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07.09.2003

JuLi Klüngel

Pressespiegel

Auf dem Weg nach Europa

Jörg Wittkamp
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Jörg Wittkamp
Interview mit Jörg Wittkamp, Kandidat der FDP-Köln zur Europawahl 2004

Das Gespräch für die Mitgliederzeitung der Jungen Liberalen Köln, "JuLi-Klüngel", führte Alexander Vogel.


Jörg Wittkamp wurde 1962 in Köln-Lindenthal geboren. Nach seinem Abitur am Apostelgymnasium Köln begann er 1980 sein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln. Nach seinem Abschluss als Diplom-Kaufmann im Jahre 1986 stieg er in die elterlichen mittelständischen Betriebe ein, deren Leitung er 1989 zusammen mit seinem Bruder übernahm. Seit 1998 ist Jörg Wittkamp Mitglied des Aufsichtsrates der GdB, einer bundesweit tätigen Verkehrsgenossenschaft mit rund 1000 mittelständischen Betrieben aus dem ganzen Bundesgebiet als Mitglieder.

Zeitgleich mit seiner Berufung in den Bundesfachausschuss Verkehr trat Jörg Wittkamp im Jahre 2000 in die FDP ein. Er hat den Status als ständiger Gast im Bundesfachausschuss Internationale Politik/Europapolitik und ist Mitglied im Bezirksausschuss Außen-, Sicherheits- und Europapolitik des FDP Bezirksverbandes Köln und in der deutschen Gruppe der Liberalen Internationalen (DGLI). Seit dem Ortsparteitag 2003 gehört Jörg Wittkamp dem Vorstand des Ortsverbandes Köln-West als Schriftführer an. Der Kreisparteitag wählte ihn im März 2003 zum Kandidaten der Kölner FDP zur Europawahl 2004.

Was ist für Sie Europa?

Das ist eine schwierig zu beantwortende Frage gleich zu Anfang, weil es darauf für mich 1000 + 1 Antwort gibt. Ich bin ja jetzt versucht zu sagen: Französischer Wein, italienisches Essen, deutsches Bier, spanische Fiestas..., aber wir wollen ja ernsthaft bleiben. Europa ist eine Gemeinschaft für Frieden und Freiheit, für Demokratie und Sicherheit, für wirtschaftliche und soziale Stabilität und Entwicklung. Aus dem Schrecken der Jahrhunderte haben die Europäer angefangen zu lernen, die Nationalstaatlichkeit zu überwinden, ohne die nationale Identität aufzugeben. Diese Entwicklung muss fortgesetzt werden. Europa ist eine Sache des Kopfes. Der europäische Gedanke muss in den Köpfen der Bevölkerung verankert werden. Man kann vom Kopf her Europäer sein und im Herzen deswegen trotzdem Deutscher oder Franzose bleiben.

Im Hinblick auf die Osterweiterung 2004 stellen sich viele die Frage, wie viele Länder denn noch Mitglied der EU werden sollen? Wo sehen Sie das „Ende“ der EU?

Die Osterweiterung der EU stellt die Gemeinschaft sicherlich vor eine große Bewährungsprobe. Noch nie in der Geschichte der EU sind so viele Mitglieder auf einen Schlag der EU beigetreten. Ausschlaggebend war sicherlich die einmalige Chance, in vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks die Demokratisierung voranzutreiben und zu festigen und eine politische und wirtschaftliche Stabilisierung zu erreichen. Eine Öffnung der EU nach Osten war nötig, wenn auch mit riesigen Anstrengungen verbunden, um eine Destabilisierung der noch jungen Demokratien zu verhindern. Wären die „Nachbarn“ im politischen und wirtschaftlichen Chaos versunken, hätte auch die EU nur verlieren können. Aber das Wachstum kann natürlich nicht unbegrenzt weitergehen. Eine Vertiefung der Union und eine Anpassung Ihrer Struktur an die neuen Gegebenheiten hat meines Erachtens nach nun Vorrang. Man darf nicht die Stabilisierung der Beitrittsländer mit einer Destabilisierung der EU erkaufen. Wenn aber ein Land - und da schließe ich die Türkei ausdrücklich mit ein - die Kopenhagener Kriterien erfüllt, hat es ein Recht auf seinen Platz in der EU. Und es gilt diese Länder bei Ihren Bemühungen zu unterstützen. Aber es darf keinen „Aufnahme-Automatismus“ geben. Als „Ende“ der EU sehe ich schon die geografischen Grenzen Europas mit Sonderstatus für die Türkei und Russland als Zwei-Kontinente-Staaten.

Wo wir gerade beim Thema Erweiterung sind, welche Chancen räumen Sie der Türkei ein, Mitglied der EU zu werden?

Konkret halte ich derzeit weder die EU noch die Türkei für reif genug, ernsthafte Beitrittsverhandlungen zu führen. Diese sollen, laut Beschluss der Staats- und Regierungschefs des Europäischen Rates auf dem Gipfel in Kopenhagen, nach Ende 2004 erfolgen. Die Türkei hat in den letzten Jahren durch Änderungen ihrer Verfassung nachgewiesen, dass sie in der Frage der Rechtspolitik und der Menschenrechte auf dem richtigen Kurs ist. Dies ist lobenswert und sollte nachhaltig unterstützt werden. Aber für die Türkei gelten, wie für alle anderen Beitrittsstaaten auch, die Kopenhagener Kriterien. Und solange diese nicht erfüllt sind, kann meiner Überzeugung nach, kein Beitritt der Türkei erfolgen. Und in vielen Bereichen hat die Türkei da noch große Anstrengungen vor sich.

Für was wollen Sie sich als Mitglied des Europäischen Parlaments besonders stark machen?

Allgemein will ich den Gedanken Europa in den Köpfen der deutschen Bevölkerung stärker verankern. Da sind andere Länder schon viel weiter als wir. Im Besonderen richte ich mein Augenmerk natürlich auf die Verkehrspolitik. Die existierenden Misstände in diesem Bereich und die mangelhafte Bewältigung der vorliegenden Aufgaben haben mich ja überhaupt dazu bewogen, politisch aktiv zu werden. Wenn man den gemeinsamen Markt erweitert, muss man auch dafür Sorge tragen, dass die neuen Märkte infrastrukturell, d.h. Verkehrs-, Informations- und Energietechnisch, ausreichend angeschlossen sind. Sonst erlangt man nur eine Peripherisierung dieser Märkte mit dem Ergebnis, dass diese im europäischen und internationalem Wettbewerb nicht mithalten können. Und gerade im Bereich Verkehr liegt da so einiges im Argen. Es tut einem Parlament vielleicht gut, mal einen Praktiker zu erhalten, der sich mit den konkreten Problemen der Verkehrswirtschaft jeden Tag herumschlägt und sie nicht nur vom Hörensagen oder aus Ausschüssen kennt.

Wo sehen Sie Europa und die EU in 50 Jahren?

Das ist zum Abschluss natürlich noch einmal eine sehr schwierige Frage. Mein Wunschtraum ist sicherlich eine EU, die alle europäischen Staaten umfasst und die ein Garant für eine Leben in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit ist. Ob wir diesen Wunsch erreichen und ob dies „schon“ in 50 Jahren geschieht, wird davon ahängen, wie viel nationalstaatliche Souveränität die Staaten Europas bereit sind, auf ein Gebilde Europa zu übertragen, und in wie weit nationalstaatliche Interessen sich den Interessen Europas anpassen lassen. Vielleicht sind später ja die Menschen stolz darauf, ein Europäer und Brite, Franzose oder Deutscher zu sein. Aber bitte in dieser Reihenfolge.


Hier geht es zu weiteren Meldungen und Initiativen der FDP zu den Themen Europapolitik und Europawahl.

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