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06.01.2017

KölnLiberal - Zeitschrift für Freie Demokraten in Köln

Pressemeldung

"Man muss sich nicht dafür schämen, sich mit dem Auto zu bewegen"

Reinhard Houben, MdR
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Reinhard Houben, MdR
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Reinhard Houben, MdR
Im Gespräch mit Reinhard Houben
Herr Houben, im kommenden Jahr stehen in Nordrhein-Westfalen zwei große Wahlen ins Haus. Sie kandidieren als Spitzenkandidat der Kölner Freien Demokraten für den Bundestag. Was ist Ihre Motivation?

Die letzte Bundestagswahl war für mich ein großer persönlicher Schock. Ich habe mir nie vorstellen können, dass die FDP einmal nicht mehr im Deutschen Bundestag vertreten sein wird. Und die letzten Jahre haben auch gezeigt, dass die Lebenseinstellung, die inneren Werte, die ich mit mir herumtrage, von sonst niemandem im Bundestag mitgetragen und vorgetragen werden. Und ich habe eine gewisse Erfahrung, die FDP wieder erfolgreich zurück in den Rat und auch in den Landtag mit zu führen. Wir sind 1994 aus dem Rat rausgeflogen, dass hat uns allen sehr weh getan. Wir haben uns zusammengerauft in Köln und unter Führung von Ralph Sterck 1999 den Wiedereinstieg ins Kölner Politikgeschäft erreicht. Seitdem haben wir eine erfolgreiche Ratsfraktion, da habe ich mitgemacht. Auf Landesebene habe ich mit einigen Kreisvorsitzenden hier aus dem Bezirksverband, Christian Lindner, Werner Hümmrich und Andreas Pinkwart, die drei vor allen Dingen, nach der Möllemann-Krise dafür gesorgt, dass wir uns auf Landesebene neu aufgestellt haben. Unser Kreisverband in Köln hat Andreas Pinkwart ja die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, damit er eine eigene Kampagne führen konnte, und ich habe auch meinen persönlichen Beitrag dazu geleistet, dass er auf dem Landesparteitag in Düsseldorf kandidiert hat. Durch diese Personalentscheidung haben wir es geschafft, auch in Nordrhein-Westfalen politisch wieder ins Geschäft zu kommen und wieder in den Landtag einzuziehen. Und das möchte ich jetzt beim Bundestagswahlkampf auch wieder schaff en. Deshalb mache ich mit.

Mehr Bildung und mehr Digitalisierung: Ist das der Weg, auf dem Christi an Lindner die FDP zurück in den Bundestag führen wird?

Sicher sind die Themen Bildung und Digitalisierung sehr wichtig und ich bin froh, dass Christi an Lindner diese Themen immer wieder anspricht. Wenn man aber über Bundestagswahlkampf spricht, muss man sehen, dass die Bildungspolitik, zumindest im Moment, fast hauptsächlich Ländersache ist. Inhaltlich bin ich der Meinung, der Bund müsste sich mehr in die Bildung einmischen, aber dafür müssten wir in Berlin erst einmal die Gesetzesgrundlagen schaffen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Digitalisierung kommt, unabhängig davon, ob die Politik das will oder nicht. Es ist eine Kernaufgabe für uns, eine Infrastruktur zu schaffen, dass man im Rahmen dieser neuen Technologie wirklich gut ausgestattet ist. Damit nicht nur Unternehmen, sondern auch Freiberufler und Privatleute die ganzen Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpfen können. Es kann nicht sein, dass wir uns in bestimmten Gegenden über Schlaglöcher aufregen und gleichzeitig auch noch über Funklöcher. Ein weiteres wichtiges Thema darüber hinaus ist aber auch, wie wir im postfaktischen Zeitalter wieder dazu kommen, Fakten wahrzunehmen und auf Grundlage von Fakten Entscheidungen zu fällen. Hier sehe ich meinen persönlichen Schwerpunkt natürlich in der Wirtschafts- und Mittelstandspolitik.

Als Mitglied des Rates sind Sie mit den großen und kleinen Problemen unserer Stadt bestens vertraut. Welche Möglichkeiten sehen Sie für sich in Berlin, positiv auf unsere Stadtentwicklung einzuwirken?

Das erste, was ich in Berlin gerne für meine Heimatstadt Köln erreichen wollen würde, ist, dass es wieder eine starke „Kölsche Fraktion“ gibt, auch über Fraktionsgrenzen hinaus. Gerade das Bundesland Bayern zeigt uns ja, wie man erfolg reich für eine Region wirbt und auch für eine Region Bundesmittel „abgreift“. Wir müssen, gerade im Bereich der Infrastruktur, mehr Projekte in der Schublade haben, damit in dem Moment, wo Gelder frei werden, wir uns im Rheinland, und da ist Köln die prägende Stadt, melden und sagen können, hier haben wir ein Projekt, das ist schon durchgeplant, wir können sofort starten, bitte, gebt uns die Mittel. Darüber hinaus bin ich der festen Überzeugung, dass man durch das persönliche Eintreten für die Stadt Köln zeigt, welches Riesenpotenzial in dieser Stadt liegt. Wir werden von aussen häufig über Karneval und jetzt auch leider über die Silvesternacht wahrgenommen, das ist natürlich viel zu wenig. Köln ist, ohne dass sie Regierungssitz ist, eine ganz starke, lebhafte und innovative Metropole mitten in Europa. Und ich möchte auch mit einem gewissen Schuss Selbstbewusstein in Berlin für diese Stadt eintreten.

Sie sind Verkehrspolitischer Sprecher der Ratsfraktion. Wie sehen Sie die derzeit von den Grünen dominierte Verkehrspolitik in Köln?

Ich glaube nicht daran, dass wir unsere verkehrspolitischen Probleme nur dadurch lösen, dass wir vermehrt Radwege bauen. Sicherlich ist das Fahrrad im Mix der unterschiedlichen Verkehrsträger ein Teil der Lösung, es ist aber keine heilige Kuh, genauso wie das Auto nicht der absolute Bösewicht ist. Wenn aber eine solche Ideologie, die nur das Fahrrad und alles andere immer nur in zweiter oder dritter Linie betrachtet, zur Politik wird, schadet es nicht nur dem Wirtschaftsstandort, sondern es schadet am Ende vor allen Dingen den Bewohnern der Stadt selbst. Es muss auch weiterhin ein Lebensmodell geben mit dem Auto. Und man muss sich auch nicht dafür schämen, sich mit dem Auto zu bewegen.

Von Köln nach Washington: Hat sich Ihr Bild von den Vereinigten Staaten nach dem Wahlsieg von Donald Trump geändert?

Meine erste Frage ist, wie schlecht waren wir informiert und wie schlecht haben wir auf die USA geschaut, vor der Wahl von Herrn Trump. Nur durch die europäische Brille auf die USA zu schauen, ist ein großer Fehler. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass uns mit den USA kulturell, politisch, ökonomisch und geschichtlich soviel verbindet, dass wir uns nicht irre machen sollten über eine Präsidentschaftswahl. Wir brauchen die USA genauso wie sie uns brauchen und in diesem Geiste sollten wir auf die USA schauen. Ich mag gerade bei der politischen Linken in Deutschland dieses „USA-Bashing“ nicht. Ich halte es, auch vor dem Hintergrund unserer eigenen Geschichte, für unangemessen.

Welche Veränderungen erwarten Sie für die politischen Beziehungen der USA zu Deutschland?

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Beziehungen zwischen Staaten permanent verändern und dass man auf der Grundlage gleicher Interessen und gemeinsamer Erfahrung und vor allem auch gemeinamer Werte, diese Beziehungen immer wieder neu austarieren muss. Sicherlich wird Donald Trump anders auftreten, und manche Vorstellungen und Forderungen haben, die uns im ersten Moment nicht gut gefallen werden. Aber am Ende muss es einen Ausgleich der Interessen geben und ich bin sicher, dass es diesen Ausgleich auch geben wird, denn, ich habe es vorhin schon angesprochen, wir brauchen uns wechselseitig.

In den Medien findet sich vielfach die Befürchtung, dass der Erfolg von Trump auch den Rechtspopulisten in Europa weiteren Auftrieb verschafft. Wie bewerten Sie das hinsichtlich der bevorstehenden Wahlen?

Wir müssen im Landtags- und Bundestagswahlkampf den Menschen eines klar machen: Wer auf einfache Lösungen und Versprechen reinfällt, wird am Tag nach der Wahl enttäuscht. Ob wir auf die Brexit-Kampagne oder ob wir auf Herrn Trump schauen, alle Politiker, die mit einfachen Lösungen und populistischen Formulierungen unterwegs sind, haben gar kein Interesse, ihre Versprechnungen einzuhalten. Sie brechen sie häufig schon am ersten Tag. Und das muss man den Leuten ganz klar vermitteln, dann wird die Attraktivität der rechtspopulistischen Parteien auch wieder zurückgehen.

Eine persönliche Frage zum Schluß: Sie haben Ihre Frau Bettina während der Gründungszeit bei den Jungen Liberalen kennengelernt und einer Ihrer Söhne ist dort mittlerweile auch Mitglied. Ihre Frau ist stellvertretende Kreisvorsitzende und Gesundheitspolitische Sprecherin der Liberalen in Köln. Wieviel Politik findet bei Ihnen zu Hause statt?

Es gibt bei uns zu Hause den ganz klaren Dreiklang der drei F: Familie, Firma, FDP. Das heißt, zuerst kommen die Interessen der Familie, das ist das Wichtigste. Dann kommen die Interesssen des Unternehmens, der Arnold Houben GmbH und die Anforderungen der Praxis meiner Frau. Wir haben Glück, wir sind soweit gesund und fit, unsere beruflichen Engagements sind erfolgreich, und wir sind im täglichen Leben sehr diszipliniert. Das hat immer dazu geführt, dass wir große Freiräume für die Politik gehabt haben. Natürlich wird abends am Esstisch darüber gesprochen, wie es uns geht, was in der Praxis los war und in der Firma, doch dann reden wir nicht über den nächsten Urlaub, sondern lieber über die nächste Ratssitzung.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Köln?

Ich bin ja in Bensberg geboren und im Frankenforst aufgewachsen. Und als ich als Siebenjähriger nach Köln in die Großstadt kam, war das für mich schon ein sehr starker Einschnitt. Deswegen ist für mich, auch heute noch, der schönste Ort die Flora und Riehl und drumherum, wo wir glücklicherweise auch wohnen dürfen.

Herr Houben, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Wieneritsch.

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