellen Räumen ermöglicht. Im Kern soll diese Verknüpfung zunächst über drei konkrete Anwendungsmöglichkeiten erfolgen:
1. Bereich Stadtentwicklung:
Hier soll sich den Bürgerinnen und Bürgern eine virtuelle Informations-Plattform bieten, um reale Einflussmöglichkeiten auf die Stadtentwicklung zu testen. Die KHM arbeitet hier mit einer Arbeitsgruppe aus dem Leitbildprozess der Stadt Köln zusammen. Grundgedanke: Besonders unattraktive und verschönerungswürdige Orte können mittels selbst produzierter Texte und Bilder in einem „Unort-Kataster“ platziert werden, dadurch für öffentliche Aufmerksamkeit sorgen und so möglicherweise einen konkreten Entwicklungsprozess in Gang setzen.
Dieser Prozess des bürgerschaftlichen Engagements, der zur Verschönerung von früheren unattraktiven Orten führen soll, wird über die Citizen Media-Plattform im Internet ständig begleitet : mögliche Fortschritte, die sich z.B. auch nach Ortsterminen von Kommunalpolitikern ergeben, können so jederzeit auf einer aktualisierten Stadtkarte „besichtigt“ werden. Dadurch sollen immer mehr Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen animiert werden, indem sie weitere Verschönerungsvorschläge für einen bisherigen „Unort“ einbringen.
2. Bereich Gesellschaft:
Hier sollen neue Formate des politischen Kabaretts erprobt werden, die sich aus der Kombination von realen lokalpolitischen Vorgängen und virtueller Bürgerbeteiligung ergeben können. Jede Bürgerin und jeder Bürger kann daran teilnehmen und einen kabarettistischen Beitrag mit Bezug zu aktuellen politischen Entwicklungen vorstellen. Dadurch könnte ein virtueller Mehrwert für reale Auftritte an klassischen Bühnen entstehen, auch weil ganz andere technische Möglichkeiten genutzt werden können, was insbesondere für noch unbekannte Künstlerinnen und Künstler bedeutsam sein könnte.
Dieser Bereich ist im Prinzip eine moderne Form des „Speakers Corner“ (Redner-Ecke) im Londoner Hyde Park: Dort kann traditionellerweise jeder ohne Anmeldung einen Vortrag zu einem beliebigen Thema halten und auf diesem Weg die Vorübergehenden um sich versammeln. Im Citizen Media-Projekt wird diese Versammlung zunächst virtuell organisiert, woraus vielleicht reale Versammlungen folgen können. Der Begriff Speakers Corner gilt als Synonym für eine öffentliche freie Meinungsäußerung, die im Rahmen demokratischer Grundregeln auch mal bewusst „politisch unkorrekt“ ist.
3. Bereich Unterhaltung:
Hier soll eine reale Gemeinschaft (neudeutsch „Community“) im Bereich Stadtspiele über das Internet initiiert werden. Das Internet ist dabei nur der Startpunkt für ein Spiel, das ganz real ablaufen und lediglich virtuell begleitet werden soll. Die noch vorläufige Konzeption dieses Anwendungsbereiches sieht z.B. eine Art „Schnitzeljagd“ durch Köln vor, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Computerlaboren der KHM unterstützt werden. Sie können bei ihrer Aufgabenbewältigung über verschiedene Stadtkameras gefilmt und per „livestreaming“ ins Netz gestellt werden. Jede interessierte Zuschauerin und jeder interessierte Zuschauer könnte sich per Mail beteiligen und z.B. Tipps geben, die dann per Funk über die Zentrale an die Akteure vor Ort weitergegeben werden.
Interessant wird vor allem das Echo auf die ersten beiden Anwendungsoptionen aus den Bereichen Stadtentwicklung bzw. politisches Kabarett. Denn im Kern geht es eben nicht nur um Spaß und Unterhaltung, sondern auch um neue Motivationsmöglichkeiten für politisch-gesellschaftliche Teilhabe. Georg Trogemann weist aber ausdrücklich darauf hin, dass Citizen Media nicht mit „Citizen Journalism“ (Bürgerjournalismus) gleichgesetzt werden dürfe, da es hier nicht in erster Linie um die Vermittlung von sachlich-journalistischen Inhalten gehe. Im Gegenteil: die ehrliche und „ungefilterte“ Meinungsäußerung, die sich bewusst nicht an journalistischen Qualitätsstandards orientiert, soll im Vordergrund stehen und so die Bürgernähe verstärken.
Der Arbeitskreis wird die laufende Entwicklung dieses Projektes in Absprache mit Prof. Dr. Trogemann weiter verfolgen.
Zusätzliche Informationen über:
Prof. Dr. Georg Trogemann
Kunst- und Medienwissenschaften
Kunsthochschule für Medien
Peter-Welter-Platz 2
50676 Köln
Telefon: 0221/ 20189-130
http://citizenmedia.khm.de
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14.05.2007
FDP-Kreisverband Köln
Meldung
Virtuelle Partizipationsmöglichkeiten werden untersucht
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