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13.04.2005

Express, Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnische Rundschau

Pressespiegel

Schweiß lassen für die Zukunft der Kölner Bühnen

Dr. Ulrich Wackerhagen
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Dr. Ulrich Wackerhagen
Express
IHK-Präsident: "Stadt hat die Oper verkommen lassen"

"Die Oper ist eine Katastrophe!" Harte Worte beim "12. Liberalen Kulturforum". Für Prof. Dr. Michael Werling, Dekan der Fakultät für Architektur an der FH Köln, ist klar: Der Riphahn-Bau muss weg. "Die Rohre sind defekt, das Wasser bahnt sich seinen Weg durch die Mauern - da kann es doch mit der Denkmalwertigkeit nicht weit her sein!"

Werling, einer von fünf Fachleuten (u. a. Schauspiel-Chef Marc Günther und Opern-Intendant Dr. Christoph Dammann) bei der FDP-Podiumsdiskussiion ließ seine Studenten Modelle für einen Opern-Neubau entwerfen. Anders Prof. Dr. Thomas Scheidler von der FH Aachen: "Die Riphahn-Oper würde ich so wie sie ist weiter bespielen!"

IHK-Präsident Paul Bauwens-Adenauer bremste die hochfliegenden Pläne: "Die Stadt Köln hat mal wieder alles verkommen lassen. Es gibt kein organisatorisches Konzept. Alles, was bis jetzt passiert ist, ist ein Gutachten. Das hat nichts mit Zukunftsplanung zu tun. Mir fehlt das Inhaltliche - erst dann kann man über Riphahn diskutieren!"


Kölner Stadt-Anzeiger
Gründliche Analyse statt kölscher Lösung
Kölner FDP diskutiert über die Oper

Vielstimmige Meinungen zur Zukunft der Häuser am Offenbachplatz

Von Christian Hümmeler

Trotz aller Vorstellungen, Pläne und Visionen zur Zukunft der Kölner Bühnen - was fehle, sei ein tragfähiges Konzept für die Zukunft, beklagte Paul Bauwens-Adenauer: „Hier ist ja gedanklich noch gar nichts sortiert.“ Der Präsident der Kölner Industrie- und Handelskammer gehörte zu den Diskussionsteilnehmern beim „Liberalen Kulturforum“ der FDP Köln, das sich der aktuellen Debatte um die Zukunft von Oper und Schauspielhaus widmete. Zur Einstimmung verlas Moderator Ulrich Wackerhagen, kulturpolitischer Sprecher der FDP im Stadtrat, eine Auswahl der Leserbriefe aus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, der von Verfechtern eines Neubaus wie von Befürwortern des Erhalts seit Wochen als Forum genutzt wird.

Vielstimmig waren die Meinungen auch bei der FDP: Man solle „den Denkmalschutz nicht so scholastisch diskutieren“, warb Thomas Scheidler, Dekan für Baugeschichte an der FH Aachen, für einen durchaus großzügigen Umbau des Opern-Ensembles am Offenbachplatz. Mit Einschränkungen: „Ich würde nicht einfach alles wegradieren“, so der Architekt. „Wir haben zu oft unsere Geschichte wegradiert.“ Sein Kollege Michael Werling, Dekan der Fakultät für Architektur an der FH Köln, ging indes noch einen Schritt weiter: „Man kann nicht immer in alten Gemäuern verharren.“ Die Oper könne er sich durchaus auch an einem anderen Ort vorstellen („ein neuer Leuchtturm für Köln“), während der Altbau künftig für Schauspiel und Musicals zur Verfügung stünde. Ohne das jetzige Schauspielhaus und das Opernhausrestaurant allerdings. Hier könne eine partielle Neubebauung für eine neue, bessere Fassung des gesamten Platzes sorgen, so Werling.

„Ein lebendiges, urbanes Umfeld“ sei für die Bühnen essenziell, sagte Schauspielintendant Marc Günther. „Ein Theater gehört in die Stadt - aber es muss effektiv arbeiten können.“ Ein neues Produktionszentrum auf der grünen Wiese sei eine Möglichkeit, um Teile des „teuren Innenstadtraums“ für andere, kommerzielle Nutzungen freizumachen Was die bestehenden Gebäude betreffe, so fände er den Innenraum der Oper wunderschön. „Den des Schauspiels weniger.“ Auch außen müsse sich manches ändern, befand Christoph Dammann. Der Intendant der Oper hält den Offenbachplatz für einen „toten und verwahrlosten Platz im Herzen der Stadt“, der eine „ganztägige Belebung erfordere“. Das könne etwa durch eine Öffnung des Opernfoyers für Geschäfte und Gastronomie geschehen. Bei allen Plänen aber gelte aufgrund des desolaten Zustandes der Oper: „Wir dürfen keine Zeit verlieren.“

Vordringlich jedoch sei nun, so Paul Bauwens-Adenauer, eine gründliche und professionelle Analyse der Situation. Am besten durch externe Experten: „Wir brauchen keine kölsche Lösung.“ Erst wenn klar sei, was man wirklich wolle, benötige und auch bezahlen könne, sei die Zeit für einen Architektenwettbewerb gekommen. Möglicherweise dann auch für eine große Lösung, zu der für Bauwens-Adenauer zwingend die Tieferlegung der Nord-Süd-Fahrt gehört: „Bitte nicht so kurz greifen wie sonst.“


Kölnische Rundschau
Liberales Kulturforum diskutierte über Oper und Schauspiel

Von Brigitte Schmitz-Kunkel

Zum Schluss wollte ein Zuhörer noch etwas zurecht rücken: "Hier ist der falsche Eindruck entstanden, es sei gefährlich, eine Vorstellung der städtischen Bühnen zu besuchen", erklärte Ottmar Berger vom Personalrat der Bühnen und appellierte ans Publikum: "Kommen Sie, Sie sind sicher - jede Vorstellung wird von TÜV und Bauaufsicht abgenommen!" Dass das aber bald vielleicht nicht mehr so sein wird, wurde eben an diesem Abend wieder deutlich. Die Kölner FDP hatte am Montag zu ihrem 12. Liberalen Kulturforum ins Kunsthaus Lempertz geladen - Thema der gut besuchten Diskussion waren einmal mehr "Schauspiel und Oper der Stadt Köln im 21. Jahrhundert".

"Eine schöne Gelegenheit, laut zu denken und zu träumen", sah FDP-Kultursprecher und Moderator Ulrich Wackerhagen. Auf dem Podium saßen Schauspiel-Intendant Marc Günther und sein Opern-Kollege Christoph Dammann, IHK-Präsident Paul Bauwens-Adenauer sowie die Architektur-Professoren Thomas Scheidler (FH Aachen) und Michael Werling (FH Köln).

Dass deren Sache in der Tat das Träumen war, zeigte sich schnell: Als "Leuchtturm" wünschte sich Werling eine neue Oper inklusive Kammermusiksaal, Kinderoper, Musikhochschule an Breslauer Platz oder Deutzer Rheinufer; zusätzlich könnte der sanierte Riphahn-Bau für Werling ein weiteres kulturelles "Highlight" sein. Scheidler hingegen gefiel die Idee eines "neutral bespielbaren" Mehr-Säle-Neubaus, beispielsweise an Stelle des künftigen Kulturzentrums am Neumarkt. Der Oper am Offenbachplatz wiederum attestierte der Aachener Professor zur allgemeinen Verblüffung, "gar nicht so marode" zu sein. Dass das Wort Geld bei beiden nicht fiel, zeigte das Dilemma auch dieser Diskussionsrunde, die sich insgesamt für eine Art "moderate" Denkmalpflege aussprach.

"Keine Zeit zu verlieren"

Visionen zur Zukunft der Bühnen lassen zwar auch die Fachleute gerne zu, die sich, wie Marc Günther, aus künstlerischen wie finanziellen Grünen eine Trennung von Produktion und Spielstätten vorstellen können. "Keine Denkverbote" ist die Devise von Christoph Dammann, der aber eines unermüdlich betonte: "Es brennt, wir haben keine Zeit zu verlieren".

So sieht es wohl auch Paul Bauwens-Adenauer, der Wackerhagens Frage nach Finanzhilfe durch die Wirtschaft konterte mit der Forderung nach grundlegend neuen städtebaulichen Konzepten (z.B. zur Tiererlegung der Nord-Süd-Fahrt) und Gutachten: "Die Politiker sollen jetzt mal Schweiß investieren, nachdem sie jahrelang alles haben vergammeln lassen!"

Einen "Generalplan" für Köln forderte auch Auktionator Henrik Hanstein in der Diskussion - und überraschte mit Kritik am Detail: Durch Plakate, Transparente, falsche Nutzung des Opern-Foyers finde bei den Bühnen geradezu eine "Verslummung durch die Hausherren" statt.


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