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26.10.2005

Kölner Stadt-Anzeiger

Pressespiegel

Wolkenkratzer nur noch aus Plexiglas

RZVK-Hochhaus in Deutz
RZVK-Hochhaus in Deutz
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RZVK-Hochhaus in Deutz
Experten kritisieren Verwaltung - Investoren sehen in Deutz keinen Platz für Hochhäuser

Die Stadt habe es versäumt, sich an die Dynamik des Marktes anzupassen.

Von Peter Berger und Andreas Damm

Aus dem Stadtmodell im Spanischen Bau sind sie im Grunde schon verschwunden, bestehen nur noch aus Plexiglas-scheiben. In der Immobilienbranche gehen viele davon aus, dass die für Deutz geplanten Hochhäuser nie gebaut werden. So beschäftigt sich am 9. November eine Experten-Diskussion des „Forums für Architektur“, an der Projektentwickler, Immobilienfachwirte und Vertreter der Stadt teilnehmen, bereits mit der Frage: Was kommt nach den Hochhäusern?

In der Tat ist es fraglich, ob am Deutzer Bahnhof die vorgesehene Hochhausgruppe entstehen wird. Investor Joachim Tenkhoff hat für seinen Jahn-Turm bislang keinen Mieter gefunden, für die übrigen Gebäude haben sich noch nicht einmal Investoren gemeldet. Er habe mit der Stadt vereinbart, den Jahn-Turm der Lufthansa anzubieten, sagte Tenkhoff. „Mehr als die Hälfte der Büroflächen ist für die Lufthansa reserviert. Solange sich die Lufthansa nicht entschieden hat, können wir keine anderen Mieter werben.“ Die Lufthansa will bis Jahresende über ihren künftigen Standort entscheiden.

Nicht nur im Rathaus wachsen die Zweifel, dass die Wahl auf den Jahn-Turm fällt. „Es hat mich immer gewundert, wie die Lufthansa als Ankermieter für den Jahn-Tower ins Gespräch gekommen ist“, sagt Michael Becker, Leiter der Region West der Aurelis Real Estate GmbH. Die Fluggesellschaft wolle ihr jetziges Domizil, das Hochhaus an der Deutzer Brücke, doch verlassen, „weil ihr dort die Nebenkosten zu hoch sind“. Köln sei ein ausgezeichneter Bürostandort, der „wie alle anderen Großstädte derzeit zwar stagniert, aber auf hohem Niveau und mit vergleichsweise geringen Leerständen“. Die Grundstücke in Deutz seien für Hochhäuser aber bereits jetzt zu teuer. „Wenn man im Rechtsrheinischen mit Hochhäusern städtebauliche Akzente setzen will, muss man das in »Deutzerfeld« und Mülheim tun.“ Dort stimme mittlerweile die Infrastruktur, seien die Grundstückspreise niedriger, und „es gibt keine Probleme mit dem Dom“. Die Verwaltung habe es versäumt, Experten der Immobilienbranche in ausreichendem Maße zu befragen und der Dynamik des Marktes gerecht zu werden.

Hat sich die Stadt zu wenig um die Vermarktung gekümmert oder die Wirtschaftslage falsch eingeschätzt? „Aus Investorensicht ist Köln kein Markt für Hochhäuser. Das ist übrigens keine neue Erkenntnis“, urteilt Robert Bambach von der Hochtief-Projektentwicklung, die am Ottoplatz nahe dem Deutzer Bahnhof die Constantin-Höfe bauen. „Wir sprechen nicht über Häuser von bis zu 60 Metern. Die sind kein Problem.“ Darüber hinaus brauche man Mieter, die mindestens 10 000 Quadratmeter belegten. „Davon gibt es in Köln zu wenig. Wenn man Stadtverwaltung und Kölnmesse einmal außen vor lässt.“ Man könne der Stadt in Sachen Vermarktung keinen Vorwurf machen, „das ist schließlich nicht ihre Aufgabe“. Aus Investorensicht sei es dagegen problematisch, dass die Kommune möglichst hohe Grundstückspreise erzielen und gleichzeitig ihre städtebaulichen Interessen vertreten müsse. „Das lässt sich nicht immer in Einklang bringen.“

Zumal es innerhalb der Stadtverwaltung in der Hochhausdebatte längst keine einheitliche Position mehr gibt. Ein Insider der Branche: „Da bestehen unterschiedliche Interessen.“ Baudezernent Streitberger befürworte eine völlige Umplanung von Deutz, Stadtkämmerer Soénius wolle die Flächen so gut wie möglich vermarkten. Schließlich habe die Stadt rund 100 Millionen Euro gezahlt, um das Areal Barmer Viertel zu kaufen und die Menschen dort umzusiedeln. Der Schwung sei raus, seit Klaus Otto Fruhner in seiner Doppelfunktion als Dezernent für Wirtschaft und Stadtentwicklung aufgehört habe. „Unter Fruhner wurde das Ganze hochprofessionell betrieben. Jetzt gehen alle in die Knie wegen der Unesco.“

FDP-Fraktionschef Ralph Sterck schätzt die Lage ähnlich ein. „Die sind alle auf klassischem Rückzugskurs. Dabei sind die Langzeitfolgen nicht abzusehen.“ Das sei eine „typische Schramma-Reaktion“. „Er will ein Thema abräumen und lässt dabei perspektivisches Handeln vermissen. Ich bin vom OB in dieser Sache enttäuscht.“ Der FDP-Antrag, eine Entwicklungs-gesellschaft für das Deutzer Gelände zu gründen, werde immer wieder verschoben. Der Vorsitzende des Ratsausschusses für Stadtentwicklung, Karl Jürgen Klipper (CDU), tendiert zu einer neuen Planung. Dabei müssten höchste Ansprüche erfüllt werden. „An diesem Standort muss sich ein ganz hervorragendes Bild ergeben. Ob das unbedingt Hochhäuser sein müssen, überlasse ich den Stadtplanern.“ Klipper forderte „eine Architektur, die den Aufbruch des Rechtsrheinischen signalisiert“. Die Entscheidung über die Position der CDU habe allerdings nicht er zu treffen, sondern die Fraktion.


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