01.02.2006
Kölner Stadt-Anzeiger
Pressespiegel
Ab Heumarkt in den Untergrund
Mögliche Strecken für eine Ost-West-U-Bahn
U-Bahn-Bau: Politiker wollen in Kürze mit der Planung der Ost-West-Achse beginnen
Die Verwaltung will eine U-Bahn vom Heumarkt über den Neumarkt bis zur Universitätsstraße prüfen.
Von Andreas Damm und Matthias Pesch
Noch sind die Bauarbeiten für die Nord-Süd-Stadtbahn in vollem Gange, da beschäftigten sich die Verkehrspolitiker bereits mit einer neuen unterirdischen Verbindung. Die FDP-Fraktion fordert die Stadtverwaltung in einem Ratsantrag auf, mit der Planung der Ost-West-U-Bahn zu beginnen. Diese Strecke, seit Jahren immer mal wieder im Gespräch, soll vom Heumarkt bis zur Universitätsstraße führen. Die Stadtverwaltung hält es für sinnvoll, die Planungen noch im laufenden Jahr aufzunehmen; so könnten die Arbeiten möglichst schnell nach der für 2010 geplanten Eröffnung der Nord-Süd-U-Bahn beginnen.
Dem FDP-Antrag zufolge soll ein Gutachter die Kosten einer Ost-West-Linie errechnen. Dabei sollen mehrere mögliche Trassen geprüft werden. Dazu zählt auch die Frage, wie die Verbindung zur Universität durch einen neuen U-Bahn-Tunnel verbessert werden kann.
Die unterirdische Ost-West-Strecke "ist insbesondere aus verkehrlichen und stadtgestalterischen Gründen von großer Bedeutung", findet FDP-Fraktionschef Ralph Sterck. Durch die Verbindung würden Heumarkt, Neumarkt und Rudolfplatz "von trennenden Gleisen befreit", ebenso die Aachener Straße. Das ermögliche eine ähnliche Aufwertung, wie sie die Ringe durch den Bau der U-Bahn erfahren haben. Den Neumarkt bezeichnet Sterck als "Herzstück" der Planung. Sollte die Haltestelle für die Linien 1, 7 und 9 unter die Erde verlegt werden, könnten sämtliche Fahrspuren auf die Südseite verlagert werden.
Die Kosten für die Ost-West-Trasse kann derzeit niemand benennen. Zum Vergleich: Die vier Kilometer lange Nord-Süd-U-Bahn vom Breslauer Platz bis zum Bonntor mit sieben unter- und einer oberirdischen Haltestelle verschlingt rund 780 Millionen Euro - 90 Prozent zahlen Bund und Land. Dabei ist in der neuen Station Heumarkt bereits eine Umsteige-Ebene für eine Ost-West-Bahn vorgesehen.
Die CDU habe grundsätzlich Zustimmung zu dem Ratsantrag angekündigt, so Sterck. Auf heftigen Widerspruch stößt die Planung dagegen bei den Grünen: "Das ist ein Wunschtraum der FDP, ähnlich unrealistisch wie der Bau einer weiteren Rheinbrücke und die Verbreiterung der Zoobrücke." Ihre Kritik: Die von der FDP geforderte Planung würde die Stadt Geld kosten und Arbeitskräfte der Verwaltung blockieren. SPD-Fraktionschef Martin Börschel hegt vor allem finanzielle Bedenken. "Es scheint festzustehen, dass in absehbarer Zeit eine Ost-West-U-Bahn nicht finanzierbar ist." Die SPD-Fraktion werde heute über den Antrag beraten, man sei "im Gespräch" mit den Liberalen, so Börschel.
Hajo Kuhlisch, der zuständige Dezernatsleiter bei der Bezirksregierung, hält es "für eine gute Entscheidung, wenn sich Köln Gedanken über die beiden großen Nahverkehrsprojekte in der Stadt macht": die oberirdische Verlängerung der Nord-Süd-Stadtbahn bis zum Bonner Verteiler oder eben die Ost-West-U-Bahn. "Die Kölner müssen sich zuallererst darüber klar werden, wie sie die Priorität setzen wollen", so Kuhlisch. Machbarkeit, mögliche Varianten und Kosten müssten untersucht werden. "Es ist unrealistisch, beides gleichzeitig verwirklichen zu wollen." Dann sei eine Abstimmung mit der Region über die Aufnahme in die entsprechenden Landes- und Bundesprogramme nötig. "Wie die Sache dann fachlich ausgeht, ist offen", so Kuhlisch.
Mut zu Visionen
Peter Berger zu den Kölner U-Bahn-Plänen
Nein, so richtig vorstellen kann sich das noch keiner. Der Neumarkt ohne Straßenbahn, keine nervigen Wartezeiten mehr für Autofahrer in der Innenstadt, weil die KVB zu den Hauptverkehrszeiten nahezu im Minutentakt zwischen Heumarkt und Neumarkt in beiden Richtungen mit Vorrangschaltung täglich Tausende Pendler transportiert. Derzeit ist weder klar, ob eine Ost-West-U-Bahn überhaupt finanziert werden kann und - falls ja - wann mit ihrem Bau begonnen werden könnte.
Dennoch ist es richtig, jetzt die Planungen für dieses Verkehrsprojekt in Angriff zu nehmen. Eine Stadt braucht Visionen - und dazu zählen auch Verkehrsprojekte, deren Sinnhaftigkeit unumstritten ist. Die Ost-West-Stadtbahn erscheint angesichts des Verkehrsaufkommens wichtiger als die Verlängerung der Nord-Süd-U-Bahn bis zum Bonner Verteiler. Allerdings nur, wenn gleich die große Lösung in Angriff genommen wird und die Bahn erst jenseits der Universitätsstraße aus dem Untergrund auftaucht.
Bisher ist das alles nur eine Vision - mehr nicht. Doch das war die Nord-Süd-Trasse vor Jahrzehnten ebenfalls. Und dennoch hat man am Breslauer Platz vor 40 Jahren schon den entsprechenden Abzweig geplant - und gebaut.
Hier geht es zu weiteren Meldungen und Initiativen der FDP zum Thema Verkehrspolitik.
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