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07.07.2006

Innenministerium NRW

Meldung

Vorläufige Bilanz der WM in NRW

Innenminister Dr. Ingo Wolf, MdL
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Innenminister Dr. Ingo Wolf, MdL
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Innenminister Dr. Ingo Wolf, MdL
Anlässlich eines Pressefrühstücks erklärte Innenminister Dr. Ingo Wolf, MdL, folgendes:

"Vor dem Eröffnungsspiel hat der deutschen Mannschaft niemand zugetraut, die Gruppenphase zu überstehen. Jetzt spielen wir immerhin um den dritten Platz! Auf diesen Riesen-Erfolg bei der Fußball-WM 2006 können wir alle stolz sein. Daran sollten wir uns mehr erinnern als daran, dass wir uns am Dienstag sogar noch ein bisschen mehr gewünscht haben. Kaum jemand hat sich vorstellen können, was für ein unglaubliches Fest dieses Ereignis für die Menschen in NRW werden würde.

Lassen Sie mich eine vorläufige Bilanz ziehen, wobei die Fanfeste und das NRWM-Festival natürlich noch bis zum Sonntag weitergehen. Der sportliche Wettbewerb in NRW ist jedoch zu Ende.

Bis zum Ende der Weltmeisterschaft werden weltweit mehr als 30 Milliarden TV-Zuschauer die Spiele gesehen haben. Alle Stadien in Deutschland werden dann mit 3,2 Mio. Fans ausverkauft gewesen sein, insgesamt 810.000 Menschen werden die 16 Spiele in den nordrhein-westfälischen WM-Stadien gesehen haben. Rund 2,8 Millionen Menschen erlebten die bisherigen 62 WM-Spiele in den größeren Public-Viewing-Stätten in NRW im Rahmen stimmungsvoller Fan-Feste. Unzählige weitere Zuschauer haben in Kneipen, Biergärten oder nachbarschaftlichen WM-Feiern die Partien verfolgt. Stimmungs-Weltmeister sind wir auf jeden Fall geworden.

Es ist uns in herausragender Weise gelungen, für die vielen Besucher aus aller Welt ein guter Gastgeber zu sein: Laut einer Umfrage fühlten sich 90 % der ausländischen Gäste "zu Gast bei Freunden". Viele von ihnen wollen Deutschland bald wieder einen Besuch abstatten. Wir sind zwar nicht im Finale, aber Weltmeister der Herzen.

Die Gastfreundschaft hat sich insbesondere auch gegenüber den Nationalmannschaften, die in Nordrhein-Westfalen zu Gast waren, gezeigt. Alle acht Städte in NRW, die eine ausländische Nationalmannschaft beherbergten, zogen eine positive Bilanz. Vor allem für ihr Image. Übrigens haben zwei der letzten im Halbfinale verbliebenen Mannschaften – Portugal und Italien – in NRW Quartier bezogen. Der Standort NRW kann also auch aus sportlicher Sicht so falsch nicht sein.

Die Deutschen haben nicht nur ihr Bild im Ausland verbessert. Sie haben Emotionen gezeigt, waren fröhlich und stolz, und sie haben sich zu ihrem Team und ihrem Land bekannt. Dieser Patriotismus ist unverkrampft, selbstverständlich, angenehm sowie freundlich und somit durchweg positiv für Deutschland. Diese neue Welle, symbolisiert durch die deutsche Nationalflagge und Hymne sowie die damit verbundene Begeisterung, hat die rechtsextremistische Szene Schachmatt gesetzt.

Rechtsextremisten fühlen sich als die eigentlichen, wahren Vertreter eines deutschen Nationalgefühls und hatten deshalb geplant, die WM 2006 für Propagandazwecke in ihrem Sinne zu nutzen.

Dabei ist zu bemerken, dass der Nationalismus der Rechtsextremisten von einer nationalen Werteskala mit dem deutschen Volk an der Spitze ausgeht. Im Gegensatz dazu zeichnet sich das jetzige Nationalgefühl als eines aus, das andere Nationen als gleichwertig mit einschließt.

Die vielen tausend Fahnen schwenkenden Zuschauer zeigen ein Gemeinschaftsgefühl, das über nationale Grenzen hinausgeht: Hier feiern Deutsche friedlich mit Menschen aus aller Welt.

Dieses Gemeinschaftsgefühl führt derzeit zu kontroversen Diskussionen innerhalb der rechtsextremistischen Szene. Große Teile der Szene lehnen die neue Begeisterung als eventorientiert ab, andere – insbesondere Neonazis – lehnen inzwischen sogar die deutsche Flagge ab: diese sei schwarz-weiß-rot. Nur wenige Stimmen in der rechtsextremistischen Szene sehen in der derzeitigen Begeisterung einen Ansatz für eigene Aktivitäten.

Neben der sportlichen Begeisterung können wir folgendes feststellen: die FIFA-Fußball-WM bewirkte nachhaltige Investitionen in unserem Land. Ich meine damit insbesondere den Bau der neuen Stadien und Arenen, die von der ganzen Welt bestaunt worden sind. Wir haben heute in NRW eine Stadioninfrastruktur mit einer Dichte und Qualität wie nirgends in der Welt.

Für das ganze Land von nachhaltigem Vorteil sind die großen Verkehrsinvestitionen, die wegen der Fußball-WM teilweise vorgezogen worden sind. Wir haben neue Autobahnanschlüsse wie in Gelsenkirchen, einen komplett renovierten Hauptbahnhof in Gelsenkirchen, neue Haltestellen bzw. renovierte vorhandene Haltestellen in Köln, Dortmund und Gelsenkirchen, Renovierungen von Autobahnen und Bundesstraßen realisiert.

Natürlich hat die öffentliche Hand viel Geld investiert. Aber es hat sich in jedem Fall gelohnt. Der Imagegewinn lässt sich nicht in Euro und Cent darstellen, aber er ist immens.

Die Fußball-WM hat in NRW positive Effekte für die Konjunktur bewirkt. Die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit schätzt, dass in NRW rund 6.000 Arbeitsplätze durch die Fußball-WM geschaffen wurden. Die Hälfte davon sind dauerhaft, die anderen befristet. Die Arbeitsplätze sind in erster Linie bei Sicherheits- und Zeitarbeitsfirmen sowie bei Gastronomie und Firmen für Veranstaltungen angesiedelt.

Die deutsche Tourismuswirtschaft geht davon aus, dass sie rund 5 Mio. zusätzlicher Übernachtungen und ein Plus im gesamten Gastgewerbebereich von 500 Mio. € erreichen wird. Insbesondere im Hotelbereich zeigt sich allerdings ein differenziertes Bild. Gaststätten und Kneipen ohne Fernsehgeräte wurden von den Gästen "abgestraft". Auch der Einzelhandel hat nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes von der WM profitiert: Im Mai stieg im Vergleich zum Vorjahr der Umsatz real um 1,9 Prozent.

Die Völkerwanderung der Fans zu den Spielorten und Public-Viewing-Plätzen hat zu einem großen zusätzlichen Verkehrsaufkommen geführt. Es wurden 6.760 zusätzliche Flüge angemeldet. Die Lufthansa geht von 200.000 zusätzlichen Buchungen aus. Allein in Düsseldorf wurde ein Plus von 20.000 Passagieren und 100 Zusatzflügen registriert.

Die Public Viewing-Veranstaltungen haben sich in Nordrhein-Westfalen wie im gesamten Bundesgebiet zu enormen Publikumsmagneten entwickelt. So etwas hat es in Deutschland noch nie gegeben. Die WM-Städte mussten ihre Fanfeste im Laufe der WM sogar gewaltig ausdehnen, so die Stadt Köln von 35.000 Menschen auf etwa 80.000, Dortmund um mehr als 25.000 Menschen auf über 70.000 und die Kapazität des Fanfestes in Gelsenkirchen wurde von 20.000 Menschen auf 30.000 erhöht. Zusätzlich wurden weitere Public Viewing-Plätze zeitweise für ausländische Gäste mit bis zu 80.000 Menschen eingerichtet. In allen Städten wurden hunderttausende Fans begrüßt.

Es ist Tatsache, dass dieses Public Viewing eine neue Kultur des gemeinschaftlichen Erlebens eines großen Sportereignisses darstellt. Wenn inzwischen etwa 1/3 der Menschen laut Umfrage angaben, die Spiele öffentlich anzuschauen, dann belegt das diese Aussage. Die Fans haben friedlich und freundschaftlich bei dieser WM gemeinsam gefeiert. Alle Befürchtungen, dass die Public Viewing-Plätze besonders gefährdet seien, sind nicht eingetroffen. Nach den Stadien waren diese Plätze die sichersten überhaupt.

Bisher sind wir mit der Sicherheit bei der WM sehr zufrieden. Von wenigen Zwischenfällen abgesehen haben wir ein unvergessliches friedliches Fußballfest erlebt, dass die Fans aus dem In- und Ausland mit Begeisterung und Euphorie geprägt haben. Diesen Menschen sind wir sehr dankbar und sprechen ihnen ein riesiges Lob aus.

Anlässlich der 16 Spiele und über 800 Public Viewing-Veranstaltungen in NRW mit mehr als drei Millionen Besuchern hat die Polizei insgesamt 1.408 Straftaten festgestellt. Dabei handelte es sich überwiegend um Diebstahl und Körperverletzungen. 1.125 Personen wurden festgenommen und 1.742 Personen in Gewahrsam genommen.

Fazit: Unsere Sicherheitskonzepte sind aufgegangen. Die Polizei NRW hat unter den Augen der Weltöffentlichkeit durch ihr offenes, freundliches und tolerantes Auftreten, wenn nötig aber auch durch konsequentes Eingreifen einen wesentlichen Beitrag zu diesem friedlichen Fußballfest geleistet. Wir waren wachsam und gelassen. Und das war gut so.

An den NRW-Spieltagen waren durchschnittlich 5.400 und in der Spitze mehr als 9.000 Polizeibeamte an den drei Spielorten in Köln, Dortmund und Gelsenkirchen im Einsatz. Rund 1.500 Kräfte des Katastrophenschutzes waren es bei jedem der Spiele in Nordrhein-Westfalen, weitere 3.500 befanden sich jeweils in Bereitschaft. Auch die Bundeswehr war stets zur Unterstützung bereit. An den 16 Spieltagen gab es in den 3 Spielorten mehr als 13.000 Rettungsdiensteinsätze und -behandlungen.

Bei meinen Besuchen an den Spielorten erlebte ich die Einsatzkräfte von Polizei und Katastrophenschutz als sehr motiviert und kompetent. Ich danke ihnen und all den vielen anderen Helferinnen und Helfern innerhalb und außerhalb der Stadien, die zum sicheren und reibungslosen Gelingen dieses Ereignisses beigetragen haben, für ihren aufopfernden Einsatz. Auch ihren Familien möchte ich für die Entbehrungen in den letzten Wochen danken.

Die Fußball-WM ist gerade in NRW nicht auf die drei Ausrichterstädte beschränkt. Sie fand und findet im ganzen Land statt. Wir haben in Kooperation mit elf großen Städten (Bochum, Duisburg, Hagen, Iserlohn, Leverkusen, Lünen, Münster, Neuss, Oberhausen, Siegen und Wuppertal) öffentliche Fan- und Familien-Feste organisiert, die die Übertragung der WM-Spiele auf Großbildleinwänden mit einem internationalen kulturellen Begleitprogramm verbinden.

Das WM-Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ haben wir mit dem in dieser Form in der Bundesrepublik einmaligen Festival "NRWM" mit Leben erfüllt. Nur dieses NRWM-Festival werden bis zum Sonntag über 1 Million Fans besucht haben. Ich danke allen Städten, die so engagiert für diese gemeinsame Projekt arbeiteten. Ich weiß, gerade die Finanzierung sicherzustellen, war und ist keinesfalls einfach.

„NRWM“ bietet noch bis zum Ende der WM eine musikalische Weltreise. 46 Bands und Künstler aus fast allen WM-Ländern wurden in über 300 Auftritten zu Popkultur-Botschaftern. Vor Ort wird das internationale Programm des Landes jeweils durch Beiträge der Städte ergänzt.

Ein umfassendes, sehr vielfältiges Rahmenprogramm haben insbesondere Köln, Gelsenkirchen und Dortmund zusammengestellt. Auch dazu haben wir beigetragen. Wir haben eine Reihe von Kulturprojekten unterstützt und haben einen eigenen Beitrag zum Programm geleistet: Das Artistik-, Sound- und Lichtevent "Kicks & Balances" hat an insgesamt 15 Abenden den Spieltag in den Ausrichterstädten spektakulär abgeschlossen. Insgesamt haben rund 70.000 Menschen die Aufführungen gesehen.

Nordrhein-Westfalen hat viel Erfahrung beim Ausrichten von Sport-Großveranstaltungen, dabei ist ohne Zweifel die Fußball-WM 2006 das größte für lange Zeit. Aber im "Sportland NRW" ist auch nach der Fußball-WM einiges los.

Obwohl es in der Dimension nicht vergleichbar ist – jetzt freuen wir uns auf die nächsten sportlichen Großereignisse in NRW:
- Die Weltreiterspiele vom 20. August bis zum 3. September in Aachen.
- Die INAS-Fußballweltmeisterschaften der Behinderten (26. August bis 17. September).
- Die Hockey-Weltmeisterschaften der Herren vom 6. bis 17. September 2006 in Mönchengladbach.
- Die Handball-WM (19. Januar bis 4. Februar 2007).
- Die Kanu-WM in Duisburg (8. bis 12. August 2007).

Wir werden auch hier ein herausragender Gastgeber sein.
Aus dem Erfolg dieser Fußball-Weltmeisterschaft für Nordrhein-Westfalen ergibt sich zwingend, dass wir um neue Großereignisse dieser Art werben wollen, weil sie als globale Werbeplattform zur Entwicklung des Landes, seiner Bekanntheit, als Standortfaktor für Kapital und hochqualifizierte Arbeitskräfte außerordentlich wichtig sind.

Was bleibt nun von dieser WM am Ende? Sicherlich viele verschiedene individuelle, aber auch kollektive schöne Erinnerungen. Lassen Sie uns alle gemeinsam dazu beitragen, dass wir von der Fröhlichkeit und Leichtigkeit, von dem friedlichen Miteinander über alle Ländergrenzen hinweg ein wenig in unseren Alltag mitnehmen können. Dann hat sich diese WM für uns alle gelohnt!

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