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02.07.2004

FDP-Landtagsfraktion NRW

Meldung

FDP beim Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung

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Arbeitskreis für Landwirtschaft und Umwelt in Köln

„Wer über die Zukunft der nordrhein-westfälischen Landwirtschaft diskutieren will, muss auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen und auf die globalen Zusammenhänge blicken.“ Dies war eines der Ergebnisse des Besuches der agrar- und umweltpolitischen Fachpolitiker der FDP-Landtagsfraktion beim Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung (MPIZ) in Köln. Im Gespräch mit Prof. Dr. Heinz Saedler, einem der Direktoren des Instituts, sowie mit Dr. Wolfgang Schuchert informierten sich die FDP-Landtagsabgeordneten Felix Becker, Holger Ellerbrock, Stefan Romberg und Friedrich Wilke über die Perspektiven der Weltlandwirtschaft.

Prof. Saedler erläuterte, dass man gewisse globale Eckwerte zur Kenntnis nehmen müsse: Bis zum Jahr 2030 werde die weltweite Nachfrage nach Nahrungsmitteln um 60 Prozent steigen. Hauptursache sei das Bevölkerungswachstum. Hinzu käme, dass sich die Ernährungsgewohnheiten verändern würden. Die Nachfrage nach Fleisch werde drastisch ansteigen, sagte Prof. Saedler. Bereits jetzt würde beispielsweise der wachsende Fleischkonsum in China zu einer steigenden Nachfrage nach Mais auf dem Weltmarkt führen. Für andere Länder wie Indien sei eine ähnliche Entwicklung zu erwarten. Auf der anderen Seite sei die verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche durch Erosion und Wüstenbildung eher rückläufig. Entscheidend sei, so Prof. Saedler, welche Produktivitätsfortschritte zu erwarten seien. Die konventionelle Landwirtschaft könne dies nicht in Gänze leisten, da optimale Erträge nur an äußerst günstigen Standorten zu erzielen seien.

Gemeinsam mit den FDP-Agrarpolitikern, Felix Becker und Stefan Romberg, stimmte Prof. Saedler darin überein, dass die Grüne Gentechnik zukünftig ein entscheidender Faktor sei, um die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten sicherzustellen. „Die Dritte Welt darf mit dieser Aufgabe nicht alleine gelassen werden. Die Industrieländer tragen hier Verantwortung“, sagte Stefan Romberg, Ernährungsexperte der Landtagsfraktion.

Die Vorbehalte vieler Verbraucher bei uns müsse man ernst nehmen. Allerdings sei kaum ein anderer Bereich derart intensiven Kontrollen unterworfen und werde auf mögliche Risiken getestet, wie gentechnisch veränderte Organismen und deren Verwendung, erläuterte Prof. Saedler. Die Chancen seien hingegen nicht zu übersehen, so etwa die gesteigerte Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge oder eine verbesserte Toleranz an ungünstigen Standorten. Allerdings habe die Gentechnik auch ganz konkrete und unmittelbare Vorteile: In China sei durch den Anbau insektenresistenter Baumwolle der Pestizideinsatz um 78.000 Tonnen zurückgegangen. Gleichzeitig sei die Zahl der Vergiftungsfälle bei den Anwendern drastisch gesunken.

Als umweltpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion wies Holger Ellerbrock auf die positiven Effekte der Grünen Gentechnik hin, die auch hierzulande zu erzielen seien: Der verminderte Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln würde auch hier der Umwelt zugute kommen. „Diesen Chancen darf man sich nicht verschließen, indem die Grüne Gentechnik von vornherein ohne wissenschaftliche Fakten und aus rein ideologischen Gründen verteufelt wird“, so Ellerbrock.

Auf Nachfrage des forschungspolitischen Sprechers der FDP-Landtagsfraktion, Friedrich Wilke, bestätigten Prof. Saedler und Dr. Schuchert, dass die forschungspolitischen Rahmenbedingungen unbefriedigend seien. Angesichts der massiven Restriktionen seien internationale Wissenschaftler kaum an den Forschungsstandort Deutschland zu locken. Gleichzeitig würden die klügsten Köpfe auf diesem Gebiet Deutschland verlassen. Der Verlust an zukunftsrelevantem Wissen sei beträchtlich. Das neue Gentechnikgesetz der Bundesregierung verschärfe diese Lage noch, so Wilke. Selbst der Erprobungsanbau werde jetzt de facto unterbunden.

„Aufklären statt Vorurteile kultivieren“. Dies müsse nach Ansicht der FDP-Landtagsabgeordneten das Leitbild zukünftiger Politik sein: „Die Ängste der Verbraucher sollen von der Politik ernst genommen werden. Die Diskussion um die Zukunft der Grünen Gentechnik muss sich jedoch an den wissenschaftlichen Fakten orientieren und ergebnisoffen geführt werden. Wer die Vorbehalte der Verbraucher für politische Kampagnen nutzt, wird dem Thema Grüne Gentechnik nicht gerecht“, so Felix Becker, agrarpolitischer Sprecher der Liberalen im Düsseldorfer Landtag.


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