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04.11.2001

FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln

Reden

Genscher: "Neven DuMont, ein streitbarer Demokrat!"

Hans-Dietrich Genscher
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Hans-Dietrich Genscher
Außenminister a.D. Hans Dietrich Genscher hielt die Laudatio für den neuen Ehrenbürger Alfred Neven DuMont. Hier Auszüge:

Es ist mir eine besondere Ehre und Freude, aus Anlass der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln an Alfred Neven DuMont sprechen zu dürfen. Der Rat der Stadt Köln - wir haben es gerade aus dem Urkundentext gehört - verleiht Alfred Neven DuMont die Ehrenbürgerwürde in Anerkennung seines lebenslangen und herausragenden Einsatzes für das Wohl seiner Heimatstadt Köln, aber genauso für soziale, kulturelle und wirtschaftliche Fragen. Denn Alfred Neven Dumont wirkt weit über Köln hinaus. Er ist nicht nur ein herausragender Verleger, Unternehmer sowie Kunstliebhaber und -förderer, er ist - und das mag auch zur Triebfeder in anderen Bereichen geworden sein - ein streitbarer, ein bekennender Demokrat.
Immer wieder greift er selbst zur Feder, wenn es um Fragen geht, die ihm besonders wichtig sind. Er weiß, dass ein Unternehmer als Verleger in einer freien Gesellschaft eine besondere Verantwortung trägt. Er flüchtet sich deshalb nicht in die Anonymität, er sagt seine Meinung: mit seinen Leitartikeln den Lesern seiner Zeitungen, und damit seinen Redaktionen natürlich auch. Er scheut sich dabei nicht, zu ganz aktuellen und hochpolitischen Fragen Stellung zu nehmen. Darf er das als Verleger und als Herausgeber? Ich meine, er darf, und mehr noch, er sollte es auch in Zukunft tun.

Noch gut erinnerlich ist, dass er durchaus Verärgerung erzeugte, als er im Jahre 1969 vor der Bundestagswahl dazu aufrief, eine Koalition aus SPD und FDP zu unterstützen, um einen Wendepunkt in der deutschen Nachkriegsgeschichte herbeizuführen. Er kannte das Leben gut genug um vorauszusehen, dass er damit nicht nur Zustimmung ernten, sondern auch Anstoß erregen würde. Er tat es dennoch. Und ganz offen gesagt, mir ist ein Verleger lieber, der in seiner Bürgerverantwortung selbst schreibt, was er denkt, als einer, der andere schreiben lässt, was er ihnen aufträgt.

Im Übrigen hat er seine parteipolitische Unabhängigkeit in der Folgezeit durchaus unter Beweis gestellt. Er hat sich nicht gescheut, bei anderen Gelegenheiten die 1969 von ihm unterstützten Parteien hart zu kritisieren. Er hat nicht nur mit dem „Kölner Stadtanzeiger“ dazu beigetragen, dass Köln heute in seinem kulturellen Leben, in seiner kulturellen Vielfalt und in seiner geistigen Atmosphäre eine einzigartige Stellung unter den deutschen Städten einnimmt. Sein Unternehmen, die Gruppe M. DuMont Schauberg (MDS) ist mit ihren regionalen Titeln - neben dem Stadtanzeiger sind dies die „Kölnische Rundschau“, „Express“ und die „Mitteldeutsche Zeitung“ in Halle - bei einer täglichen Auflage von 1,1 Millionen der viertgrößte Zeitungsverlag in Deutschland.

Und wer sich der Kunst über die Medien annähern will, der kommt um den Namen DuMont nicht herum. Seine Zeitungen mit ihren viel beachteten Kommentaren - man höre nur die Kommentarübersichten der deutschen Rundfunkanstalten - sind stets für die innere Liberalität unseres Landes und für seine Weltoffenheit eingetreten. So ist Alfred Neven DuMont ein politischer Mensch, ein Bürger, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält, und das nicht nur im geschriebenen Wort, sondern auch im gesprochenen. Seine Reden als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Zeitungsverleger in der ersten Hälfte der achtziger Jahre (1980 bis 1984) und als Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Köln in den neunziger Jahren (1990 bis 1998) haben das immer wieder bewiesen.

Als Verleger hat er die Interessen seines Berufsstandes vertreten, hat mit seinen medienpolitischen Beiträgen in schwierigen Zeiten die Position der Presse gestärkt, die Zukunftsaufgaben für diesen Bereich deutlich gemacht und nicht zuletzt auch die Region durch sein Wirken gestärkt. Dass es nicht zu einer inneren Gleichsetzung der Presse kam, hat auch etwas zu tun mit einem unermüdlichen Bohren für Pressefreiheit und -unabhängigkeit. Seine Amtszeit als Präsident nutzte er auch zu Neustrukturierungen und Verbesserungen innerhalb der jeweiligen Verbände. Und - ein Beispiel aus jüngster Zeit - er war zur Stelle, als die Region durch den Umzug des Regierungssitzes vom Rhein an die Spree vor neue Herausforderungen gestellt wurde. Auch das weist ihn als Bürger und Unternehmer aus, der sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist.

Er selbst sieht sich in erster Linie als verantwortungsbewusster Journalist, die wirtschaftliche Seite sieht er eher als zweites Bein, als „die Pflicht neben der Kür“, wie er es einmal sagte. Sein besonderes Anliegen ist die Medienpolitik. Er hat, als die Entwicklung der „neuen Medien“ Mitte der achtziger die Medienlandschaft deutlich veränderte, auch hier nie Berührungsängste gezeigt. Im Gegenteil. Für sein Anliegen, das Medium „Zeitung“ auch in Zukunft zu erhalten und den elektronischen Medien gegenüber konkurrenzfähig zu machen, hat er diese genutzt, um den Wandel selbst zu bewerkstelligen. Und - eine Zeitung, so sein Credo, muss sich stets als Instanz der Bürger verstehen. Die Nähe zum Leser, der Service und die Information über die Lebensbereiche, die die Leser tagtäglich ganz unmittelbar erfahren, in ihren Stadtteilen und in ihrer Region, muss die Zeitung von Morgen nach seiner Überzeugung auszeichnen.

Die Zeitungen, für die er Verantwortung trägt, haben heute ein unverwechselbares Gesicht. Sie sind Ausdruck der Identität dieser Region geworden, ja, sie sind zu Markenzeichen dieser Kulturlandschaft geworden, in der Toleranz und Weltoffenheit zu Hause sind. Die Ausstrahlung und die Wirkung der Kulturstadt Köln ist der Beweis dafür. Seine Aufgeschlossenheit als Unternehmer und Verleger anderen Medienbereichen gegenüber beweist der Ausbau des Pressehauses zu einem großen Medienunternehmen, der M. DuMont Schauberg- Unternehmensgruppe.

Seine offene Haltung gegenüber Neuem ließ Alfred Neven DuMont nicht zögern, nach der Vereinigung unseres Landes zum Aufbau und zur Entwicklung einer vom Geist der Freiheit bestimmten Kultur- und Presselandschaft in den neuen Bundesländern einen Beitrag zu leisten. Für Alfred Neven DuMont war die große Wende 1989 / 90 eine Herausforderung als Bürger in der Demokratie und als Unternehmer in einer marktwirtschaftlichen Ordnung. Er erwarb die SED-Parteizeitung in Halle an der Saale; ihr Name war - als täglich neuer Widerspruch in sich - „Freiheit“. Sie ist heute unter dem Namen „Mitteldeutsche Zeitung“ die Zeitung für den ganzen Süden Sachsen-Anhalts und - wenn ich es richtig sehe - die drittgrößte Tageszeitung in Deutschland.

Sie feierte zu Beginn des Jahres ihr zehnjähriges Bestehen. Schon im Frühjahr 1990 nahm er Kontakt nach Halle auf. Wenn er selbst über die bewegende Zeit der Wende spricht, dann wird deutlich, dass er sich damals vor allem als Partner verstanden hat. Er hatte das leider seltene Gespür für Befindlichkeiten im Osten. Er begleitete den Neuanfang mit dem Konzept einer Regionalzeitung, die für Weltoffenheit und landsmannschaftliche Identität steht. Wenn Alfred Neven Dumont über seine Erlebnisse und Erfahrungen in den bewegenden Jahren der Wende 1989 / 90 berichtet, seine ersten Begegnungen und Kontakte im Februar 1990 nach Halle, zur „Freiheit“, wie die Zeitung damals noch hieß, dann wird deutlich, worauf es im Umgang zwischen Ost und West vor allem ankommt: Er wusste: Niemand ist mit leeren Händen in das vereinte Land gekommen.

Die Deutschen im Westen kamen mit der großen Errungenschaft einer freiheitlichen und stabilen Demokratie und einer leistungsfähigen sozialen Marktwirtschaft. Die Deutschen im Osten kamen mit dem kostbaren Gut selbst und friedlich errungener Freiheit. Aus diesem Verständnis heraus mahnt die „Mitteldeutsche Zeitung“ immer wieder zu mehr Verständnis zwischen West und Ost. Das ist das Gegenteil der „Reichen Onkel“- und Belehrungsmentalität, die viel zu neuer Entfremdung beigetragen haben. Er wusste, dass sich die Deutschen in West und Ost auf gleicher Augenhöhe begegnen müssen - und auch können. Aus dieser Verantwortung heraus hat sich die Mitteldeutsche Zeitung der Vergangenheit gestellt, in Schrift, Wort und Bild. „Daraus“, so Alfred Neven DuMont, „erwächst für uns alle die Verpflichtung für das Heute.“

Und die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen entspricht der Mentalität und der Tradition der Hallenser. Der Wille zu Freiheit, Fortschritt und sozialer Verantwortung war in dieser Stadt immer zu Hause. In Halle ist durch das Engagement und die tatkräftige Unterstützung Alfred Neven DuMonts nicht nur eine führende deutsche Tageszeit sondern auch eines der modernsten Druckhäuser in Europa entstanden. Was es bedeutet, wenn man sich ohne Vorbehalte und mit unvoreingenommenem Vertrauen begegnet, das zeigt alleine die kleine Anekdote, nach der die ersten Gespräche über die Zeitung „Freiheit“ auf Einladung Neven DuMonts in Köln stattfanden, und das zur Karnevalszeit! Man lernte sich auf Grund der Umstände in der „Jecken-Uniform“ kennen.

Diese Zeit war von Improvisation und großem persönlichen Einsatz auf beiden Seiten geprägt. Später entstanden viele neue menschliche Kontakte zwischen den beiden Häusern in Köln und Halle. Daraus wurde ein wichtiger Beitrag zur inneren Vereinigung Vereinigung. So ist der neue Ehrenbürger Kölns durch sein offenes Zugehen auf die Menschen im Osten auch zu einem Baumeister und Türöffner innerhalb des Hauses Deutschland geworden. Das möchte ich als Dank meiner halleschen Mitbürger hier in Köln in der Heimatstadt Alfred Neven DuMonts zum Ausdruck bringen. Ich tue das auch als Ehrenbürger meiner Heimatstadt Halle an der Saale, weil ich weiß, dass die heute vorgenommene Ehrung durch die Bürgerschaft Kölns für Alfred Neven DuMont in gleicher Weise berührt, wie ich das vor zehn Jahren in Halle bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an mich empfunden habe.

Das Engagement Alfred Neven DuMonts für meine mitteldeutsche Heimat reicht über Halle hinaus: Aus der Überlegung heraus, der Stadt Wittenberg als Wiege des Luthertums neue, weltweite Bedeutung zu verleihen, entstand dort auf seine Initiative hin das Luther-Zentrum Wittenberg. Es eröffnet jedem, der sich mit Martin Luther und der Reformation näher auseinandersetzen möchte, sei es als Besucher der Stadt oder aus wissenschaftlichen oder religiösem Interesse, den Zugang zu den entsprechenden Informationen. Auch hier steht die Aufforderung, sich eine eigene Meinung zu bilden, im Vordergrund. Und ich bin mir sicher: Martin Luther, würde er noch leben, käme gar nicht darum herum, zumindest die Mitteldeutsche Zeitung zu lesen, und den Kölner Stadtzeiger natürlich auch! Den Redaktionen wären damit aber auch geharnischte Leserbriefe in ebenso drastischer wie kraftvoller Sprache gewiss.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass Alfred Neven DuMont vor dem Hintergrund seines medienpolitischen Engagements und seiner Tätigkeit als Verleger in meiner Heimatstadt Halle im vergangenen Monat zum Honorarprofessor für Medienpolitik und Medienökonomie am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg ernannt worden ist. Die Studierenden dürfen sich - da bin ich mir sicher - nicht nur auf eine lehrreiche sondern auch auf eine spannende Auseinandersetzung mit ihm freuen. Als eine Person des öffentlichen Lebens, die die medienpolitische Entwicklung der Presselandschaft in der Bundesrepublik Deutschland entscheidend geprägt hat, kann er nicht nur Erfahrungen aus erster Hand weitergeben. Er wird sicher auch immer ein hervorragender Gesprächspartner sein, wenn es um die Grundorientierungen und Werte des Journalistenberufes geht.

Diese Erfahrungen lassen sich nicht nur im regionalen Bereich machen. Über die regionalen Grenzen hinaus weist deshalb Alfred Neven DuMonts Anregung zur Gründung einer Internationalen Journalistenschule mit Standort in Köln. Der europäische Gedanke steht hier im Vordergrund, um den Herausforderungen der Globalisierung gerecht zu werden. Er hat - wie ich meine - richtig erkannt, dass die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, nur gemeinsam zu bewältigen sind. Dies zeigt die geschichtliche Erfahrung der Aussöhnung und Integration in Europa in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, und dies ist das Vermächtnis, das wir mit in das 21. Jahrhundert nehmen.

In einer Zeit, in der Mobilität zum bestimmenden Merkmal für alle Lebensbereiche geworden ist, in der es keine Grenzen und weit entlegene Regionen mehr gibt, ist eine internationale Ausbildungseinrichtung, der auch der traditionelle Pressestandort und die Medien- und Kulturstadt Köln den richtigen Rahmen bieten, ein Gebot der Stunde. Dem Verständnis der sich verändernden Welt kann Rechnung getragen werden, wenn - wie Neven DuMont es sagt, - „Journalisten mit entsprechender Qualifikation über Europa berichten“. Und er fügt hinzu: „Wir müssen bereit sein, auch von anderen zu lernen.“ Auch in dieser Initiative zeigt sich wieder - wie es im Urkundentext heißt - „die Trias aus Verlegertum, Kulturförderung und sozialem Engagement“, die sich mit seinem Lebenswerk verbindet.

Sie wird heute zu Recht mit der Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Köln gewürdigt. Dazu gratuliere ich herzlich - dem Geehrten, aber auch denen, die ihn mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde ehren. Und ich bin mir sicher: Die besondere Ehre, die ihm mit der heutigen Auszeichnung zuteil wird, wird ihn in seinem Engagement auch in Zukunft anspornen. Wir werden noch viel von ihm zu erwarten haben. Auch dafür gelten ihm mein Dank und meine besten Wünsche!


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