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22.11.2004

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Daimagüler und Doerfer zur Demonstration in Köln

Mehmet Daimagüler
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Mehmet Daimagüler
Berlin. Anläßlich der Demonstration von Muslimen am Sonntag in Köln erklären das Bundesvorstandsmitglied der FDP, Mehmet Daimagüler, und der Bundesvorsitzende der Liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung (LTD), Achim Doerfer:

"Zum ersten Mal diskutiert die deutsche Politik ernsthaft über die Zukunft des Islams in Deutschland. Jedoch fehlt auf muslimischer Seite ein legitimierter Gesprächspartner. Religiöse Dachverbände wie der Zentralrat der Muslime und der Islamrat repräsentieren nur ihre jeweiligen Moscheevereine. Sie vertreten eine tendenziell orthodox-religiöse Minderheit, nehmen für sich aber in Anspruch, für alle Muslime zu sprechen. Die ganze Vielfalt des Islams, die überwiegend weltlich denkt und lebt, vertreten sie nicht.

Schlimmer noch: Diese Verbände haben keinen Beitrag zur Frage geleistet, wie ein europäischer Islam aussehen muss, damit Gläubige im Einklang mit Koran und Grundgesetz leben können. In der Türkei gibt es intensive theologische und politische Diskussionen darüber, ob die Geschlechtertrennung oder der Kopftuchzwang religiös vorgeschrieben sind, und man denkt dort über weibliche Vorbeterinnen nach. Solche Diskussionen und beispielsweise eine echte Mitwirkung der zahlreichen islamischen Frauenverbände finden in Deutschland kaum statt.

Symbolhafte "Tage der offenen Moschee" ersetzen kein ernsthaftes Nachdenken über Demokratie und Islam. Die bestehenden Verbände haben die Integration des Islams in Deutschland bislang eher verhindert als gefördert. So wie der Zentralrat der Juden als politisches Organ ungeachtet aller internen Diskussionen das Deutsche Judentum politisch vertritt, muss auch der Deutsche Islam ungeachtet der unterschiedlichen religiösen Strömungen politisch mit einer Stimme sprechen können.

Ein solches zentrales Islampräsidium muss demokratisch durch die in Deutschland lebenden Muslime legitimiert sein. Wir wollen, dass alle Muslima und Muslime in Deutschland dieses Gremium wählen können, das dann von der Politik als Körperschaft des öffentlichen Rechts als Gesprächspartner akzeptiert werden muss. Unsere Gesellschaft ist zur klugen Problemlösung fähig. Die zum Teil antiislamische Hysterie der letzten Tage führt nicht weiter."

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