In der Diskussion um den „Köln Tower“ wirft Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz dem Beigeordneten Klaus-Otto Fruhner mangelnde „Planungskultur“ vor.
Von Andreas Damm
Im Rathaus gibt es erneut Streit um ein geplantes Hochhaus. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Barbara Moritz, ärgert sich darüber, wie der „Köln Tower“ in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung vorgestellt worden ist. Moritz wirft dem Dezernenten für Stadtentwicklung, Klaus-Otto Fruhner, in einem Brief vor, er habe die Öffentlichkeit falsch informiert.
Der von dem international bekannten Architekten Helmut Jahn entworfene Büro-Turm soll am Ottoplatz vor dem Deutzer Bahnhof gebaut werden. Hintergrund des Streits: Nach einer Vorbesprechung mit Vertretern der vier Ratsfraktionen hat der Investor, die Berliner Tenkhoff Properties GmbH, die Bereitschaft verkündet, auf die ursprünglich geplanten 110 Meter noch einmal 10 Meter draufzusetzen; die Anregung dazu stammte von FDP-Fraktionschef Ralph Sterck. In der Besprechung mit den Politikern hatten Bauherr und Architekt sich noch skeptisch geäußert. Aus „Respekt vor dem Dom“ sei ein höheres Gebäude nicht wünschenswert, wird Jahn zitiert. Investor Joachim Tenkhoff hat auf das größere wirtschaftliche Risiko hingewiesen. In den Ausschuss-Sitzung wenige Tage später erfuhren die Ratsmitglieder dann zur ihrer Überraschung, der Turm solle nun doch um zwei Geschosse auf 120 Meter aufgestockt werden.
Fruhner begründete die geänderte Planung mit dem Wunsch „der Politik“. Dabei erwähnte er namentlich ausgerechnet die grüne Fraktionschefin, die für ihre vergleichsweise kritische Haltung zu Hochhäusern in der Nähe des Doms bekannt ist. „Mir in der Sitzung so etwas in den Mund zu legen, ist der Gipfel“, schimpft Moritz. Für sie gehe es „nicht um eine persönliche Fehde zwischen mir und Herrn Fruhner, sondern um Planungskultur“. Offenbar versuche der Dezernent, am Rat vorbei seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen.
Fruhner hält das Ganze für ein Missverständnis. Er befürworte ebenso wie der Investor und der Architekt die weniger hohe Variante. Bauherr Joachim Tenkhoff sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, er wäre mit 110 Metern vollauf zufrieden, würde auf Wunsch des Rates aber auch höher bauen: „Wir werden uns auf jeden Fall an den Bebauungsplan halten.“ CDU-Fraktionschef Karl-Jürgen Klipper hält es „für nicht entscheidend, ob das Gebäude 110 oder 120 Meter hoch ist“. Es komme vor allem darauf an, „dass so ein Haus die optimale Größe für sein Umfeld hat“. „Städtebaulich würde an dieser Stelle sogar eine Höhe von 150 Metern Sinn machen“, findet FDP-Politiker Sterck. Der „Köln Tower“ ist Teil einer Gruppe von vier Hochhäusern, die auf der Grundlage eines städtebaulichen Wettbewerbs der Umgebung des Deutzer Bahnhofs einen neuen Charakter als Dienstleistungszentrum verleihen sollen.
Ein weiteres Hochhaus (103 Meter) will der Landschaftsverband (LVR) an der Auffahrt zur Hohenzollernbrücke bauen. Im schwarz-grünen Bündnis ist das Vorhaben umstritten, noch hat der Rat die Pläne nicht gebilligt. Die Entscheidung soll nach einer Fachtagung am 14. November fallen, zu dem die Verwaltung außer Architekten und Stadtplanern auch einen Vertreter der Unesco eingeladen hat; die Sonderorganisation der Vereinten Nationen sorgt sich um die Wirkung des Weltkulturerbes Dom, wenn weniger als einen Kilometer entfernt ein Hochhaus gebaut wird.
Der Landschaftsverband, heißt es, will sein Geld an anderer Stelle verbauen, sollte bis Ende November keine Zusage der Stadt vorliegen. Der Kran steht noch“, sagte LVR-Sprecher Achim Hermes. „Das zeigt, dass wir guten Willens sind.“
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