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21.11.2001

FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln

Mehr Niederflur: Ein Gewinn für die Fahrgäste

Positionspapier zum Gutachten ‚Umrüstung des Stadtbahnsystems Köln auf Niederflurbetrieb’


Vorbemerkung

Die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln ist froh und stolz, den Prozess, die Festschreibung einer Trennung des Stadtbahnnetzes in Nieder- und Hochflurstrecken zu überprüfen, angestoßen zu haben. Dabei steht die FDP-Fraktion in der Tradition ihrer Vorgängerin, die bereits vehement - aber vergeblich - gegen die Trennung der Systeme gekämpft hatte.

Anlass der neuerlichen Diskussion war eine Verwaltungsvorlage zum Bau von 90cm-Bahnsteigen im Zuge der Linie 12 im engen Straßenraum des Höninger Weges in Zollstock und eine angekündigte Verwaltungsvorlage, die vorsah, für ca. 120 Mio. DM über 100 Bahnsteige im Kölner Stadtgebiet auf Hochflurniveau anzuheben. Dis Suche nach stadtbildverträglicheren und kostengünstigeren Alternativen begann.

Nach den positiven Erfahrungen mit der Niederflurtechnik hätte der Beschluss aus dem Jahre 1991 und das darin enthaltene Linienkonzept 20xx, das Niederflurbahnen lediglich auf den Ost-West-Linien vorsah, viel früher auf den Prüfstand gehört. Die durch CDU und FDP gebildete neuen Mehrheit seit der Kommunalwahl 1999 ergänzt durch die Bündnisgrünen hat im März 2001 den Mut und die Kraft besessen, gegen weite Teile der veröffentlichten Meinung ein entsprechendes Gutachten in Auftrag zu geben.

Die jetzt vorliegenden Ergebnisse des Gutachtens lassen vermuten, dass man noch zu ganz anderen Ergebnissen hätte kommen können, wenn man diesen Schritt früher gewagt hätte und nicht schon so viele Maßnahmen in Richtung Hochflursystem realisiert worden wären. Dies hat die damalige Mehrheitsfraktion vor der Kommunalwahl jedoch verhindert.


Zielsetzung

Die FDP verfolgte mit ihrer Initiative insbesondere folgende Ziele:
- Weitgehender Verzicht auf den Bau von Hochbahnsteigen bei im Straßenraum verkeh-renden Linien (z. B. Neuehrenfeld, Weidenpesch, Zollstock).
- Kostenersparnis gegenüber der Anhebung der über 100 bisher noch nicht auf Hochflurniveau angehobenen Bahnsteige.
- Schaffung neuer Linienflexibilität, so dass Linien aus dem Ost-West-Niederflurnetz auch wieder in Nord-Süd-Richtung geführt werden können.

Die FDP hat sich für ein Modell eingesetzt, das eine Ausweitung des Niederflurnetzes in mehreren Stufen vorsehen sollte:
- Kurzfristig auf den jetzt noch nicht für den Hochflurbetrieb optimierten Strecken.
- Mittelfristig im Zuge der Eröffnung der Nord-Süd-Stadtbahn.
- Langfristig bei der Ersatzbeschaffung der sich nun in Betrieb befindlichen oder bestellten Fahrzeuge.
Dabei war der FDP von vornherein klar, dass die letzte Stufe wegen der hohen Kosten, die der Rückbau bereits bestehender Hochflurbahnsteige verursachen würde, möglicherweise nie realisiert werden würde.


Abwägung

Die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln spricht sich für die Umsetzung der vom Gutachter vorgeschlagenen Variante C (Modifiziert) aus, die einen zusätzlich mit Niederflurfahrzeugen zu befahrenden Strang von den Ringen in den Kölner Norden schafft, die Linie 13 auf dem Gürtel belässt und die Linie 5 von Ossendorf kommend in die Nord-Süd-Stadtbahn führt. Dafür sprechen aus unserer Sicht insbesondere folgende Gründe:

- Kosten: Die Kosten liegen im Vergleich zur bisherigen Planung um 21 Mio. DM günstiger.

- Kundenfreundlichkeit: Es entsteht auf dem neuen Niederflurstrang Ringe/Neusser Straße ein weitgehend streckengleiches Linienbündel, das den Fahrgästen den Eindruck eines richtigen U-Bahn-Netzes, wie wir es aus Städten wie Berlin kennen und schätzen, vermittelt. Alle 3 bis 4 Minuten kommt ein Zug, mit dem man bis zu seinem Ziel oder bis zur geeigneten Verknüpfungshaltestelle fahren kann. Insbesondere beim Wechsel von der Ost-West-Strecke in Richtung südliche Ringe oder Neusser Straße braucht man nicht mehr zu tippen, ob man am Neumarkt oder am Rudolfplatz die schnellere Verbindung erreicht.
Außerdem bleiben den Fahrgästen viele Unannehmlichkeiten erspart, die durch die 44 zusätzlichen Bahnsteige, die nach dem Linienkonzept 20xx noch aufwendig unter Betrieb umgebaut hätten werden müssen, entstünden.

- Pünktlichkeit: Durch die entfallende Linienverflechtung insbesondere am Barbarossa- und am Ebertplatz wird die Fahrplantreue erhöht.

- Höhengleicher Einstieg: Im Gegensatz zu den Varianten A und B ist bei der Variante C (Mod.) bereits nach der 2. Realisierungsstufe für 99% der Fahrgäste ein niveaugleicher Einstieg möglich, was nicht so mobilen Fahrgästen entgegen kommt und die Fahrgastwechselzeiten an den Haltestellen reduziert. Dieser Wert entspricht der bisherigen Planung nach dem Linienkonzept 20xx.

- Direktfahrer: Entgegen der Variante C biete die modifizierte Variante C für die Fahrgäste der Linien 5 und 13 mehr Direktfahrmöglichkeiten. Es werden täglich bis zu 17.700 Umsteigevorgänge an den Haltestellen Nußbaumerstrasse und Subbelrather Straße/Gürtel vermieden, wenn die Linie 13 weiter über den Gürtel und die Linie 5 über Dom/Haupt-bahn-hof in den Tunnel der Nord-Süd-Stadtbahn fährt. Auf das Gesamtnetz umgelegt macht das 1% mehr Direktfahrer aus.
Für 400 Fahrgäste (Nettoverlust) täglich, die aus Zollstock kommen, in Richtung der Haltestellen im Zentraltunnel wollen und nun zur Erreichung dieser Haltestellen am Ring umsteigen müssen, ergibt sich zum beschlossenen Linienkonzept 20xx keine Veränderung, da dort bereits die Führung der Linie 12 über die Ringe vorgesehen war. Die durchschnittliche Wartezeit auf die Umsteigebahn (am Barbarossa- und Rudolfplatz von 2 bis 3 Minuten und am Friesen- und Ebertplatz von 1 bis 2 Minuten) wird durch den Fahrzeitgewinn durch den niveaugleichen Einstieg auf dem Höninger Weg von 2 Minuten weitgehend kompensiert.
Für 50 Fahrgäste (Nettoverlust) täglich, die aus dem Norden kommen, in Richtung der Haltestellen im Zentraltunnel wollen und nun zur Erreichung dieser Haltestellen am Ebertplatz umsteigen müssen, soll die S-Bahn-Verbindung (den fünf Haltestellen der Linien 12 und 18 im Stadtbezirk Chorweiler stehen fünf Haltestellen der S-Bahn-Linie S11 gegenüber) verbessert werden (siehe Forderungen).

- Stadtbildverträglichkeit: Entgegen der ursprünglichen Planung der Aufstockung aller Bahnsteige im Nord-Süd-Netz auf 90cm bietet das neue Konzept die Möglichkeit, auf dem Höninger Weg in Zollstock und auf der Neusser Straße in Weidenpesch, wo die Bahnen ohne eigenen Gleiskörper auf der Straße fahren, stadtbildverträglichere 35cm-Bahnsteige zu bauen. Für die beiden problematischen Haltestellen in Neuehrenfeld (Lenau- und Takuplatz) muss eine vertretbare Lösung gefunden werden (siehe Forderungen).

- Kreuzung Barbarossaplatz: Am Barbarossaplatz kreuzen sich die Linienwege nur noch. Bahnen müssen nicht mehr vom Ring in Richtung Bäche bzw. Luxemburger Straße oder umgekehrt abbiegen. Dies entlastet diesen Knotenpunkt auch für den motorisierten Individualverkehr, Radfahrer und Fußgänger. Für die langfristig wünschenswerte U-Bahn-Halte-stelle unter dem Platz, die zur städtebaulichen Aufwertung dieses Bereiches unentbehrlich ist, wäre nur noch ein einfaches Kreuzungsbauwerk und keine aufwendige Verknüpfungshaltestelle wie am Ebertplatz mehr nötig.

- Planungssicherheit: Durch den Verbleib der Nord-Süd-Stadtbahn im Hochflurnetz wird der Planfeststellungsbeschluss, die gesicherte Finanzierung und der bevorstehende Baubeginn für diese bisher größte Kölner U-Bahn-Baumaßnahme nicht gefährdet.


Forderungen

Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Variante C (Modifiziert) stellt die FDP-Fraktion folgende Forderungen auf:

- Linienbelegung Nord-West: Es soll ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben werden, das feststellt, welche Linienkonfiguration in Richtung Bocklemünd/Mengenich und Ossendorf die meisten Direktfahrer und somit den optimalen Nutzen für die Fahrgäste bringt. Hier soll unter anderem die Frage geklärt werden, ob die Linie 5 künftig nach Bocklemünd und die Linie 4 nach Ossendorf fahren soll.

- Haltestellen Neuehrenfeld: Für die beiden im Zuge der Linie 5 in Neuehrenfeld städte-baulich besonders problematischen Haltestellen Lenau- und Takuplatz ist ein begrenzter Wettbewerb auszuloben, der unterschiedliche verkehrliche und architektonische Lösungen von Mittel- und Seitenbahnsteigen vorschlagen soll. Im Anschluss daran soll entschieden werden, ob dem niveaugleichen Einstieg oder dem geringeren Eingriff in das Stadtbild der Vorzug gegeben werden soll.

- S-Bahn-Takt S11: Die Deutsche Bahn wird aufgefordert, den Takt der S11 auf dem Streckenabschnitt Hauptbahnhof-Dormagen zu einem 10-Minuten-Takt zu verdichten.

- Ebertplatz: Die Verwaltung wird beauftragt, eine Planung zur Optimierung der Umsteigevorgänge an der Haltestelle Ebertplatz vorzulegen, die ein niveaugleiches Umsteigen am selben Bahnsteig ermöglicht.

- Breslauer Platz: Die Verwaltung wird beauftragt, die Planungen zur zeitweisen Unterbrechung des Linienverkehres zwischen den Haltestellen Breslauer Platz und Dom/Haupt-bahnhof und das damit verbundene Linienkonzept auf die das neue Liniennetz der Variante C (Mod.) umzuarbeiten. Mit der Wiederinbetriebnahme der umgebauten Haltestelle Breslauer Platz soll die erste Realisierungsstufe der Variante C (Mod.) umgesetzt werden, weil sich dann schon zahlreiche Fahrgäste auf eine Verkehrsführung „ihrer“ Linie über die Ringe gewöhnen konnten.

- 3. Stufe: Die Entscheidung ob, wann und wie die dritte Stufe der Vereinheitlichung des Fuhrparksystems realisiert wird, wird für die Zeit nach 2025 offengehalten. Alle bis dahin zu realisierenden Maßnahmen müssen insoweit provisorisch umgesetzt werden, als dass sie mit vertretbarem Aufwand für das jeweils andere System umgenutzt werden können.


Schlussbemerkung

Die vorherige Abwägung der Vor- und Nachteile der vom Gutachter im Vergleich zur ursprünglichen Planung des Linienkonzeptes 20xx untersuchten Varianten führt zu einem klaren Votum für die Variante C (Mod.) zur Optimierung des Stadtbahnsystems in Köln im Interesse der Fahrgäste und der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Köln. Zwei der drei ursprünglichen Ziele (Kostenersparnis und bessere Stadtbildverträglichkeit) werden erreicht. Das nicht erreichte Ziel der Linienflexibilität wird durch den Kundenmehrwert mehr als ausgeglichen.
Die FDP-Fraktion bedauert, dass die geplanten Maßnahmen für viele Fahrgäste eine Umstellung und für einige sogar ein zusätzliches Umsteigen erfordern. Doch vor dem Hintergrund der großen Vorzüge für die übrigen Fahrgäste und das Gemeinwohl bitten wir dafür um Verständnis.

Einstimmig beschlossen durch die „Große Fraktion“ am 21. November 2001


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