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23.01.2016

FDP-Kreisverband Köln

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"Lob des Schutzmanns"

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„…oder so“ – Die Kolumne von Maren Friedlaender
An der Ecke vor der Grundschule steht oft ein Polizist, früher hieß er Schutzmann. Schutzmänn_Innen gab es damals noch nicht. Schutzmann klingt irgendwie nett. Er kommt auch in die Schule und erklärt, dass die Eltern mit dem SUV bitte nicht bis an die Tafel heranfahren sollen. Der Schutzmann ist einer von vielen. Nach der Schule geht er durch die Fußgängerzone und verkörpert Sicherheit, Ansprechbarkeit und Hilfsbereitschaft.

Warum er am Samstag, wenn die Eltern den Geländewagen durch die Waschanlage fahren, benebelte Hornochsen zweier Fußballvereine vom Kopfeinschlagen abhalten muss, während 19-jährige Jungmillionäre auf dem Platz einen Ball treten, frage ich mich seit Jahren. Wir zahlen das halt mit unseren Steuern. Wenn der Schutzmann Pech hat, bekommt er von einem dieser Rindviecher eine Büchse Hansa-Pils an den Kopf geworfen. Dann kann er montags nicht Einbrecher verfolgen oder die Kinder beschützen.

Dann müssen Kolleginnen und Kollegen den Karnevalszug begleiten oder die Demo gegen das Baumsterben oder die Love-Parade, den Christoper-Street-Day oder den Tanz in den Mai, die Halloween-Orgie, die Pegida-Demo oder die Anti-Pegida-Demo, „Kölner Lichter“ oder die Randale der Spaßbürger am Brüsseler Platz, den Weihnachtsmarkt oder das Oktoberfest, „Karneval im Sunnesching“ oder die Silvesternacht. Mit anderen Worten: unsere Dauerparty.

So kann es Engpässe am Bahnhof geben. Auf die Monster-Kirmes namens „Unendlicher Spaß“ wollen eben alle gehen. Ohne Spielregeln. An den rechtsfreien Tagen, da wird der Prozess der Zivilisation, eh schon im Rückwärtsgang, ganz ausgesetzt. Fahren Sie mal am Freitag nach Weiberfastnacht mit einem Regionalzug, der aus Köln kommt. Da sagen Sie auch:
„I have seen the horror.“

Warum immer öfter Köln? Das Image vom Ballermann am Rhein klebt an der Stadt. Die vorgelebte Heidewitzka-Welt benebelt die Gehirne. Köln: permanent verhöhnerte Stadt des ewigen Karnevals und Karneval gleich rechtsfreies Sau-Rauslassen. Super. Daran haben viele mitgewirkt. Der Firnis der Zivilisation ist dünn. Nicht erst seit Silvester.

Bei aller Kritik an der Kölner Polizeiführung, aber wann gehen wir Bürger mal in uns? Auf wochenlange „Lachende Sporthalle“ folgt ein Dauer-Burn-Out. Das ganze Leben eine Party? Und bei jeder Sause muss es ordentlich krachen, bis der Arzt kommt oder eben die Polizei. Wie soll die das leisten? Wenn etwas schief geht, gibt es einen Shitstorm in Tsunami-Stärke.

Die Degradierung der Polizei zur Putz- und Schutzkolonne für die permanent Schunkelnden fordert ihren Tribut. Auch Schutzmänner brauchen hin und wieder Schutz: vor den Ansprüchen der Ganzjahresjecken, vor Verbrechern aus der Aachener Justizvollzugsanstalt, die mal eben mit zwei Beamten nach Köln herüberkommen, um hier ein Kölsch zu trinken und dabei stiften gehen und Schonung vor dem Fußball-Mob. Lassen wir doch die Jungmillionäre mal unter sich spielen, gönnen wir den Schutzmännern und -frauen ein Familienwochenende, den aggressiven Fußballvandalen eine meditative Hansa-Pils-Pause. Und danach zahlen die Vereine für die Polizeieinsätze. Ich mag nimmer blechen. Nur für den Schutzmann oder so... Für den schon.

Maren Friedlaender

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