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11.01.2007

Kölner Stadt-Anzeiger

Pressemeldung

"Das Signal muss sich von innen nach außen richten"

Dr. Ulrich Wackerhagen (r.) im Kulturausschuss
Dr. Ulrich Wackerhagen (r.) im Kulturausschuss
Dr. Ulrich Wackerhagen (r.) im Kulturausschuss
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Dr. Ulrich Wackerhagen (r.) im Kulturausschuss
A.d.fdp-koeln.de-Redaktion: Fünf Antworten zur Kulturpolitik in ungekürzter Version

Wo steht die Kultur? Unsere Umfrage zum Jahresbeginn unter Kölner Kulturpolitikern. Heute: Ulrich Wackerhagen, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Ratsfraktion

Was war für Sie das größte kulturpolitische Ärgernis des vergangenen Jahres?

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren hat sich die Situation verbessert. Die Personalentscheidungen der letzten Zeit, insbesondere die Berufung von Prof. Quander zum Kulturdezernenten, haben erkennbar Früchte getragen. Dennoch gehen die dringend notwendigen Änderungs- und Entscheidungsprozesse in der Stadt zu langsam voran, da zu viel Bürokratie und „Kleinkrämerei“ Köln beherrscht.
Ärgerlich war,
- dass es nicht gelungen ist, die Kunstsammlung von Michael und Eleonore Stoffel in Köln zu halten. Dies ist umso bedauerlicher, als auch die Sammlungen Brandhorst und Garnatz die Stadt verlassen haben;
- dass die Sicherheit und Sauberkeit rund um den Dom trotz einiger Bemühungen weiterhin ein ständiges Ärgernis ist. Die mehrfach geforderte „Dom-Streife“ ist erneut gescheitert;
- dass die Verschönerung der Kölner Plätze mit dem Programm „Auf die Plätze ….“ zwar im Grundsatz beschlossen, aber bis heute kaum umgesetzt wurde;
- dass die Sanierung des Reiterdenkmals am Heumarkt trotz der angesammelten 1,75 Mio. € aufgrund der Umwidmung der Mittel nicht gesichert ist;
- dass der Ratsturm trotz wiederholter Versprechen bis nach der Fußballweltmeisterschaft verhüllt blieb.

Aber es gibt auch durchaus Positives zu berichten:
- der Dom bleibt Weltkulturerbe;
- mit dem Mäzen Gérard Corboud wurde eine dauerhafte Einigung gefunden;
- die Städte Köln und Bonn haben die Errichtung einer gemeinsamen Tanzkompanie beschlossen;
- die Aufstellung eines Kulturentwicklungsplanes wurde beschlossen und hierzu gemeinsam mit dem Kölner Kulturrat im Oktober 2006 das 1. Kölner Kulturpolitische Symposium veranstaltet;
- dem Kulturausschuss ist es gegen erbitterte Widerstände gelungen, die künstlerische Gestaltung der U-Bahnhöfe der neuen Nord-Süd-Verbindung durchzusetzen, so dass nunmehr ein Gestaltungswettbewerb ausgelobt wird;
- der Rat hat den Ausbau der Archäologischen Zone und den Rathausvorplatz als Standort für den Bau von Haus und Museum der jüdischen Kultur beschlossen;
- der Beschluss der 4 großen Fraktionen zur stärkeren Verselbstständigung der Kölner Museen wurde gefasst;
- die Radikalkur für die ArtCologne wurde endlich auf den Weg gebracht;
- im Dezember 2006 fand im Rathaus der 1. Kölner Stiftertag statt, um Unternehmer und Bürger zur Gründung neuer Stiftungen anzuregen.


Welche Erhöhung des Kulturetats befürworten Sie?

Köln liegt bei den öffentlichen Kulturausgaben pro Einwohner mit 107,00 € pro Jahr weit abgeschlagen hinter Frankfurt/Main mit 242,00 € und Leipzig mit 187,00 € auf Platz 27 aller Städte über 100.000 Einwohner noch hinter Cottbus, Dessau und Frankfurt/Oder. Daraus folgt, dass das Kölner Kulturangebot überregional immer weniger wahrgenommen wird. Gemessen am Gesamthaushalt der Stadt Köln mit 4 Mrd. € beträgt der Kulturetat zur Zeit nur 3 %. Die Initiative des Oberbürgermeisters und des Kulturdezernenten zur Erhöhung des Kulturhaushalts ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aus diesem Grund sollte die international bekannte Kunst- und Kulturstadt Köln ihren Kulturetat pro Jahr gemessen am Gesamthaushalt um durchschnittlich 0,5 % steigern, damit sich der Anteil am Gesamthaushalt in sechs Jahren verdoppelt.

Wie begründen Sie dieses Ziel gegenüber Ihren Parteifreunden?

Mit Lionel Feininger „Kunst ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit“ und Auszügen aus der am 06.01.2007 startenden Kulturkampagne der FDP-Bundespartei:
„Kultur wird in Zukunft zum Motor unseres Landes – der Gesellschaft, der Menschen und der Wirtschaft. Kultur wird zu einem Garanten einer Zukunft in Wohlstand. Deshalb trägt die Kampagne das Motto „Kultur, die Energie für unsere Zukunft“. Kultur ist Vielfalt. Sie regt an und auf, gefällt und verstört. Kultur ist Fortschritt, denn sie stellt sich selbst in Frage und sucht neue Wege. So wird sie zur Triebfeder der gesellschaftlichen und auch der wirtschaftlichen Entwicklung. Kultur stiftet Sinn und bringt Menschen zusammen. Sie fördert die Verständigung über die gemeinsamen Werte einer offenen Gesellschaft und deren Selbstverständnis: Modernität, Aufgeschlossenheit, Toleranz und Leistungsbereitschaft. Kultur sorgt so für ein gesellschaftliches Klima, in dem wir gerne leben“.

Es bedarf eines unbeugsamen Willens und Muts bei der Prioritätensetzung des nächsten Haushalts und einer Stärken-Schwächen-Analyse, um mit einer Kultur zugewandten Politik, Public-Privat-Partnership (PPP), Mäzenatentum, Sponsoring, Stiftungen und Spenden Köln wieder in die erste Liga der Kunst- und Kulturstädte in Europa zurückzuführen.

In welcher Kultursparte – Oper, Schauspiel, Tanz, Musik, Film, Bildende Kunst, Literatur, Baukunst – muss Köln stärker werden?

In allen Sparten!. Die Kölner Kulturlandschaft verfügt in allen Sparten über erhebliches Potenzial, das gestärkt werden muss. Obwohl wir in Köln eine außergewöhnlich starke freie Szene haben, ist die Förderung durch städtische Mittel mit zur Zeit 2,3 Mio. € pro Jahr außerordentlich unterentwickelt. Die von Prof. Quander vorgeschlagene Erhöhung um 6,9 Mio. € wird, wenn sie beschlossen wird, überwiegend der freien und privaten Szene zugute kommen. Auch die Bühnen der Stadt Köln und die Kölner Museen sollen finanziell gestärkt werden, um sich im Wettbewerb der deutschen Großstädte behaupten zu können. Das Förderkonzept für die freie Theaterszene sollte auch auf die freie Szene in den anderen Kultursparten ausgeweitet werden. Die Förderprogramme liegen bereits in der Schublade des Kulturdezernenten und können endlich verwirklicht werden, wenn der Rat der Stadt Köln den Kulturetat in den nächsten Wochen erhöht.

Was ist die größte kulturpolitische Herausforderung des neuen Jahres?

Die größte Herausforderung ist eindeutig die Wende in der Kulturfinanzierung, und zwar der Kultureinrichtungen in öffentlicher und privater Hand. Das Signal muss sich von Innen nach Außen richten. Es wird von entscheidender Bedeutung sein, ob das „Kernbündnis“ von SPD und Grünen hier eine verantwortliche Politik für Köln mitträgt. Neben der Erhöhung des Kulturhaushaltes gibt es mehrere herausragende Projekte:
- den Bau der archäologischen Zone und des Hauses und Museums der jüdischen Kultur auf dem Rathausvorplatz;
- die Planung und Ausschreibung der Neugestaltung des Opernquartiers mit Sanierung der Oper, Neubau des Schauspielhauses und der Kinderoper;
- die Ausgründung des Wallraf-Richartz-Museum als Pilotprojekt für die Kölner Museen;
- die städtische Unterstützung bei der Erhöhung der Attraktivität der ArtCologne zu ihrem Neustart im April 2007.



Hier geht es zu weiteren Meldungen und Initiativen der FDP zum Thema Kunst und Kultur.

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